E-Mails sind ja sowas von 2007

Veröffentlicht: 6. Februar 2009 in Allgemeines, Aus der Praxis, Online
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Ich habe das Gefühl, einige dieser digitalen Bohémians (Schreibt man das so?) beantworten gar keine E-Mails mehr. Wahrscheinlich ist ihnen das schon längst wieder zu old school, wie man in der Jugendsprache zu sagen pflegt(e). Ich stelle mir aber gerade die Reaktion vor, wenn ich einem Autraggeber mitteilen würde (natürlich per Telefon, Skype, Chat oder Twitter), ich hätte keine Mailadresse mehr, weil mailen doch eigentlich total 2007 wäre. Wahrscheinlich würden mich die meisten Redakteure dann fragen, ob ich denn wenigstens ein Faxgerät hätte. Oder Telex.

Dabei waren das doch im Grunde herrliche Zeiten, als E-Mails begannen, sich als Massenkommunikationsmedium durchzusetzen: Man schaute ein- bis zwei Mal pro Woche in sein Postfach, hatte vielleicht eine Handvoll neuer Nachrichten und schrieb dann ein paar Antworten, wofür man sich richtig Zeit lassen konnte. Also richtig viel Zeit natürlich auch wieder nicht, denn damals wurde ja noch pro Minute abgerechnet und die imaginäre Kostenuhr tickte immer im Hintergrund.

Dann kam die Zeit, wo jeder diverse Newsletter abonnierte und man wegen jedem Scheiß erst einmal einen Verteiler oder eine Yahoogruppe einrichtete („Wir sollen nächsten Monat ein Gruppenreferat an der Uni halten? Da mach ich erst mal ’ne Yahoogroup für uns auf, damit wir da rund um die Uhr alles absprechen können.“ ). Wenn man jetzt mal zwei Tage keinen Internetzugang in der Nähe hatte, wurde man beim nächsten Einloggen von Dutzenden von Mails erschlagen, die man über diverse Verteiler weitergeleitet bekommen hatte. Oder man wurde vorwurfsvoll angeguckt, wenn man zur Uni kam und die letzten zwanzig Diskussionsbeiträge noch nicht gelesen hatte. (Dabei bin ich nicht mal bei Facebook oder StudiVZ angemeldet, das hätte die Sache wahrscheinlich noch schlimmer gemacht.) Statt sich einfach mal eine Woche vor einem Referat in der Caféteria zu treffen, postete man als guter Student nun schon sechs Wochen vor dem Termin täglich irgendwelche Links, Arbeitsaufforderungen und Lesehinweise in seine Internetgroup. Das Referat wurde dadurch zwar meist nicht besser, es dösten nicht weniger Kommilitonen im Seminar vor sich hin, aber man hatte das Gefühl, unheimlich fleißig und super vorbereitet gewesen zu sein.

Und heute? Kommen E-Mails schon wieder aus der Mode, chatten die 14-Jährigen lieber mit ihren (realen und virtuellen) Freunden vor sich hin, und erfolgreiche Freiberufler twittern alle zwei Stunden (minimale Frequenz) aus ihrem Leben. Der britische Schriftsteller und Schauspieler Stephen Fry („Peter’s Friends“, „Die Entdeckung des Himmels“) hat bei Twitter gut 139.000 Follower, also Menschen, die seinen Channel abonniert haben. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass nur ein paar Prozent von denen ihm auch ab und zu mal irgendwas antworten oder ihm eine Frage stellen, kann man sich ungefähr vorstellen, welcher „Communication-Overkill“ da auf Frys Handy bzw. in seinem Kopf herrscht. Wann kommt der Mann noch zum Arbeiten (und zum Bloggen, Video-Podcasten etc.)? Das Leben als A-Blogger, -twitterer, -podcaster ist wahrscheinlich ganz schön anstrengend. So, und ich melde mich jetzt bei GMX ab.

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Kommentare
  1. […] E-Mails sind ja sowas von 2007: Der Medienjunkie macht sich Sorgen, dass man heute als fleißiger E-Mail-Schreiber schon nur noch “old-fashioned” ist. […]

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