„Backbord ist ’nen Riesenleck, und der Obermaat weiß es , doch es schert ihn ’nen Dreck“

Veröffentlicht: 13. Februar 2009 in Print
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Dieses Motto scheinen sich die Zeitungsverleger in unserem Land zueigen gemacht zu haben. Der Zeitungsverlegerverband NRW fordert von der Landesregierung eine „Bestands- und Entwicklungsgarantie“ für die Verlage, entnehmen wir heute der Rheinischen Post. „Unsere Zeitungen werden täglich von 73 Prozent der Bürger gelesen“, klopft sich Verbandschef Bauer selbst auf die Schulter. Dass zwei Drittel der Nordrhein-Westfalen die Wahl zwischen mindestens zwei Lokalzeitungen haben, feiert er ernsthaft als Errungenschaft. Klar, gegenüber der DDR ist das ein Fortschritt an Meinungsvielfalt. Während realistischere Insider bereits das Ende der traditionellen Tageszeitung in fünf bis zehn Jahren vorraussagen, denkt man sich in NRW wohl: „Ich mache mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt.“ Nichts hören, nichts sehen, nur Luftblasen und absurde Forderungen an die Politik absondern.

Im Lokalteil finden sich dann gleich zwei Artikel über irgendwelche Gruppen, die die RP-Druckerei besichtigten: Azubis, die jetzt auch sechs Monate kostenlos die RP bekommen, um endlich mal mitzubekommen, was in der weiten Welt so alles passiert, sowie „Mitglieder des IVD Immobilienverbandes West“, was immer das auch sein mag. Abgesehen von der Frage, ob es eine wichtige Information ist, wenn irgendwer die Zeitung besucht hat, die man gerade liest: Wieviel Selbstbeweihräucherung passt eigentlich auf 32 Zeitungsseiten?

Wenn man das ernsthaft für guten Journalismus hält und einem außer Eigen-PR keine anderen Maßnahmen gegen den Auflagenschwund einfallen, werden die angeblichen 73 Prozent aus der Statistik wohl schneller dahinschmelzen als das Packeis in der Antarktis.

Einen schönen Bericht über den schleichenden Niedergang der Zeitungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern gab es übrigens in der letzten Ausgabe des NDR-Medienmagazins „Zapp“.

Überschrift: aus Rio Reisers „Blinder Passagier“

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