Wie lange hält „Galore“ noch durch?

Veröffentlicht: 16. Februar 2009 in Print
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Mit der letzten Ausgabe hat das Interview-Magazin „Galore“ bereits die Erscheinungsweise von monatlich auf zweimonatlich reduziert. So etwas ist meistens ein Anzeichen dafür, dass die Verkäufe stark zurück gegangen sind (man denke in der Vergangenheit an Beispiele wie „Capital“; auch die SF-Zeitschrift „Space View“ ist gerade leider diesen Weg gegangen). Vor einiger Zeit hatte es bei „Galore“ bereits eine recht große Konzeptänderung gegeben: War man als erste deutsche Zeitschrift gestartet, die ausschließlich Interviews abdruckte, wandelte man sich nun zu einem mehr oder weniger normalen Kultur- und Lifestylemagazin, das neben zahlreichen Interviews auch andere Darstellungsformen wie etwa Reportagen, Rezensionen etc. enthält.

Das scheint dem Einbruch der Auflage aber nicht entgegengewirkt zu haben, denn auf dem neuesten Heft, das gerade erschienen ist, prangt bereits oberhalb des Titelschriftzuges der Hinweis: „Mehr Seiten, längere Interviews und eine Film-DVD in jedem Heft“ (sinngemäß). Häufige Konzeptänderungen sind normalerweise ebenso ein Zeichen für eine wirtschaftliche Krise wie das plötzliche Hinzunehmen von Beilagen. In diesem Fall ist die Beilage ja auch nicht wirklich inhaltlich begründet: „Virgin Suicides“ ist zwar ein guter Film, aber „Galore“ ja keine Filmzeitschrift.

Sieht man sich die IVW-geprüfte Auflagnentwicklung des vergangenen Jahres an, ist die Entwicklung tatsächlich verhehrrend: Die verkaufte Auflage ging seit Anfang 2008 um die Hälfte zurück. Sieht man genauer hin, stellt man fest, dass ein Großteil dieser Verkäufe in der Vergangenheit aber sowieso schon Bordexemplare und „sonstige Verkäufe“ waren, also Hefte, für die nicht mal annähernd der volle Preis gezahlt wurde. (Nach der Statistik hat „Galore“ im zweiten Quartal kein einziges Heft im Einzelhandel verkauft; das kann aber ja wohl nicht sein?). Schön auch, dass im Ausland teilweise gerade einmal 64 Hefte verkauft wurden. Ich tippe mal, „Galore“ ist einer der nächsten Kandidaten, wenn es um die Einstellung eines Lifestyle-Magazins geht (nachdem „Blond“ ja neulich, ebenfalls nach vergeblichen Konzeptänderungen, eingestellt wurde).

Grundsätzlich ist dies zu bedauern, denn gute Kulturzeitschriften kann es ja eigentlich nie genug geben. Allerdings hatte ich bisher auch noch nie das Bedürfnis, mir die „Galore“ zu kaufen, und ein Heft, dass ich vor einigen Jahren mal auf der Frankfurter Buchmesse gratis bekam, hat mich auch nicht gerade vom Hocker gerissen. Dabei kann es doch im Grunde gar nicht so schwierig sein, ein gutes Kulturmagazin für jüngere Erwachsene zu machen. Aber wahrscheinlich funktioniert so etwas nur noch für ein Nischenpublikum, nicht für den Massenmarkt. Da braucht man schon ein Konzept wie „Neon“, um Erfolg zu haben.

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Kommentare
  1. […] Vor Kurzem hab ich noch darüber gemutmaßt, wie lange die “Galore”-Macher noch durchhalten, heute meldet die taz, dass Mitte Juni die letzte gedruckte Ausgabe erscheinen soll. Das ehemalige Interviewmagazin hat seit 2008 mehrmals das Konzept geändert, ging zunächst weg vom reinen Interview- zum Kultur- und Lifestylemagazin, verringerte dann seine Erscheinungsweise von monatlich auf zweimonatlich, um zuletzt damit zu werben, dass nun auch noch eine DVD beiläge, die inhaltlich überhaupt nichts mit dem Konzept des Heftes zu tun hatte. Das Segment Lifestyle scheint zzt. wirklich tot zu sein, die Liste der in letzter Zeit eingestellten Titel ist lang: Park Avenue, Vanity Fair, Max, Matador, Maxim, Blond, nun auch noch Galore. Was waren das in den 80ern und frühen 90ern für goldene Zeiten, als am Kiosk noch Zeitschriften wie Tempo, Wiener und Twen um die Gunst der Leser konkurrierten. […]

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