Archiv für 19. Februar 2009

Der Jahrmarkt der Eitelkeit wird noch diese Woche geschlossen – zumindest in Deutschland. Nach zwei Jahren erklärte Condé Nast sein Experiment einer deutschen Ausgabe der traditionsreichen amerikanischen „Vanity Fair“ für wirtschaftlich gescheitert (Schuld sei angeblich alleine die Wirtschaftskrise.). In Wahrheit war das Experiment natürlich schon lange inhaltlich gescheitert, spätestens seit Gründungschefredakteur Ulf Poschardt im vergangenen Jahr seinen Hut nehmen musste.

Ein stringentes Konzept war sowieso von Anfang an nicht erkennbar: Die Themenmischung wirkte statt originell meist eher skurril, die Titelbilder waren teilweise sogar unfreiwilig komisch und wirkten manchmal wie die eines Satiremagazins (Till Schweiger mit Ziege, Knut und Benedetto). Angebliche Scoops wie das provozierende Horst Mahler-Interview mit Friedmann wirkten eher bemüht; politisch war das Magazin irrelevant, kulturell beliebig und größtenteils wirkte es einfach wie eine stinknormale Frauenzeitschrift mit Boulevardthemen und Schminktipps. Die angepeilte Zielgruppe der „Mover und Shaker“ existierte sowieso nur im Kopf von FDP-Anhänger Posch, der inzwischen neoliberale Kommentare in der „Welt am Sonntag“ schreiben darf.

Schade ist das Ganze trotzdem, denn vor dem Start hatten viele (auch ich) große Hoffnungen in das neue Magazin gesetzt: endich (wieder) ein relevantes Popkultur- und Gesellschaftsmagazin auf dem deutschen Markt zu etablieren (btw: Was ist eigentlich aus dem Konkurrenzprojekt mit dem Arbeitstitel „Neues Deutschland“ geworden? Wohl gestorben in der Entwicklungsredaktion.). Während das US-Original diesen Spagat zwischen gesellschaftlicher Relevanz und lockerem Lifestyle-Jounalismus ja wohl schaffen soll, ist es der deutschen Schwester nie gelungen, irgendwie einen eigenen Stil zu finden und etwas Anderes zu sein als eine BUNTE mit (dürftigem) Politikteil.

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