„Ich lass mir doch meine These nicht kaputt recherchieren“

Veröffentlicht: 2. März 2009 in Online, Print
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Abb.: Der Spiegel

Abb.: Der Spiegel

Das denkt sich wohl auch „Der Spiegel“ in den letzten Jahren immer öfter. Nach Second Life vor einigen Jahren haben die Hamburger jetzt wieder mit mehrjähriger Verspätung ein Titelthema aus der bunten Welt des Web 2.0 ausgegraben: Soziale Netzwerke à la StudiVZ, Xing und Facebook. Was von dieser Geschichte zu halten ist, analysiert Thomas Knüwer heute sehr schön und sehr ausführlich in seinem Blog.

„In einer Zeit, da seine Auflage fällt und die Anzeigen ausbleiben dürfte sich ein „Spiegel“ aber ruhig fragen, ob es die richtige Strategie ist, die Redaktion mit Sensationsheischerei zum falschen Freund des Leser zu machen – oder ob nicht Qualität das Gebot der Stunde sein könnte.“

Ein weiterer Beweis dafür, warum man den „Spiegel“ mMn schon seit Beginn der Ära Aust nicht mehr ernst nehmen kann. War er vorher „im Zweifel links“, ist er seitdem im Zweifel populistisch. Wo man früher brilliant recherchierte Titelgeschichten fand, läuft man heute jedem Trend hinterher und biegt sich die Rechercheergebnisse so lange zurecht, bis sie zur populistischsten These passen, die man vorher aufgestellt hat. Das Ganze garniert man dann gerne noch mit einem vorurteilsbeladenen Titelbild (à la „Die islamische Gefahr“) und reißerischen Aufmacherfotos, auf denen man genau das zeigt, was man in dem Artikel anprangert (leicht bis gar nicht bekleidete Teenagerinnen im aktuellen Fall oder vollbusige Avatare wie bei der SL-Story damals). Wenn man nicht eh Hitler oder Bismarck auf dem Titelbild hat, weil es ja angesichts der massiven sozialen Probleme in unserem Land auch nichts Relevanteres zu schreiben gibt als ausufernde Geschichten über die deutsche Vergangenheit. Seit Aust weg ist, gibt es vielleicht weniger Pferdestorys im Heft; ansonsten scheint sich aber nichts wesentliches verändert zu haben.

Überschrift: beliebte Journalistenaussage

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