Eine TV-Zeitschrift für die Laptop-Generation

Veröffentlicht: 10. März 2009 in Print
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Drei Frankfurter Journalisten haben eine (TV-)Programmzeitschrift entwickelt, die anders sein soll als die Blätter, die stapelweise an jedem Kiosk und in jedem Supermarktregal ausliegen. Keine tief dekolletierten Schauspielerinnen vor blauem Photoshop-Hintergrund, keine Sterne und Daumen und vor allem keine über acht, zehn oder zwölf Seiten dahin mäandernden Komplettübersichten über das tägliche TV-Angebot. Stattdessen eine bewusst getroffene Auswahl auf qualitativ hochwertige Sendungen. Plus Rubriken zu weiteren Kultursparten wie Kino, Radio, Theater und Kunst. Praktisch ein TV-Magazin für Leute, die auch lieber „11 Freunde“ lesen als den „Kicker“, lieber „brand eins“ als die „Wirtschaftswoche“, wie die taz (so ähnlich) schreibt.

Klingt erst einmal gut, dieses Konzept für „Programm – Magazin für Fernsehen und Kultur“. Beim näheren Hinsehen finden sich aber einige große Haken, die das Ganze mMn nicht funktionieren lassen:

1. Die Auswahl – „Sehenswertes ist hervorgehoben, der Rest bleibt auf das Nötigste beschränkt. So hat Arte mehr Platz als Vox, Sender wie RTL II sind erst gar nicht aufgeführt. Falls sich in deren Programme doch mal ein Zufallstreffer befindet, wird dieser in dem Kasten „Und sonst“ genannt. “ Die Erfahrung zeigt, dass solche Auswahlen bisher nie von den Lesern akzeptiert wurden: Die taz hat das mal versucht, statt einem TV-Programm nur noch einige Tagestipps zu drucken und musste nach wenigen Tagen wegen massiver Leserproteste zurück rudern, ebenso versuchte der Düsseldorfer „Überblick“ mal Ende der 90er, den umfangreichen Veranstaltungskalender durch ein kleines Heftchen mit Tagestipps zu ersetzen – mit dem gleichen Ergebnis. (Die FAZ hat glaube ich gerade erst ihr TV-Programm durch eine Auswahl ersetzt, allerdings aus finanziellen Gründen.) Fazit: Leser lassen sich nicht gerne vorschreiben, was sie zu interessieren hat. Sie wollen ihre Auswahl selbst treffen. Bei Veranstaltungstipps bin ich der Meinung, dass eine Auswahl da inzwischen funktionieren könnte, da die meisten Menschen sich da mittlerweile eh im Internet informieren. Aber wer stellt sich sein TV-Programm schon auf den Websites der Sender oder der TV-Magazine zusammen? Nein, da will man schnell mal in eine Zeitschrift schauen und dann auf einen Blick wissen, was so läuft. Im Übrigen ist dieser elitäre Ansatz Quatsch. Wieso wird RTL II ignoriert? Gerade da laufen doch – neben dem ganzen eigenproduzierten Trash – einige der besten und bei gebildeten Zuschauern beliebtesten Serien (BSG, Rom, Dead like me, Californication, Dexter, früher auch 24). Während bei arte auch viel uninteressantes Gedöns läuft. So kann man jedenfalls keine qualitativ begründete Auswahl treffen. Wer wirklich nur arte guckt, kann sich ja das arte-Magazin kaufen, dafür braucht er keine neue Zeitschrift.

2. Das Radioprogramm – Ist erstmal eine super Idee, aber warum gibt es hier nur Tipps und überhaupt keine Programmübersicht? Im Gegensatz zum TV könnte man hier wirklich eine Auswahl nach Sendern treffen. Ob die Sendestrecken bei ffn und Radio NRW „Stefan am Morgen“ heißen oder „Hallo Wach“, interessiert die Zielgruppe wirklich nicht. Aber die Programme der wichtigsten Kultur- und Infosender wie DLF, DKultur, WDR 5 oder Bayern2 sollte man dann doch bitte komplett abdrucken, damit jeder seine eigene Auswahl an Reportagen, Hörspielen oder Musikspecials treffen kann. Wenn sich das auf einige wenige Tipps pro Tag beschränken soll wie in dem „Programm“-Dummy, ist man mit dem ausführlichen Radioprogramm in der „Hörzu“ (oder mit „Dampfradio“, Deutschlands einziger Radiozeitschrift) besser bedient.

3. Der Kulturteil – „Gleichzeitig gibt es zwar für alle kulturellen Sparten zahlreiche Special-Interest-Magazine, aber kein Kulturmagazin, das über das ganze kulturelle Geschehen auf dem Laufenden hält. “ – Das ist natürlich eine gewagte Aussage. Kulturmagazine gibt es ja wirklich genügend. Was ist denn  „Galore“ anderes als ein Kulturmagazin? Dann der „Kultur-Spiegel“, von den ganzen Gratis-Magazinen und Stadtillustrierten ganz zu schweigen. Auch der „Prinz“ ist ja nichts anderes als ein (weitgehend überregionales) Kulturmagazin. Hat wirklich jemand auf ein weiteres Magazin gewartet, das über neue Kinofilme, Theaterstücke und Kunstausstellungen berichtet? Dafür liest man normalerweise ein Feuilleton.

Mein Fazit: Die Idee ist gut, in dieser Form wirkt das Konzept aber wenig ansprechend. Mit dem Feuilleton der SZ, das auch ein komplettes TV-Programm sowie das Programm von WDR 5, DLF und Deutschlandradio enthält, bin ich da besser bedient.

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