Es ist nicht alles Gold, was nicht glänzt

Veröffentlicht: 13. Juli 2009 in Print
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Ich hatte ja neulich schon mal etwas über das neue Berliner Kulturmagazin „Aufstieg und Fall“ geschrieben. Jetzt habe ich es auch gelesen. Und muss leider sagen, dass der Inhalt nicht mit der Aufmachung mithalten kann. Das Heft sieht wirklich gut aus und liegt gut in der Hand – die Macher weisen extra darauf hin, dass sie „gefühlte 999 Papiermuster“ in der Hand hatten. Leider findet sich nicht ein einziger wirklich lesenswerter Artikel. Einiges ist ganz nett geschrieben, so der (englischsprachige) Artikel über einen betrügerischen Aktienhändler, der in den USA zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde, bei vielem ist man hinterher genauso schlau wie vorher – etwa bei einer launischen Geschichte über sexuelle Anziehung -, und einiges ist schlicht unleserlich, so das Interview mit einem Trendscout, der eine Plattitüde an die nächste reiht. Wirklich hervorragend geschrieben ist leider nichts.

Einige Artikel kommen gleich ganz ohne Fakten aus, sondern sind reine Dichtung (die sieben Leben einer Katze und ein selbst ernannter Messias schreibt über sich selbst). Das finde ich vom Ansatz her erst mal nicht schlecht, nur sollten solche Texte dann auch wirklich witzig sein, was die beiden leider nur bedingt sind. Ein roter Faden ist auch nicht wirklich zu erkennen. Angeblich soll das verbindende Thema der Debütausgabe ja Aufstieg und Fall sein. Und was hat der Messias jetzt damit zu tun? Himmelfahrt oder wie? Und die geistig Behinderten in Dänemark? Bei DUMMY ist das Oberthema ja oft auch sehr schwammig gewählt, so dass fast alles dazu passt (Thema des aktuellen Hefts: Männer). Zumindest kann man aber immer noch erkennen, was jeder einzelne Artikel denn nun mit dem Oberthema zu tun hat.

Am besten sind in „Aufstieg und Fall“ noch die Fotostrecken, eine zu einem wilden rituellen Fest in Indien, eine zu einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Dänemark. Aber wegen denen allein gibt man ungern knapp sechs Euro aus. Insgesamt wirkt das Heft wie ein DUMMY ohne echten Inhalt. Special Interest-Magazine, also Film-, Musik- oder Comicfachzeitschriften lese ich vor allem wegen der Informationen; wenn die Texte darüber hinaus noch gut geschrieben sind, umso besser. Bei Zeitschriften wie DUMMY oder LIEBLING erwarte ich gar keinen Informationsgehalt, sondern besonders gut geschriebene Texte, die ich einfach gerne zur Unterhaltung lese. In „Aufstieg und Fall“ findet sich leider beides nicht. Schade! Es ist halt doch nicht alles Gold, was aus Berlin kommt und auf glanzlosem schwerem Papier gedruckt wird.

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