Archiv für 22. September 2009

Ein interessanter Artikel über die Konferenz „all2gethernow“ in Berlin, die der geplatzten Popkomm (auch inhaltlich) etwas entgegensetzen sollte. Einige Parteivertreter scheinen da Gedanken zum Thema Urheberrecht und Erlösmodelle für die Musikindustrie vorgetragen zu haben, die auch zur Wahlentscheidung am kommenden Sonntag beitragen können:

„Demgegenüber wollte Malte Spitz aus dem Bundesvorstand der Grünen die in Frankreich bereits praktizierte „Three-Strikes-Regelung“ als Ideallösung verkaufen, die nach dem dritten Verstoß Internetsperren fürs Runterladen nach sich zieht. Da sich das Mediennutzungsverhalten aber stark verändert habe, plädiere er zusätzlich für die Einführung einer Kulturflatrate.“

Äh, widerspricht sich das nicht? Grundsätzlich für eine Kulturflatrate zu sein, gleichzeitig aber stärkere Strafen für illegales Downloaden zu fordern, ist in etwa so, als wäre jemand grundsätzlich dafür, Prostitution zu erlauben und gleichzeitig zu fordern, bis dahin müssten Freier aber drastischer bestraft werden. Dass ausgerechnet die Grünen inzwischen härtere Strafen für Delikte fordern, bei denen außer Konzernen niemand geschädigt wird, ist auch bezeichnend.

Und was ist mit den Piraten (ich mag inzwischen ja gar nicht mehr auf denen rumhacken, die haben’s ja im Moment in der Blogosphäre echt nicht einfach)?

„Ob die Piratenpartei Musik als Kulturgut wertschätzt, ob sie überhaupt einen Kulturbegriff hat, konnten ihre Vertreter nicht erklärlich machen. Einer der Ihren, der Filmrechteanwalt Patrick Jacobshagen, forderte etwa dazu auf, das Urheberrecht zeitlich stark zu begrenzen und das Zitatrecht auszuweiten. Wer also sein Kreuz für die Piraten macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass dann in Zukunft zum Beispiel Songs von Die Ärzte unbehelligt auf Nazidemos gespielt werden dürfen.“

Dass BILD-Chefredakteur Kai Diekmann vor kurzem in die taz-Genossenschaft eingetreten ist, halte ich eher für eine clevere PR-Maßnahme in eigener Sache bzw. für die BILD. Dass er dann im roten Pulli mit verfremdetem Che Guevara-Motiv auf der Genossenschaftsversammlung auftauchte, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass der Mann Humor hat, im Großen und Ganzen aber doch etwas peinlich.

Richtig schlimm für die taz wird es dann aber, wenn deren Geschäftsführung Diekmann zustimmt, mittelfristig müsse man für Zeitungsinhalte im Internet Gebühren verlangen. Leute, Leute, damit sind andere doch schon vor zehn Jahren gescheitert. So gut eure Artikel auch sein mögen, glaubt ihr ernsthaft, ausgerechnet taz-Leser – die nicht eh schon die Zeitung abonniert haben – werden in riesiger Zahl Online-Abos abschließen wollen? Mal ganz abgesehen davon, dass ihr euch mit einem solchen Schritt nicht gerade als Vorreiter für die digitale Zukunft präsentieren würdet. Und angeblich spielt die taz doch immer so gerne den Vorreiter bei gesellschaftlichen Entwicklungen.