Aus aktuellem Anlass: Der richtige Mann für einen FDP-Spitzenposten

Veröffentlicht: 5. Dezember 2009 in Politik
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Voller Entsetzen las ich vorhin in der Süddeutschen, dass Guido Westerwelle den bisherigen Generalsekretär der NRW-FDP, Christian Lindner, für den gleichen Posten auf Bundesebene vorschlagen will. Ich hatte im vergangenen Jahr das zweifelhafte Vergnügen, dem Mann bei einer Podiumsdiskussion in meiner alten Schule zuzuhören, über die ich für die Lokalzeitung berichten sollte. Aus aktuellem Anlass hier noch mal mein leicht überarbeiteter Eintrag dazu aus meinem alten Blog vom 5. Mai 2008:

Anlass meines Besuchs war eine Fragerunde mit drei jungen Landtagsabgeordneten. Der unsympathischste war natürlich der von der FDP, Christian Lindner aus Wermelskirchen. Vier Jahre jünger als ich, sieht aber zehn Jahre älter aus, komplett im Anzug, während die beiden anderen locker in Jeans und Hemd kamen. Und treuer Anhänger des neoliberalen Globalisierungsglaubens. Verkürzte Schulzeit? Muss sein, denn schließlich ist es ja ein Wettbewerbsnachteil für deutsche Studenten, wenn sie zwei Jahre später fertig sind als ihre Mitbewerber aus Großbritannien. (Frage mich, wer denn mit denen um die gleichen Stellen konkurriert. Umwege im Lebenslauf sind in diesem Weltbild sowieso nicht vorgesehen, geht alles ganz gradlinig, Abi mit 18, vier Jahre Studium und mit 22 fängt man dann in internationalen Konzernen an.) Studiengebühren? Voll in Ordnung, schließlich verdient man ja als Akademiker auf die Lebenszeit umgerechnet viel mehr als ohne Studium. (Hätte ich nicht studiert, hätte ich die letzten 12 Jahre schon Geld verdienen können.)

Der Knüller war aber die Bemerkung: „Sie scheinen alle zu glauben, nach Ihrem Studium müssten Sie noch mehrere Praktika machen und nebenbei Hamburger braten, um leben zu können. Das ist nicht so. Akademikerarbeitslosigkeit gibt es nicht mehr.“ Es reiche, zügig zu studieren (er brauchte übrigens selbst 14 Semester), Auslandserfahrung zu sammeln (macht man alles in den 3 Jahren bis zum Bachelor) und ein Praktikum zu machen, „um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren.“ Den hat er schon längst verloren.

Wenn es keine Akademikerarbeitslosigkeit mehr gibt, warum leben ich und einige Ex-Kommillitonen dann vom Arbeitsamt? Warum machen andere noch Praktika nach ihrem zweiten Studienabschluss oder schlagen sich mit irgendwelchen freien Mitarbeiten durch, über deren Bezahlung Handwerksmeister oder Techniker wohl nur lachen würden? Vielleicht sollte der Mensch mal anfangen zu differenzieren statt die Schüler mit allgemeinen Versprechungen zu verarschen. Klar, wenn man Ingenieurwesen studiert, stimmt das mit den gutbezahlten Jobs und der niedrigen Arbeitslosigkeit vielleicht, aber was ist mit all den Geisteswissenschaftlern oder den tollen neuen Bachelorstudiengängen, wo man „Irgendwas mit Medien“ machen kann, um sich hinterher von einer prekären Beschäftigung zur nächsten zu hangeln? So was kommt im FDP-Weltbild wohl nicht vor.

Nach dem Auftreten und der Argumentation Lindners bei dieser Podiumsdiskussion ist der Mann also genau der richtige für einen Spitzenposten in der FDP. Seinem Lebenslauf nach zu urteilen hat der Mann auch nie was anderes gemacht als Politik, was ihn wahnsinnig qualifiziert, anderen Menschen die Welt erklären zu wollen. Das passt gut zu dem Bild, das ich vor einem Jahr von ihm gewonnen habe: keine Ahnung von der Berufswelt, aber unheimlich von sich überzeugt. Ein würdiger Nachfolger also für Dirk Niebel. Dabei hatte ich mich schon gefreut, dass ich dessen ahnungsloses Geischt seit seinem „Aufstieg“ ins Entwicklungshilfeministerium nicht mehr jeden zweiten Abend in irgendeiner TV-Sendung ertragen muss.

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Kommentare
  1. Miriam Bodem sagt:

    Aus Deinem Gefasel springt mir einfach nur der blanke Neid entgegen!
    Frage: Was hast Du bisher geleistet?
    Gruß
    Miriam Bodem

    • Medienjunkie sagt:

      Ah, jetzt schlagen die ersten Jungliberalen hier auf. Deine Frage offenbart schon ein merkwürdiges Menschenbild: Es geht mMn nicht darum, wie viel jemand geleistet hat. Bei Herrn Lindner ging es mir nur darum, dass da jemand, der offensichtlich keine Ahnung von der Realität außerhalb von Politik und Hochschule hat, wie seine Äußerungen in der Diskussion gezeigt haben, ein wichtiges politisches Amt auf Bundesebene ausüben soll.

  2. Olsen sagt:

    So ist es richtig, Frau Bodem! Nur, wer was geleistet, darf über andere urteilen. Wäre ja noch schöner, wenn jeder seine demokratischen Grundrechte in Anspruch nehmen würde.

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