Archiv für 10. Dezember 2009

Die Stiefkinder von ARD und ZDF: Neo und Eins Festival

Veröffentlicht: 10. Dezember 2009 in TV
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Im aktuellen „journalist“ gibt es eine längere Geschichte über ZDF Neo und Eins Festival, die „jungen“ Digitalkanäle der Öffentlich-Rechtlichen. Während Neo Anfang November mit relativ großem Werbeaufwand und vielen Vorschusslorbeeren in der Presse gestartet ist, sendet Eins Festival schon seit Jahren unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hin. Während Neo immerhin ein Budget von 30 Millionen Euro hat, sind es beim ARD-Ableger gerade einmal 2,5 Mio. Davon kann man natürlich kaum Eigenproduktionen herstellen und noch nicht einmal teure US-Serien einkaufen.

Das Programm besteht dann auch weitgehend aus Übernahmen aus den anderen ARD-Programmen und vielen Ausgrabungen aus deren Archiven. Da finden sich dann allerhand Skurrilitäten wie „Klimbim“ und „Am laufenden Band“, aber auch moderne Klassiker der TV-Unterhaltung wie „Schmidteinander“ und „Total normal“. Neulich hab ich sogar mal einen Zusammenschnitt eines „WWF Clubs“ von 1980 gesehen, aus dem allerdings alle Gespräche und fast alle Moderatoren rausgeschnitten waren (übrig blieben schlechte Musikdarbietungen). Dazu kommen häufig recht interessante Arthouse-Filme, die meistens einige Tage vorher zu Nacht schlafender Zeit im Ersten gezeigt wurden, und manchmal sogar eine ältere US-Serie wie neulich das hervorragende „Earth 2“. Insgesamt wirkt das Programm natürlich sehr beliebig. Dass das ein Sender für Jugendliche und junge Erwachsene sein soll, merkt man nicht so wirklich. Zu einer konsequenten Positionierung fehlt einfach das Geld. Trotzdem gucke ich glaube ich mehr Eins Festival als das Erste.

Seit dessen Start gucke ich auch mehr ZDF Neo als ZDF (im Gegensatz zu vorher, wo ich den ZDF Dokukanal nie eingeschaltet habe). Was da vor 21 Uhr passiert, weiß ich nicht so recht, da auf der Frequenz über DVB-T bis dahin der Kika ausgestrahlt wird. Abends gibt es bei Neo hauptsächlich amerikanische und britische Serien sowie Spielfilme. Ab 22 Uhr 30 laufen dabei einige interessante neuere Serien: „In Plain Sight“, eine nette Actionserie mit humoristischen Einlagen über zwei US-Marshals, die Menschen im Zeugenschutzprogramm beschützen müssen, „30 Rock“ natürlich, eine Sitcom über die Macher einer fiktiven NBC-Comedyshow, und „Taking the Flak“, eine BBC-Serie über Auslandskorrespondenten in einem fiktiven bürgerkriegsgeplagten afrikanischen Staat. Spätnachts läuft dann fast täglich „Miami Vice“, wobei ich mich schon frage, ob man damit 20-Jährige vor den Fernseher locken kann. Neben einigen Serien mag ich an Neo auch das frische, bunte On-Air-Design. Für einen ZDF-Ableger wirkt der Sender wirklich sehr modern.

Auf den Start von Neo hat übrigens Eins Festival mit einer Auffrischung seines Designs reagiert (und laut „journalist“ auch mit einer Programmreform). Jetzt tauchen zumindest in den Trailern und Selbst-Promotion-Spots verstärkt junge Gesichter auf. Schön wäre, wenn die Intendanten auch in das Programm etwas mehr Geld investieren würden, so dass es dann vielleicht auch mal zu der ein oder anderen guten Eigenproduktion oder neueren US-Serie reichen würde.

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