Noch zwei merkwürdige Filme

Veröffentlicht: 14. Februar 2010 in Film
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Beide nie in Deutschland im Kino heraus gekommen, sondern nur Direct-to-DVD:

„Downloading Nancy“: Ein interessanter kleiner US-Film – allerdings in Kanada gedreht -, der im Grunde eine ganz ähnliche Geschichte erzählt wie Zulawskis „Possession“, nur nicht in Metaphern, sondern betont realistisch und wohl auch auf wahren Geschehnissen beruhend. Maria Bello (die ich immer gerne sehe) in der Titelrolle als Ehefrau in einer dysfunktionalen Ehe, die Schmerzen als einzige Erleichterung in ihrem trostlosen Alltag sieht – und sich im Internet einen „Schmerzensmann“ sucht, der ihr verspricht, sie von ihrem Leid zu erlösen. Wieder so ein Skandalthema, aber sehr einfühlsam und zurückhaltend inszeniert. 4 von 6 Sternen

„Tideland“: Mit Terry Gilliam werd ich in diesem Leben auch nicht mehr warm (fand eigentlich nur einen seiner Filme richtig überzeugend, nämlich „König der Fischer“). Absolut quälend langweiliger Film mit einer für mich völlig uninteressanten Handlung. Ich möchte keine Filme sehen, die komplett aus der Phantasiewelt-Perspektive  eines zehnjährigen Kindes erzählt werden und in denen dieses die meiste Zeit mit ihren Puppen spricht. Vor allem will ich keine Filme sehen, wo die beiden einzigen anderen wichtigen Figuren ein geistig Behinderter und seine verrückte Schwester sind und die einzige interessante Figur (der vom wunderbaren Jeff Bridges gespielte durchgeknallte Junkie-Vater) nach 15 Minuten stirbt. Wer hier die Zielgruppe sein soll, weiß wohl nur Gilliam selbst: Für einen Kinderfilm zu grausam, für einen Erwachsenenfilm zu kindisch. Wie fast immer bei Gilliam scheint er über die ganzen verrückten Einfälle und visuellen Spielereien mal wieder die Story vergessen zu haben. 2 1/2 von 6 Sternen

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Kommentare
  1. Cicero sagt:

    „Tideland“ ist gewiss kein leicht konsumierbarer Film. Konsumierbarkeit als Qualitätskriterium ist ohnehin eine zweifelhafte Angelegenheit. In der Tat unterläuft dieser Film sehr häufig die Erwartungshaltung und das Werteschema des herkömmlichen Publikums, und das macht ihn aus meiner Sicht großartig. Er stellt in Frage, was wir für gut und richtig, schön und hässlich halten; er provoziert und polarisiert – und ist eben deswegen für viele Zuschauer so schwer zu ertragen. Es trifft auch keineswegs zu, dass Terry Gilliam die Story entglitten ist. Tatsächlich hält sich die Filmhandlung weitgehend an die Romanvorlage, die sich konsequent auf die Erlebnisebene von Jeliza-Rose begibt (und dafür nebenbei von der Buchkritik hochgelobt wurde). Es ist gerade die naive Sichtweise, die den dramatischen Ereignissen ihren Schrecken nimmt und sie wie ein Spiel erscheinen lässt. Was ist also falsch daran, sich in die Phantasiewelt eines kleinen Mädchens zu begeben und sie im Anschluss mit der festgefahrenen Erwachsenensicht in Relation zu bringen? Die Schlussfolgerungen können bei jedem Einzelnen sehr unterschiedlich ausfallen. Doch die geistige Bereitschaft dazu muss erst einmal vorhanden sein. Allgemein betrachtet hat große Kunst immer wieder zuerst Ekel und Abscheu erregt, bevor sie verstanden wurde. Ohne Gilliams Regiewerk auf eine Stufe mit den großen Meistern stellen zu wollen, behaupte ich hier trotzdem: Dasselbe Rezeptionsmuster findet sich auch hier wieder.

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