Ein Koch, ein Wirt, sein Bruder und diverse Liebhaber: Fatih Akins „Soul Kitchen“

Veröffentlicht: 17. Februar 2010 in Film
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Ungleiche Brüder: Zinos (Adam Bousdoukos) u Illias (Moritz Bleibtreu)

Zinos ist eine typische Fatih Akin-Figur: in Hamburg aufgewachsen, mit griechischen Eltern, zuhause in der Subkultur irgendwo zwischen Wilhelmsburger Bohème und Kleinkriminalität. Während sein Bruder Illias im Knast sitzt, führt Zinos eine nach außen hin relativ bürgerliche Existenz als Inhaber einer Kneipe mit dem schönen Namen Soul Kitchen. Mit Soul hat sie allerdings wenig zu tun, eher mit lieblosem Fast Food und local alcoholics als Stammgästen. Und natürlich steht Zinos bald das Wasser bis zum Hals, verschwindet doch nicht nur seine Freundin als Journalistin nach Shanghai, auch Finanz- und Ordnungsamt machen ihm die Hölle heiß.

Rettung in der Not verspricht der exzentrische Haute Cuisine-Koch Shayne, der schnell mit dem scharfen Küchenmesser zur Hand ist, wenn Kunden oder Chefs etwas an seinen Gerichten auszusetzen haben. Nachdem die anspruchslosen Stammgäste vergrault sind, entwickelt sich das Soul Kitchen fast über Nacht zum angesagten Szenelokal, aber der Ärger fängt für Zinos erst richtig an…

Es ist nicht einfach, als Regisseur nach einem Ausnahmefilm wie „Gegen die Wand“ einfach weiter zu machen. Das musste man nach Akins letztem Film „Auf der anderen Seite“ feststellen, und leider ist das auch bei seinem neuesten Film „Soul Kitchen“ nicht anders. Wobei man fairerweise hinzufügen muss, dass Akin bereits vor seinem bisher größten Erfolg mit „Kurz und schmerzlos“ sowie „Im Juli“ zwei hervorragende Filme abgeliefert hat – und selbst ein für ihn eher mittelmäßiges Werk wie „Solino“ noch besser war als das meiste, was in Deutschland sonst so gedreht wird. „Soul Kitchen“ ist nun Akins erste lupenreine Komödie. Leider übertreibt er es manchmal etwas mit den Komödienklischees und lässt fast keine Standardsituation aus, die das Genre so bietet. Etwas weniger wäre da manchmal mehr gewesen.

Das Milieu der ethnisch bunt gemischten Truppe im ehemaligen Arbeiterviertel, das nun mehr und mehr von der Kulturszene entdeckt wird, ist durchweg sympathisch und die Grundidee von der Asi-Kneipe, die sich überraschend zum In-Lokal wandelt, ein charmanter Kommentar zur Gentrifizierungsdebatte. Die Idee vom Kochen und Essen als Seelenbalsam, der so manche Probleme einfach wegzuwischen hilft, erinnert allerdings stark an „Bella Martha“. Und manche Storywendungen sind einfach zu unglaubwürdig, als dass sie den Zuschauer wirklich fesseln könnten. Da geht es sexuell schon mal zur Sache wie in einer HBO-Serie à la „Sopranos“, wenn eine biedere Finanzbeamtin sich nach unbeabsichtigtem Konsum eines Aphrodisiakums vor den anderen Kneipengästen vom egomanischen Geschäftsmann nageln lässt. Der Charakterzeichnung tut so etwas nur leider nicht gut. Der Film endet dann etwas abrupt, ohne dass wirklich alle Handlungsstränge zu einem richtigen Ende gekommen wären.

Birol Ünel

Exzentrischer Meisterkoch: Birol Ünel als Shayne

Schauspielerisch hat Akin in den Hauptrollen zwei seiner Stammschauspieler besetzt: Adam Bousdoukos, der junge Grieche aus „Kurz und schmerzlos“, macht seine Sache als Zinos durchaus gut, Moritz Bleibtreu, der schon in „Im Juli“ und „Solino“ dabei war, wirkt als zur Selbstüberschätzung neigender Kleinganove Illias schauspielerisch etwas unterfordert. Für komödiantische Highlights sorgt als Koch Shayne Birol Ünel, der in „Gegen die Wand“ noch als Charakterschauspieler brillierte. Auch Anna Bederke und Dorka Gryllus als love interests der beiden Brüder können überzeugen. Ansonsten begegnen einem in den Nebenrollen viele bekannte Gesichter von Peter Lohmeyer und Udo Kier bis zu Hamburger locals wie Jan „Großstadtrevier“ Fedder, die oft aber nicht viel mehr zu tun haben als ihr Gesicht in die Kamera zu halten und ein bis zwei Sätze aufzusagen, bevor sie wieder aus der Handlung verschwinden.

Eine wichtige Rolle spielt bei einem Film mit dem Wort Soul im Titel natürlich auch die Musik, und die Auswahl ist wie immer bei Akins Soundtracks weitgehend stilvoll: Von Motown bis Hans Albers ist so ziemlich alles dabei, was zu Party, Hamburg und Ausgehen passt. So ist Soul Kitchen eine sympathische, amüsante kleine Komödie geworden, der zum großen Wurf aber doch einiges an Originalität und Tiefe fehlt.

Fotos: Pandora Filmproduktion

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