Ist amerikanisches Fensehen einfach zu gut für deutsche Zuschauer?

Veröffentlicht: 20. Februar 2010 in TV
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Den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man liest, dass die letzten Montag bei 3sat gestartete HBO-Serie „In Treatment“ nur den halben Marktanteil hatte, den 3sat sonst so durchschnittlich hat, nämlich nur 0,5 Prozent. In absoluten Zahlen machte das bei der ersten Folge 160.000 Zuschauer. Also eine vernichtend schlechte Quote.

Jetzt kann man von der Serie selbst halten, was man will. Ich fand die ersten Folgen z.B. ziemlich dröge, erst ab der sechsten fing es so langsam an, mich zu interessieren. Aber dass selbst das 3sat-Publikum nicht bereit zu sein scheint, einer anspruchsvollen US-Serie mit einer interessant klingenden Prämisse (kammerspielartig inszeniert, fast in Echtzeit, jede Folge auf einen Raum und zwei bis vier Personen beschränkt) eine Chance zu geben. Mal ehrlich: Was läuft denn sonst so um die Zeit bei 3sat? Tierdokus und merkwürdige Reportagen. Und am Samstag Theteraufführungen. Und die haben dann einen doppelt so hohen Marktanteil?

Vielleicht ist es wirklich längst so, dass sich alle, die an guten Serien interessiert sind, diese sowieso kurz nach der US-Ausstrahlung irgendwo herunter laden. Oder dass diese Menschen alle eine Allergie gegen Synchronisationen haben. Ich weiß es nicht. Für die Aussichten, dass vielleicht doch noch mal andere anspruchsvolle Serien ihren Weg ins deutsche Free-TV finden, ist das jedenfalls mehr als schlecht. Wobei ich mich echt frage, ob es unter den Sky-Abonnenten tatsächlich mehr Leute gibt, die solche Serien sehen wollen als unter den 3sat-Zuschauern. Anscheinend ja, denn dort laufen ja die ganzen Serien von HBO & Co.

Dabei kann man sich über das Marketing von 3sat eigentlich nicht beschweren: Die serienaffine Zielgruppe versucht man mit einem Blog zur Serie anzusprechen, im Internet kann man die Folgen auch sehen, allerdings nur während der TV-Ausstrahlung (was an den Rechten liegen dürfte). Außerdem hat der Serienstart Medienecho von ungewöhnlichen Seiten bekommen: WDR5 brachte eine Kritik dazu, ebenso „der Freitag“, also Medien, die normalerweise nicht über neue Fernsehserien berichten. Die registrieren das also durchaus, wenn ein Spartensender mit einer Sendung mal ungewöhnliche Wege geht. Nur der deutsche Zuschauer scheint sich mit dem Einheitsbrei aus Wintersport und Karneval zufrieden zu geben.

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