„Cocks and Flowers“: Robert Mapplethorpe-Ausstellung in Düsseldorf

Veröffentlicht: 26. Februar 2010 in Uncategorized
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Wer in den 80ern jung war, ist kaum an Robert Mapplethorpe vorbei gekommen. Junge Magazine wie „Tempo“ und „Wiener“ druckten damals regelmäßig seine Fotos von Blumen und nackten Menschen. Auch inhaltlich sind die Aufnahmen des 1989 an AIDS gestorbenen Fotografen untrennbar mit jenem Jahrzehnt verbunden: mit der Schwulenbewegung, mit zeitgenössischen Pop- und Filmstars, mit der Etablierung von Star- und Aktfotografie in den Galerien und Museen. Das NRW-Forum Düsseldorf widmet dem inzwischen etwas in Vergessenheit gerratenen US-Amerikaner zurzeit eine große Retrospektive.

„Black Men and White Women“ ist der erste Teil der Ausstellung betitelt. Und genau das gibt es auch zu sehen: Schwarze, meist nackte Männer, muskulös und in athletischen Haltungen posierend, dann die weiße Bodybuilderin Lisa Lyon auf ebenso ästhetisierten Aufnahmen. Mapplethorpe zeigt sich hier als Fetischist perfekt gebauter Körper, die er in einer glatten Ästhetik zelebriert. In einer Ästhetik der 80er Jahre natürlich, als auch Sportlerinnen und Sportler nicht nur Scham-, sondern auch noch Achselhaare trugen.

Ein anderer Bereich der Ausstellung zeigt die Motive, für die Mapplethorpe vor allem berühmt und berüchtigt war: „Cocks and Flowers“. Auf Blumenaufnahmen folgen solche von Schwänzen in Großaufnahme, schwarzen und weißen, nackten und welchen in Unterhose, meist prächtige Exemplare, ohne dass der Rest des Körpers noch zu sehen wäre. Der Mann wird hier ganz auf sein Geschlecht reduziert. Manchmal finden sich Blumen und Penis auch auf einem Foto vereint, ganz der Einstellung Mapplethorpes folgend, bei Fotografie käme es nur auf Belichtung und Perspektive an, Blumen und Schwänze seien dann das Gleiche. Das Bild mit dem größten Schockpotential dürfte aber ein Selbstporträt sein, auf dem sich Mapplethorpe eine taudicke Peitsche in den Darmausgang einführt.

Mit seiner Mischung aus populärem Namen und Provokationspotential passt die Mapplethorpe-Ausstellung gut ins Konzept des NRW-Forums, das vor Jahren auch schon Helmut Newton und Anton Corbijn Einzelausstellungen widmete. Allerdings fragt man sich als Besucher, was das Ganze soll: Schockierend sind die Aufnahmen heute nicht mehr wirklich, und ihre Aussage bleibt zweifelhaft. Meistens fügt Mapplethorpe seinen Motiven nichts Überraschendes oder Originelles hinzu: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose und ein Schwanz ist und bleibt halt ein Schwanz. So what?

Bei den Ganzkörper-Aktfotos beschränkt er sich ebenfalls darauf, die perfekten Körper ebenso perfekt einzufangen, in einer Stilisierung und Überhöhung, die an Leni Riefenstahl erinnert. Hässliche, behinderte oder auch nur unvollkommene Menschen interessieren ihn hingegen als Motive nicht. So sagen einem die Bilder nur, dass ein bisexueller Weißer offenbar schwarze Männer mit großen Geschlechtsteilen anziehend fand. Als künstlerische Aussage ist das doch arg wenig.

Dass er durchaus auch anders konnte, zeigen seine Porträtfotos von befreundeten Prominenten wie Udo Kier, Andy Warhol und besonders Patti Smith. Die androgyne Sängerin und zeitweise Lebensgefährtin Mapplethorpes scheint eine Art Seelenverwandte gewesen zu sein, die er immer wieder porträtierte. Im Gegensatz zu den meisten anderen hier gezeigten Aufnahmen sind diese Fotos von großer „innerer“ Schönheit und inszenieren Smith in ungewöhnlichen, aussagekräftigen Posen und Arrangements.

Mit Mapplethorpe hat ein prominenter Vertreter der Pop- und Pornofotografie der 80er Jahre seinen Weg ins Museum gefunden, wo es nun fast bizarr wirkt, wenn typische Museumsbesucher, die wie pensionierte DeutschlehrerInnen wirken, sich sonntagnachmittags Fotos von großen Penissen ansehen. Frei nach dem Motto: „Der ‚Playboy’ ist pfui, aber was im Museum hängt, muss ja Kunst sein.“ Das NRW-Forum bleibt mit dieser Ausstellung seinem Konzept treu, mehr auf Besucherströme durch Provokation zu spekulieren als auf nachhaltige künstlerische Aussagen zu setzen.

NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Düsseldorf, bis 15.08., Di. – So. 11 – 20 Uhr, Fr. 11 – 24 Uhr, 5,80 Euro / 3,80 Euro ermäßigt

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