Die Liebe eines Roboters: TV-SF nach BSG

Veröffentlicht: 29. März 2010 in TV
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Es dürfte für regelmäßige Blogleser kein Geheimnis sein, dass „Battlestar Galactica“ die TV-Serie ist, die mich in den letzten Jahren am meisten gefesselt hat. Interessanterweise finde ich die vierte und letzte Staffel jetzt auf RTL II immer noch faszinierender als sämtliche Serien, die ich sonst gerade noch so im Fernsehen gucke, obwohl ich sie schon komplett auf Englisch gesehen habe.

Ein würdiger Nachfoler für die Serie ist zumindest im SF-Bereich nirgends in Sicht. Das Spin Off „Caprica“ ist bislang ganz nett, übt aber bei weitem nicht die Faszination des Vorgängers aus. Dazu ist das Grundsetting einfach nicht zwingend genug: die recht erdähnliche Großstadtgesellschaft auf Caprica statt das enge, provisorische Leben einer Spezies auf der Flucht vor der totalen Vernichtung, an Bord einiger teils veralteter Raumschiffe. Außerdem scheinen sich die Produzenten nicht so ganz entscheiden zu können, was sie eigentlich machen wollen: eine Teenie-Soap mit etwas Sex und viel Religion(skritik), eine Cyberpunk-Künstliche Intelligenz-Allegorie oder ein Mafiadrama, das zufällig auf einem anderen Planeten spielt. Entsprechend unterschiedlich gut funktionieren die einzelnen Handlungsstränge: Während die Hauptstory um den ersten Zylonen, in dessen metallen-martialischem Körper das Bewusstsein einer toten Teenagerin gefangen ist, ziemlich überzeugend inszeniert ist, fallen die anderen Erzählstränge deutlich ab.

Der ganze Mafiaplot um die Familie Adams alias Adama, die so wirkt, als hätten die Autoren zu viel „Der Pate“ geguckt, lässt mich bisher völlig kalt (und passt auch überhaupt nicht zu den anderen Elementen). Auch schauspielerisch kann „Caprica“ bis jetzt nicht wirklich überzeugen. Da sind ja durchaus ganz gute Darsteller dabei (Eric Stolz, Polly Walker aus „Rome“), aber halt niemand vom Kaliber eines Olmos, einer McDonnell, einer Sackhoff oder eines Hogan. Trotzdem würde ich die Serie nicht zu früh abschreiben. Vielleicht fangen sich Ronald D. Moore und David Eick ja noch und ziehen das Tempo etwas an. Mich begeistern einfach diese Zylonen (die aus Metall, nicht die aus Fleisch und Blut), und solange es weiter solche Szenen gibt wie die, in der ein Ingenieur sich in „seine“ Zylonin zu verlieben scheint (ohne zu wissen, dass tatsächlich der Avatar eines Teenie-Mädchens in diesem „wohnt“), werde ich sicher noch mal rein schauen.

Völlig unterschätzt ist meiner Meinung nach eine weitere Serie von David Eick, die nicht mehr ganz neu ist, bei RTL II seit ein paar Wochen aber als neu verkauft wird: „Bionic Woman“. Ok, das ist Popcornunterhaltung ohne größeren Anspruch, aber die ganzen Negativstimmen in Blogs und Foren, das wäre totaler hirnloser Trash, kann ich nicht nachvollziehen. Die Grundidee der bionisch aufgerüsteten Frau (die man aus der im Original gleich betitelten 70er Jahre-Serie „Die Sieben-Millionen-Dollar-Frau“ übernommen hat) mag nicht besonders überzeugend sein. Die Inszenierung der Actionszenen und die Leistungen der SchauspielerInnen sind es umso mehr.

Um mal einen Vergleich zum gehypten „Flash Forward“ zu ziehen, das etwa zeitgleich im deutschen Free-TV gestartet ist: Die DarstellerInnen in „Bionic Woman“ sind durchweg besser (Miguel Ferrer, Isaiah Washington, Molly Price, die in den ersten vier Folgen allerdings noch nicht so richtig viel zu tun hatte, und allen voran natürlich Katee Sackhoff, die hier mal die Böse geben darf – ein schöner Kontrast zu ihrer BSG-Rolle als Starbuck), die Charaktere zumindest nicht farbloser, und statt Verschwörungsgebrabbel gibt es hier zumindest ein wenig Kritik am Regierungsapparat und einige ganz viel versprechende Plots um das Privatleben der Hauptfigur.

Die muss nämlich versuchen, ihre Pflichten als Erziehungsberechtigte ihrer jüngeren Schwester mit ihrem neuen Beruf als Verbrechensbekämpferin im Auftrag der Regierung unter einen Hut zu bekommen, was für einige Probleme sorgt. Und auch dass sie erfährt, dass ihr getunter Körper nur eine Lebenserwartung von fünf Jahren hat, birgt dramatisches Potential. Das sich allerdings nicht mehr erfüllen wird, da die Serie in den USA nach nur acht Folgen abgesetzt wurde. Schade drum, andererseits ist das vom Thema her schon eine Serie, die man jetzt auch keine fünf Jahre hätte sehen wollen.

Zu „Flash Forward“ möchte ich nur noch schreiben, dass Mystery-Serien anscheinend nicht mein Ding sind. Es gab genau zwei, die mir gefallen haben: „Twin Peaks“, was aber schon zwanzig Jahre her ist, und „Carnivàle“. Und schon bei den beiden gingen mir die immer neuen Geheimnisse schon in der zweiten Staffel auf die Nerven. Mehr Staffeln gab’s aber dann jeweils auch gar nicht.

So, und das war der Nerdeintrag des Monats.

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