Auf der Suche nach dem Pynchon im Heuhaufen

Veröffentlicht: 6. April 2010 in Allgemeines, Bücher
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Nachdem mich sein dünnster Roman angefixt hat, wollte ich mir heute Thomas Pynchons „Vineland“ besorgen, der mich thematisch von seinen anderen Romanen am meisten anspricht. Nun sollte man denken, dass es in einer Großstadt wie Düsseldorf kein Problem sein sollte, ein noch lieferbares Buch eines recht bekannten Schriftstellers zu bekommen. Die Stadtbücherei hat ihn nur auf Englisch, was ich schon einigermaßen skurril finde. Mein Weg führte mich also durch mehrere große und kleine Buchhandlungen.

Während die großen gar keinen Pynchon haben (außer der Stern-Verlag, aber da brauchte ich nicht zu suchen, denn die hatten „Vineland“ vor ein paar Tagen nicht, als ich „Die Versteigerung…“ dort kaufte), findet sich in den kleineren, eher auf Literatur spezialisierten Läden zwar einiges von ihm, aber ausgerechnet der eine Roman, den ich suche, natürlich nirgends. Seinen letzten, auf Deutsch noch nicht erschienenen, hab ich hingegen gleich zwei Mal im US-Original-Hardcover gesehen. Am Skandalösten find ich aber echt, dass ein riesiger Laden wie die Mayer’sche gar nichts von ihm da hat. Der Thalia hier ist eh so unglaublich schlecht sortiert, dass ich mich wundere, wie die Marktführer in Deutschland werden konnten. Da gibt’s mehr Krimis als andere Belletristik, und anscheinend auch mehr Geschenkartikel und Schreibwaren als Bücher, wie heute der Mitarbeiter bei BiBaBuZe treffend meinte, bei dem ich „Vineland“ dann schließlich bestellt habe.

Toll ist bei Thalia auch die Comic“abteilung“. Die besteht aus einem Regalfach unter „Humor“. Frei nach dem Motto: Comic kommt von Komik, muss also lustig sein. Entsprechend finden sich dort nur die üblichen Verdächtigen wie Asterix, Disney und Garfield, und eine Riesenauswahl von „Tim und Struppi“ (2 Stück) und „Lucky Luke“ (3 Stück). Das genaue Gegenteil zu diesem Comicangebot (und den Bestseller- und Klassiker-Gesamtausgaben, die sich im Stern-Verlag reihen), habe ich heute in der Literatur-Buchhandlung im Heine-Haus auf der Bolker Straße entdeckt: Die haben fast nur Sachen von den progressiven Verlagen wie Reprodukt, Avant & Co., dazu noch Graphic Novels von größeren Verlagen, aber kein Asterix, kein Donald Duck, überhaupt keine Bestseller, eher alles, was mir weitgehend unverkäuflich erscheint (was durchaus als Qualitätskriterium zu verstehen ist). Eine leicht skurrile Warenpräsentationspolitik, aber eine recht sympathische (Am liebsten wäre mir natürlich, man würde sowohl gute mainstreamige als auch progressive Comics im gleichen Laden finden.). Also, falls ihr mal in Düsseldorf einen Kunschtcomic sucht, schaut in der Altstadt vorbei.

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Kommentare
  1. ruedigerhajo sagt:

    Pynchon ist doch eigentlich nur in dem Sinne bekannt, wie so manche Indie-Band bekannt ist, also in der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt. Ausnahme sind vielleicht noch die Fans der Simpsons, aber da gilt wohl das gleiche wie bei Ulysses von James Joyce, den haben auch nur die wenigsten gelesen, geschweige denn durchgelesen, man hat halt davon gehört. Aber so komisches Zeug kaufen? Bloss nicht! Daher kann ich eine Buchhandlung rein wirtschaftlich schon verstehen, wenn sie nichts von Pynchon da hat, genauso wie Thalia und 300 verschiedene Thriller in der Auslage, gut finden muss ich es trotzdem nicht. So Leid es mir tut, aber deswegen habe ich größtenteils der traditionellen Buchhandlung der Rücken zu gewandt und bestelle meine Bücher bei einem der großen Internetbuchhändler.
    Und Comics sind im deutschen Buchhandel wohl immer noch nicht erwachsenentauglich, außer sie sind von einem wie du sie nennst progressiven Verlag. Als großer Freund von DC/Vertigo-Comics muss ich auch wieder Online bestellen, da sich die reinen Comicläden immer mehr auf Mangas konzentrieren um überleben zu können.

    • Medienjunkie sagt:

      Das mit den Comics soll sich ja angeblich gerade ändern, zumindest sollen die laut Verkaufsstatistiken in den Buchhandlungen ja boomen. Ich seh allerdings, was das Ladenangebot angeht, nichts davon. Titel von „progressiven“ Verlagen (damit meine ich Kleinverlage wie Reprodukt) findet man ja in Buchhandlungen noch viel seltener als z.B. welche von DC/Panini. Zumindest hier in Düsseldorf haben die beiden größten Buchhandlungen einiges von Panini, aber nichts (oder fast) z.B. von Reprodukt.

  2. ruedigerhajo sagt:

    Wäre schön, wenn sich da wirklich was ändern würde. Übrigens, schön mal jemanden zu finden der Comics und Pynchon liest. Dachte schon ich wäre der einzige in Deutschland, der sowohl „kindische“ Comics als auch „anspruchsvolles“ wie Pynchon liest (wobei man dazu sagen muss, ich hab V. nicht ganz durchschaut).

  3. Medienjunkie sagt:

    Na, da gibt’s schon noch ein paar andere, kennst du z.B. Molosovsky? Der hat ein ziemlich cooles Blog, schreibt u.a. über Comics und ist großer Pynchon-Fan: http://molochronik.antville.org

    Pynchon und Comics passen doch auch ganz gut zusammen, weil er doch auch viel Popkultur in seine Romane einfließen lässt. Deine V.-Rezi klang übrigens interessant, jetzt muss ich aber erst mal Vineland lesen.

  4. more pulp! sagt:

    Große Buchhandlungen wie Thalia sind mittlerweile wirklich fast ein Scherz,
    weil sie nicht mal mehr Klassiker (zeitgenössische wie alte) führen. Habe mal gehört, dass die Zentrale für Thalia Deutschland sowieso bestimmt, was in den einzelnen Läden rumliegt. Funktioniert auch prima systemstabilisierend.
    Über den Verkauf von Literatur im Original sollte man sich nun aber wirklich nicht beschweren, wenn die Möglichkeit (=Angebot und Fähigkeit) besteht, ist das doch großartig.
    Übrigens ist Pynchon unter Literatur-Studenten und Menschen, die sich für zeitgenössische/postmoderne und/oder amerikanische Literatur interessieren ganz und gar nicht unbekannt.

    • Medienjunkie sagt:

      Ich hatte mich ja nur gewundert, dass es einfacher war, einen englischsprachigen Roman zu finden (in 2 Läden vorätig) als andere des gleichen Autors auf Deutsch (nirgendwo vorrätig). Pynchon auf Englisch zu lesen, wäre mir dann doch zu krass, zumal ich bei seinen Schachtelsätzen schon auf Deutsch manchmal Schwierigkeiten hab, noch mitzukommen.

    • ruedigerhajo sagt:

      @ more pulp!

      Du sagst es schon richtig, bekannt unter Literatur-Studenten und Menschen, die sich für zeitgenössische/postmoderne und/oder amerikanische Literatur interessieren und das ist nun mal eine Minderheit. Wenn ich meine Kommilitonen (Wirtschaftsphysiker) fragen würde, wer Thomas Pynchon kennt, dann werden es nicht besonders viele sein und gelesen haben ihn noch weniger. Es fällt, ohne werten zu wollen, den meisten Menschen wohl leichter 3 skandinavische Krimiautoren zu nennen, als 3 Amerikaner außer Stephen King, Dan Brown und Stephenie Meyer und entsprechend ist die Buchauslage bei Thalia.

  5. molosovsky sagt:

    Danke für das Lob!
    Jupp, »V« zu durchsteigen ist knifflig. Pynchon ist ja einer der Meister der nichtrunden Romane, wo am Ende viele lose Fäden rumhängen und man als Leser dasteht und sich fragt: Watt nu? — Und »V« ist da extrem.

    Ich hoffe für Euch Deutsch-Pynchonleser (no arrogance intendet), dass der Rohwolt-Verlag bald mit »Inherent Vice« auf Deutsch rumkommt, denn JungeJunge, ist das ein Irrwitzbuch. Seit Jahren nicht so gelacht beim Lesen!

    Ansonsten: ich hab vor lauter Kompletierungssucht meine deutschen Pynchons einfach beim Einzelbuchhändler meines Vertrauens bestellt, und die kamen dann auch alle nach 1 bis 2 Tagen. Lieferbar ist alles alles noch vom Meister.

    • Medienjunkie sagt:

      Ach, gegen lose Fäden habe ich zumindest bei dieser Art Romanen gar nichts. Der „Cliffhanger“ am Ende von „No. 49“ ist doch z.B. genial, obwohl ich mir vorstellen kann, dass sich viele Leser da verarscht fühlten.

      Bei „Vineland“ habe ich das Problem, dass ich nach 330 von 480 Seiten immer noch nicht weiß, um was es eigentlich genau gehen soll. Dem Buch fehlt irgendwie ein klarer Fokus. Salman Rushdies Behauptung aus dem Klappentext, das sei Pynchons zugänglichstes Buch, kann ich nicht bestätigen. Im Gegensatz zu „No. 49“, das ich kaum aus der Hand legen konnte, muss ich mich bei „Vineland“ doch manchmal zwingen, mehr als 20 Seiten am Stück zu lesen.

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