Bleibt alles anders bei der taz

Veröffentlicht: 20. April 2010 in Online, Print
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Den Beiträgen im Hausblog nach zu urteilen, laufen die Diskussionsprozesse bei der taz (zurzeit) auch nicht anders als bei jeder Schülerzeitung. Lustig wird es nur dadurch, dass einige der Schüler schon seit 20 Jahren bei der Zeitung arbeiten. Deren Urteil über die „jungen Wilden“, die ihnen für eine Woche die Führungspositionen abgenommen haben, fallen recht unterschiedlich, aber erstaunlich offen aus (wenn man bedenkt, dass das ja ein öffentliches Blog auf der offiziellen Webseite der Zeitung ist):

„Julia Herrnböck, 28, aus Österreich, leitet diese Woche das Auslandsressort. Sie habe ich hier zuvor im Ressort noch nie gesehen (sie macht ein Praktikum im Ressort taz.zwei), aber sie macht ihre Sache resolut…“ (Sven Hansen, 48)

„schon erstaunlich, was so ein Machtwechsel Richtung Jugend bedeutet: Auf der aktuellen Auslandsseite der morgigen Printausgabe prangt plötzlich ein langweiliges Politikerfoto vierspaltig. Auf der Afrika-Seite von taz.de stehen plötzlich lauter dpa-Meldungen. Die Themenauswahl, sofern sie nicht schon längst feststeht, ist Mainstream pur…“ (Dominc Johnson, Auslandsredakteur seit 20 Jahren)

Was an der ersten U31-taz von gestern vor allem auffällt, ist: Sie hat ein deutlich besseres Layout als sonst, wirkt fast modern, soweit das im Jahre 2010 mit schwarz-weißem Zeitungsdruck überhaupt möglich ist. Mal sehen, wie das dann am Wochenende in der vierfarbigen Ausgabe aussieht. Als Zweites fiel mir auf, dass überall Hinweise auf vertiefende oder ergänzende Online-Artikel auftauchen. Gibt es sonst auf taz.de überhaupt Artikel, die nicht aus der Zeitung übernommen sind? Sogar eine Videoreportage ist jetzt auf der Seite.

Dritter Blickfang: Ganzseitige Aufmacherfotos in zwei Ressorts. Grundsätzlich eine tolle Idee, nur etwas problematisch bei einer Zeitung, die eh nur 20 Seiten hat. Sollte man vielleicht eher am Samstag machen, wenn man mehr Platz (und Farbe) zur Verfügung hat. Und der größte Aufreger unter den kommentierenden LeserInnen im Hausblog: das Fehlen der vertrauten Rubriken wie der „verboten“-Kolumne, dem tom-Comic und der „Wahrheit“. Statt letzteren prangt auf der kompletten letzten Seite ein allerdings nicht wirklich lustiger Comic.  Dann doch lieber tom. Ansonsten finde ich das Abschneiden alter Zöpfe ja gut. Die Kolumne auf der Seite 1 finde ich z.B. meistens eh unlustig. Aber taz-Leser sind halt größtenteils genauso strukturkonservativ wie FAZ-(oder andere Zeitungs-)Leser: Bitte immer die gleichen Elemente am gleichen Platz, bloß nichts verändern, was man schon seit zehn Jahren kennt.

Fazit: Man sollte öfter mal Ideen seiner Jungredakteure, Volontärinnen und PraktikantInnen umsetzen, denn dem Erscheinungsbild der taz tut das sehr gut.

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Kommentare
  1. mialieh sagt:

    Ich habe die taz von gestern auch gelesen und fand die Aufmachung erst einmal erfrischend. Man muss abwarten, ob sich diese Frische hält. Oder ob es schon ene etablierte Erfrischung ist, wie Feierabendbier. Denn oft wenn etwas turnusmäßig aufgenommen wird, dann ist es nicht so frisch, wie wenn es wirklich innovativ ist. Ansonsten war mir die Frische ein bisschen zu gewollt, das steht ja auch in etwa in deinem Artikel. Aber wie gesagt: Abwarten und Bier trinken 😉 (wobei ich nicht mal Biertrinkerin bin)

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