Lesetipp: Kritik des Pop im kapitalistischen System

Veröffentlicht: 27. Mai 2010 in Lesetipp, Musik, Politik, Uncategorized
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„Der Freitag“ bringt heute zwei sehr lesenswerte Auszüge aus einem Sammelband mit Texten des 1993 gestorbenen Musikkritikers Jonas Überohr, der in den 70ern u.a. für die „Sounds“ geschrieben hat. In einem geht es um die Rolle des Kritikers im kapitalistischen System:

„Die Firmen, in Form ihrer bezahlten Beauftragten, scheinen sich einzubilden, Kritiker hätten die Funktion, ihnen die Werbesprüche für ihre Produkte zu liefern, da ihren eigenen Sprüchen sowieso keiner mehr glaubt. Die Unabhängigkeit des Kritikers kommt ihnen da gerade recht, hebt sie doch die Glaubwürdigkeit des Gesagten. Und so zeigt sich, daß genau dies im System der kapitalistischen Produktionsweise die Funktion des Kritikers ist: Reklame zu machen für die Produkte, die er kritisiert, indem er sie kritisiert. Und seine Unabhängigkeit, mit der er sein feuchtes Gewissen abtrocknet, geht in diesen Deal mit ein.“

Der andere Auszug schildert die Auswüchse des „Love ans Peace-Festivals“ auf Fehmarn 1970 und kommt zu einem ernüchternden Schluss über die 68er-Generation:

„Was bis heute als Underground, Gegenkultur oder Pop-Generation den Schein des Besseren an sich trug, entpuppt sich als Versagergeneration. Diese jungen Leute werden nichts verändern oder gar verbessern. Sie lassen alles mit sich machen und fühlen sich auch noch high dabei. Sie sind bravere Konsumenten als ihre sauberen gutgekämmten Altersgenossen, die gehorsam die vorgeschriebenen Laufbahnen der bürgerlichen Gesellschaft einschlagen.“

Muss mal das Buch auf meine Wunsch- bzw. Einkaufsliste setzen. (Liebe aber auch den „Freitag“ u.a. dafür, immer wieder solche interessanten Bücher auf zwei ganzen Seiten auszugsweise vorzustellen.)

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