Archiv für 9. Juli 2010

Kampf den Konterrevolutionären!

Veröffentlicht: 9. Juli 2010 in Politik, Print
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Gibt es eigentlich irgendjemanden, der die „junge Welt“ ernst nehmen kann? Ich frage mich ernsthaft seit längerem, wie diese „Tageszeitung“ überhaupt überleben kann. Noch dünner als die taz und im Gegensatz zu dieser so links-dogmatisch, dass sie weitgehend unlesbar ist. Gestern hatte jemand im Café eine Ausgabe neben mir liegen gelassen. Auffällig war, dass ein zweiseitigerArtikel über Ernst Bloch mit Fotos illustriert war, auf denen DDR-Ministerpräsident Wilhelm Pieck mit drauf war.

Dann las ich etwas über die politischen Gefangenen auf Kuba, die Spanien frei verhandelt hat. In der jw las sich das natürlich etwas anders. Vor allem stolperte ich über das Wort Konterrevolutionäre. Abgesehen davon, dass das doch sehr wertend ist, dachte ich, es wäre die Rede von kubanischen Bürgern, die gegen das Regime arbeiten bzw. kämpfen. Wenn ich’s richtig verstanden habe – und das war nicht ganz einfach, so verklausuliert war der Artikel geschrieben -, meinten die aber irgendwelche Leute in den USA (die Regierung? Irgendwelche Mittelsmänner? Die Anti-Castro-Weltverschwörungsbewegung? Ich weiß es nicht.).

Genau so eine völlig unkritische Solidarität mit Kuba ist es natürlich, die dafür sorgt, dass breite Sympathisantenkreise gewisse Linke einfach nicht ernst nehmen können. Mir persönlich ist Fidel auch nicht unsympathisch, und es gibt sicher einiges an dessen politischem System, das erhaltenswert ist. Um zu dem Schluss zu kommen, braucht man sich nur mal Michael Moores „Sicko“ angucken. Politische Gefangene, fehlende Meinungs- und Pressefreiheit gehören aber sicher nicht dazu. Und wer im Zusammenhang mit politischen Gefangenen von Konterrevolutionären spricht, diskreditiert sich nicht nur selbst, sondern im Grunde alles, wofür der Begriff Sozialismus urprünglich steht. Aber bei der jw scheint man das immer noch nicht verstanden zu haben.

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Tumbeling Tumbleweeds

Veröffentlicht: 9. Juli 2010 in Allgemeines

In meiner Wohnung ist es seit knapp zwei Wochen zwischen 29 und 32 Grad heiß, auch nachts. Bei offenen Fenstern schlafen geht nicht, weil ich an einer Hauptverkehrsstraße wohne, die auch nachts noch stetig befahren ist. Gestern Nacht habe ich es dennoch mal mit Ohrenstöpseln versucht, konnte auch tatsächlich einschlafen, wachte aber bereits eine halbe Stunde später von einem merkwürdigen Klopfen wieder auf. Die Rheinbahn hatte wohl beschlossen, irgendwelche Ausbesserungsarbeiten an den Straßenbahngleisen unter meinem Fenster vorzunehmen – um ein Uhr nachts. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass mir demnächst auf dem Weg in die Küche Tumbleweeds entgegenwehen, wie man sie aus Western und anderen amerikanischen Filmen kennt. Nach wie vielen Wochen bei welchen Temperaturen fängt eigentlich die Desertifizierung an?

P.S.: Sehr schöner Tippfehler: Dessertifizierung