Demokratisch geführter Klassenkampf

Veröffentlicht: 19. Juli 2010 in Politik

So nannte ein Erziehungswissenschaftler laut WDR-Hörfunknachrichten den Bürgerentscheid in Hamburg zur Schulreform. Die Eltern der Kinder, die von der Reform profitiert hätten, hätten entweder als Ausländer gar kein Wahlrecht oder seien selbst nicht ausreichend gebildet, um die Problematik zu verstehen.

Wenn man sich dann mal ansieht, dass in den wohlhabenden Stadtteilen die Wahlbeteiligung bei über 50 Prozent lag, in St. Pauli und Co. hingegen nur bei um die 25, sagt das eigentlich alles. Weite Teile der unteren Schichten scheinen gesellschaftlich in diesem Land schon so abgehängt zu sein, dass sie sich gar nicht mehr für die Durchsetzung ihrer ureigenen Interessen zu interessieren scheinen. Und die Eltern in Wolfenbüttel Blankenese können mit einem Gläschen Schampus darauf anstoßen, dass das dank des alten Schulsystems auch in Zukunft so bleiben wird.

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Kommentare
  1. Knud sagt:

    Erstaunlich, warum ist das Hamburger Schulsystem für Wolfenbüttel so wichtig?

    • Medienjunkie sagt:

      Peinlich, peinlich, ich dachte, das wäre ein Stadtteil von Hamburg. Das kommt davon, wenn man über Städte schreibt, in denen man noch nie gewesen ist.

      • tkl sagt:

        Zerknirschen Sie sich nicht, lieber Medienjunkie, da hat einfach eine Synapse fehlgeschaltet, weil Hamburg einen Bezirk und etliche Statdteile mit „-büttel“ sein eigen nennt, Eimsbüttel, Fuhlsbüttel, Poppenbüttel, usw. Aus dem tieferen Süden betrachtet ist das aber eh alles nur Containerhafen mit Wohnbebauungskranz.

        Inhaltlich ansonsten volle Zustimmung, das ist wirklich ein katastrophales Ergebnis, das krasse wechselseitige Ignoranz demonstriert. Der Mittelschicht ist die Fünfgang-Karriere der eigenen Kinder auf Kosten der anderen wichtig, und die Satellitenbeschüsselten begreifen überhaupt nichts mehr, nicht mal das eigene Abgehängtwerden.

        Nölige Grüße,

        tkl

  2. Medienjunkie sagt:

    @tkl: Ich hoffe, du (wir waren doch schon mal per du?) meinst mit „tieferer Süden“ nicht mich, ich lege als Rheinländer wert darauf, dass das noch zum nördlichen Teil Deutschlands gehört ;).

    Satellitenbeschüsselte finde ich ein schönes Synonym für Unterschicht(sfernsehgucker).

    • tkl sagt:

      Gegen das Du habe ich gar nichts. Nein, mit tiefem Süden wollte ich nur mich verorten. Das Rheinland ist für uns bereits geographisches Prekariat, heute noch da, morgen vielleicht ins Meer gerissen. Wir versuchen, keinerlei Anhänglichkeiten zu entwickeln. Alles außerhalb Schwabens ist nur Absatzmarkt für unsere Mercedesse. Und Mercedesse sind ein wichtiges Ziel im Leben, siehe Hamburgs Bildungswegsentscheidung.

      Grüße von den Hügeln,

      Thomas Klingenmaier

      • knud sagt:

        Ich fahre Mercedes und habe eine Satellitenschüssel auf dem Dach. Auf welche Schule muss ich denn jetzt mein Kind schicken?

  3. tkl sagt:

    Auf die Ferdinand-Porsche-Schule in Weissach, damit es den Vater überflügelt.

    Numerusclausige Grüße,

    tkl

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