„Aus keiner Macht erwächst keine Verantwortung“: die Superhelden-Satire „Kick-Ass“

Veröffentlicht: 11. Oktober 2010 in Film

Was wäre, wenn es Superhelden wirklich gäbe? Diese Frage haben sich Comics und Filme schon öfter gestellt, aber noch nie so konsequent wie in „Kick-Ass“. Dave ist ein ganz normaler amerikanischer Teenager. Nicht so nerdig, dass er in der Schule verprügelt wird, aber auch nicht so toll, dass die Mädels ihn anhimmeln. Er verbringt seine Freizeit vorwiegend mit Computerspielen, Internet und damit, mit seinen besten Kumpels im Comicshop abzuhängen. Bis er sich eines Tages die eigentlich nahe liegende Frage stellt, warum nach 70 Jahren Superheldencomics noch niemand auf die Idee gekommen ist, selbst einer zu werden.

Also bestellt sich Dave bei eBay einen Taucheranzug und streift als Kick-Ass durch die Straßen, um den Schwachen beizustehen. Dummerweise gehört er selbst nicht gerade zu den Starken und Durchtrainierten, weshalb er nach seinem ersten Rettungsversuch erst einmal mit einer Stichwunde im Krankenhaus landet. Aber dank MySpace und You Tube wird Kick-Ass schließlich doch noch zum (Medien-)Helden. Und trifft bei seinen Einsätzen auf ein Heldenduo, dessen Fähigkeiten tatsächlich denen von Comichelden entsprechen. Nur, dass es sich dabei um einen verwitweten Vater und seine elfjährige Tochter handelt.

Ich kenne die Comicvorlage nicht, und kann deshalb auch nicht sagen, ob es sich dabei um einen gewaltverherrlichendes Machwerk handelt oder doch um ein mit Metaebenen durchzogenes Meisterwerk, dem der Film nicht gerecht wird. Als Film für sich alleine funktioniert er aber erstaunlich gut. In der ersten Hälfte ist er eine sehr witzige und herrlich skurrile Satire auf alles, was das Superheldengenre ausmacht. Dem (Anti-)Helden passiert immer genau das, was den Strumpfhosenträgern in anderen Filmen nie passiert: Wenn er über eine Häuserschlucht springen will, fällt er fast vom Dach, wenn er sich in das Zimmer seiner heimlichen Liebe – die sich erst für ihn interessiert, nachdem sie ihn für schwul hält – schleicht, verprügelt ihn diese erst einmal mit dem Tennisschläger.

Mit dem Auftreten von Hit-Girl und ihrem Vater wird es dann konventioneller, zerstückeln die ihre Gegner doch in genauso rasanten Schnittfolgen wie in „Batman“ oder „Kill Bill“. Mit dem Unterschied, dass der Held hier zwar ein Kostüm à la Batman trägt, sich aber Big Daddy nennt – und dass die Tötungsmaschine eben ein elfjähriges Mädchen ist, dass sich zuhause auf eine heiße Schokolade freut. Als Gegner muss ein Obermafioso mit seinen Untergebenen herhalten, dessen Sohn prompt zum Superschurken inklusive Batmobil-Klon mutiert. Der Unterschied zu herkömmlichen Filmen ist aber auch hier wieder, dass abgesehen vom Titelhelden alle einen an der Klatsche haben, die „Guten“ ebenso wie die „Bösen“.

In der letzten halben Stunde vernachlässigt der Film leider seine satirischen Elemente zugunsten eines eher konventionellen Action-Gemetzels. Das ist zwar immer noch sehr abgefahren inszeniert, unterscheidet sich aber nicht mehr wesentlich von den Filmen, die er in der ersten Hälfte so gelungen parodiert hat. Hier fallen die Filmemacher mal wieder auf die Konventionen des Hollywood-Blockbusters herein, wie es auch schon Genreparodien wie „Galaxy Quest“ getan haben: Sie nehmen sich am Schluss letztlich genauso ernst wie es die parodierten Vorbilder tun.

Trotzdem: Insgesamt ist „Kick-Ass“ ein großer – wenn auch sehr gewalttätiger – Spaß, mit sympathischen Schauspielern, guter (Indie-)Musik und vielen gelungenen Gags. Und dabei wesentlich unterhaltsamer als es die meisten Superheldencomic-Verfilmungen einschließlich „Watchmen“ waren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s