Subtiles Drama: Clint Eastwoods „Der fremde Sohn“

Veröffentlicht: 30. Oktober 2010 in Film
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Es ist schon erstaunlich, wie der 80-jährige Eastwood es schafft, fast jedes Jahr einen Film von gleichbleibend hoher Qualität zu drehen wie in den letzten Jahren. Dabei ist seine Frequenz so hoch, dass einige seiner Filme schon fast in den Kinos untergehen, weil kurz darauf schon wieder der nächste anläuft. So ging es mit „Der fremde Sohn“ („Changeling“), der kurz vor „Gran Tarino“ in die deutschen Kinos kam und nach ein paar Wochen auch schon wieder verschwunden war. Zu Unrecht, denn er ist gegenüber dem durch Eastwoods Übernahme der Hauptrolle öffentlichkeitswirksameren „Gran Torino“ der bessere Film.

Eastwood erzählt hier nach dem Drehbuch von J.M. Straczynski, den man bisher nur als Serienschöpfer vor allem von „Babylon 5“ kannte, eine wahre Geschichte aus dem Los Angeles der 1920er Jahre: Ein kleiner Junge verschwindet spurlos. Fünf Monate später hat die Polizei ihn angeblich gefunden, doch beim Wiedersehenstreffen muss die alleinerziehende Mutter bestürzt feststellen, dass es gar nicht ihr Sohn ist. Die Polizei versucht im Folgenden alles, um ihren Fehler zu vertuschen und die Mutter vor der Öffentlichkeit erst als verantwortungslos und schließlich als geistesgestört darzustellen. Das geht so weit, dass sie sie in die Psychiatrie einweisen lässt. Doch die Frau gibt nicht auf und deckt die unglaublichen Vorgänge innerhalb des Police Departments schließlich auf.

Wäre dies keine wahre Geschichte, würde man es für einen schlechten Kolportageroman halten. Schier unfassbar ist es, was dieser Frau alles zustößt und welche Rolle das LAPD dabei spielt. In der zweiten Hälfte des Films kommen auch die wahren Hintergründe des Verschwindens ihres Sohnes zum Vorschein, der Film wird spätestens jetzt zu einer eindringlichen Mischung aus Politdrama und Thriller. Zwar gibt es im letzten Drittel einige Längen, wenn Eastwood sich überwiegend auf die Gerichtsverhandlungen konzentriert. Dank Angelina Jolies intensiver Darstellung der verzweifelten und doch kämpferischen Mutter bleibt der Film aber bis zum Schluss bewegend.

Technisch stimmt hier sowieso alles, vom authentischen Produktionsdesign, das das L.A. der 1920er Jahre wieder zum Leben erweckt bis zur Musik, die Eastwood einmal mehr selbst geschrieben hat. Langsam kommt zwar bei mir der Verdacht auf, er variiert im Grunde immer nur das gleiche Thema, das man auch schon in „Million Dollar Baby“ und später in „Gran Tarino“ gehört hat, aber schön ist es trotzdem und passt außerdem perfekt zur Atmosphäre des Films.

Spätestens, wenn man ihn dann im Making Of unaufgeregt inszenieren sieht und er erzählt, er hätte durch die Arbeit als Western-Schauspieler gelernt, dass es Unsinn sei, wenn der Regisseur zu Beginn einer Szene „Action“ ruft, weil dann die Pferde durchgingen, muss man den Mann einfach lieben.

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