Ein paar Gedanken zum Quotenflop von „Im Angesicht des Verbrechens“

Veröffentlicht: 22. November 2010 in TV
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Dass Dominik Grafs Serie jetzt bei der Ausstrahlung im Ersten gefloppt ist, war ja so vorhersehbar wie nur irgendwas. Und trotzdem brechen wieder die alten Diskussionen aus, wer eigentlich schuld ist: die ARD, das tumbe Publikum oder doch die Filmemacher selbst. Meine Meinung dazu: Jedes Programm hat die Zuschauer, die es verdient. Oder: die, es sich herangezogen hat. Barbara Schweizerhof zieht in ihrem Artikel im „Freitag“  das richtige Fazit, dass es an falschen bzw. nicht vorhandenen Programmplätzen und mangelnder Ausdauer der Sender liegt. Wenn sie damit auch ihrer eigenen Argumentation ein paar Absätze vorher widerspricht, dass man der ARD keinen Vorwurf daraus machen könne, auf niedrige Quoten zu reagieren (indem sie die letzte Folge eine Woche früher als geplant zu nachtschlafender Stunde versendete).

Den Fehler, den ARD und ZDF immer wieder machen, ist zu denken, wenn sie schon mal eine anspruchsvolle Serie produziert haben, diese dann auf den Programmplätzen zu senden, an dem sonst eher Durchschnittskost läuft. So lief IADV dann freitagabends, wo sonst „Tatort“-Wiederholungen gesendet werden. Genauso machte es das ZDF mit KDD am Freitag, dem einfachen Gedanken folgend: Ist doch auch ’ne Krimiserie, dann werden das die Leute, die da sonst SOKO Leipzig gucken, das schon auch sehen wollen. Das ist natürlich Quatsch, denn die Leute, die sonst nur Krimis à la SOKO, „Der Alte“ und „Tatort“ gucken, können mit der komplexeren Erzählweise und der experimentelleren Inszenierung von Serien wie KDD oder IADV meist nichts anfangen.

Man muss sich doch nur mal einen durchschnittlichen „Tatort“ angucken. Klar, gibt es da ab und an mal eine gelungene Folge, aber meistens ist das doch eher filmische Hausmannskost, die halt niemanden verschrecken soll, der kleinste gemeinsame Nenner. Altbackener und konventioneller als die Folge gestern Abend kann man ja z.B. einen Krimi gar nicht mehr inszenieren. Und dann kommt Graf mit seinen erzählerischen Spiralen, seinen undeutlichen Tonspuren und seinen surrealistischen Bildelementen und man wundert sich, dass das den „Tatort“-gewohnten ARD-Zuschauer überfordert.

Die eigentliche Zielgruppe dieser Serien wären die (eher jüngeren, eher gebildeteren) Leute, die sich auch „The Wire“ und „Die Sopranos“ angucken. Nur, die erreicht man mit ARD und ZDF schon gar nicht mehr, weil da an 95 % der Abende sowieso nichts Interessantes läuft. Und wieso sollten die freitags was Gutes erwarten, wenn da sonst nur SOKO und „Der Alte“ läuft? Wenn überhaupt haben die die Serie dann schon längst bei arte gesehen (so wie ich) oder warten auf die DVD. Da aber nur die nackte Quote zählt (warum eigentlich, wo doch abends eh keine Werbung laufen darf?), und nicht zusammen gerechnet wird, gelten zwei Millionen Zuschauer in der ARD bei IADV dann eben als Flop.

Die Lösung wäre, tatsächlich langfristig Programmplätze für anspruchsvollere Formate aufzubauen. Also nicht: Alles, was irgendwie Krimi ist, wird freitagabends versendet, sondern: Alles, was anspruchsvoller ist als die Durchschnittskost, wird z.B. mittwochabends gesendet. Und zwar konsequent eine Serie nach der anderen, auch wenn die Quote dann halt schlechter ist als am Freitag. Das müsste sich ein gebührenfinanzierter Sender leisten können. Dann spricht sich vielleicht nach ein paar Monaten (oder Jahren) rum: Ey, mittwochabends um Viertel vor Elf laufen im Ersten immer gute Serien. Und dann schalten da vielleicht auch mal mehr Leute ein.

Das Problem: Selbst, wenn die Sender das machen wollten, hätten sie ja gar keine freien Programmplätze mehr dafür. Denn die Programme von ARD und ZDF sind mittlerweile so durchformatiert, dass es ja schon Probleme macht, wenn plötzlich eine politische Talkshow mehr in der Woche gesendet werden soll. Weil halt an bestimmten Konventionen nicht mehr gerüttelt werden darf: montags muss eben „In aller Freundschaft“ kommen, freitags die Krimis usw. So muss dann die eine anspruchsvolle Serie, die man im Jahr mal hat, auf Teufel komm raus, auf den Krimiplatz gequetscht werden. Eine absurde Programmpolitik. Dass dabei überhaupt ab und zu mal eine halbwegs anspruchsvolle, halbwegs erfolgreiche Serie rauskommt wie aktuell „Weissensee“, ist im Grunde ein Wunder.

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