Die Zukunft ist noch nicht geschrieben: „Terminator: The Sarah Connor Chronicles“

Veröffentlicht: 28. November 2010 in TV
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Ich muss zugeben, ich bin ein gnadenloser Fan des Terminator-Franchises. (Nicht bedingungslos, denn T4 fand ich unter aller Kanone, aber wenn die Story einigermaßen stimmt, bin ich dabei.) T1 und T2 gehören mit zu meinen absoluten Lieblings-Actionfilmen, T3 fand ich zumindest noch ganz nett, wenn auch enttäuschend gegenüber den Vorgängern, und ja, mir hat auch die TV-Serie insgesamt sehr gut gefallen.

Der Pilotfilm hatte ja echt Kinoqualität; der Rest der ersten Staffel war zwar etwas durchwachsen, hatte aber auch einige sehr starke Folgen. Nach 1 1/2 Jahren habe ich mir in den letzten Wochen mal die zweite Staffel angesehen, die es bei uns ja leider nicht ins Free-TV geschafft hat. Ich versteh sie echt nicht, die deutschen Zuschauer. So ein Müll wie „Stargate“ läuft zehn Mal die Woche, und das jahrelang, und gut gemachte SF-Serien finden eigentlich – mit Ausnahme von „Star Trek“ – fast nie ein genügend großes Publikum für die Privatsender. Die zweite Staffel T:SCC bietet jedenfalls überwiegend gute Unterhaltung mit Niveau und einigen echten Ausreißern nach oben.

Zwar gibt es, da die Staffel diesmal 22 statt nur neun Folgen umfasste, einige Füllepisoden. Aber auch genügend Zeit, um die Psychologie zwischen den Figuren tiefer auszuloten. Insbesondere die recht creepig wirkende Beziehung zwischen dem jugendlichen John Connor und der ihn beschützenden Cyborgin Cameron sorgt immer wieder für knisternde Atmosphäre. Auch was es bedeutet, praktisch kein normales Leben führen zu können, weil man von Kindheit an im Untergrund und auf der Flucht leben muss, spielt in der Serie eine größere Rolle als in den Filmen. Als John dann ein gleichaltiges Mädchen kennenlernt, entwickelt sich eine Art unheimliche Dreiecksbeziehung zwischen den beiden und der Terminatrix.

Woran die Serie etwas krankt, ist, dass der Sender FOX und die Autoren sich offensichtlich nie so recht einig waren, in welche Richtung sie gehen sollte. So gibt es zwar einen übergreifenden Story-Arc, der aber gerne mal für ein oder zwei Folgen völlig vergessen wird, um einen neuen Terminator der Woche auftauchen zu lassen. Auch scheinen manche Folgen nicht in der richtigen Reihenfolge ausgestrahlt worden zu sein, wenn eine Szene plötzlich zwei Wochen später nahtlos fortgesetzt wird. Die größte vertane Chance ist aber, dass man die mit Abstand interessanteste Storyidee im Sande versickern lässt. Nämlich die, dass Cameron nach einem menschlichen Vorbild gestaltet wurde und offensichtlich eine Art menschliche Programmierung hat.

Insbesondere durch Parallelhandlungen, die in der postapokalyptischen Zukunft angesiedelt sind, gewinnen manche Folgen aber an zusätzlicher Spannung. Dadurch, dass die Terminatoren immer klüger und immer menschlicher werden, erinnert die Grundproblematik immer stärker an die Zylonen in BSG. Tricktechnisch ist es erstaunlich, was da inzwischen in TV-Serien an Effekten aufgefahren wird. In jeder Folge gibt es mindestens ein oder zwei aufwändige Actionszenen, abgesehen von einigen Folgen, die wahre Action- und SFX-Feuerwerke abbrennen. Wenn man sich dagegen noch mal den 1984er Ur-„Terminator“ anguckt, der ganz ohne CGI auskommt, und wo der Terminator in manchen Szenen offensichtlich noch per Stop Motion animiert wurde, ist das schon ein gewaltiger Sprung.

Schauspielerisch gefallen mir alle Hauptfiguren sehr gut, sowohl Lena Headley, die mir schon in „300“ gefiel, als auch Thomas Dekker, der als John Connor wesentlich überzeugender ist als Nick Stahl in T3 oder Christian „Ich brauche nur einen Gesichtsausdruck“ Bale in T4. Highlight ist aber Summer Glau, die es schafft, als weiblicher Terminator gleichzeitig sexy und bedrohlich zu wirken. Irgendwie ist die Frau ja auf so psychopathische Rollen abonniert, in „Firefly“ bzw. „Serenity“ ist sie ja eine Art menschliche Killermaschine. Nicht so überzeugend fand ich die meisten wiederkehrenden Nebenfiguren. Dieser FBI-Agent geht mir meistens auf die Nerven mit seiner stoischen Gelassenheit. Garbage-Sängerin Shirley Manson als formwandelnde eiskalte Terminatorin zu besetzen, ist zwar ein netter Casting-Coup, aber auf die Dauer ist sie auch ein wenig anstrengend.

Das Ende der letzten Folge schafft übrigens das Kunststück, einerseits eine Art – sehr spannenden – Cliffhanger zu liefern, andererseits aber auch als Serienende durchgehen zu können. Also, ich würde zwar gerne sehen, wie es weitergeht, kann das aber auch als Abschluss akzeptieren. Im Vergleich zu diesen sinnlosen Kinofilmen, die Regisseur McG da fabriziert, ist die Serie jedenfalls die deutlich interessantere und wesentlich besser gemachte Fortsetzung des Terminator-Mythos. In einer perfekten Welt würde McG Kabel tragen und die „Sarah Connor Chronicles“ den Sprung auf die Leinwand schaffen. So hoffe ich wenigstens darauf, dass die Serie noch mal einen schönen Direct-to-DVD-Film als Abschluss bekommt, wenn die Fans das laut genug fordern.

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Kommentare
  1. Olsen sagt:

    Glau hat aber auch einfach eine fiese Ausstrahlung. „Firefly“ steht noch auf der Liste, die kommt demnächst mal dran, die Serie.

    Ich glaube, deutsche Zuschauer mögen generell weniger Serien mit Fortsetzungselementen. Obwohl, BSG lief doch auch recht gut bei uns, oder? Naja. Letzten Endes lässt sich das wohl einfach nicht kalkulieren.

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