Das bessere „Glee“ heißt „Fame“

Veröffentlicht: 9. März 2011 in TV
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Mann, was wurde „Glee“ im Vorfeld des deutschen Free TV-Starts in den Medien hoch gejubelt. Witzig sollte es sein, subversiv und vor allem so wahnsinnig originell. Ich hab genau drei Folgen durchgehalten, dann habe ich endgültig eingesehen, dass ich einfach nicht zur Zielgruppe dieser Serie gehöre. Ich fand den Humor nur selten witzig, die Handlung völlig unoriginell bis abstrus, die Moral billig und die Figuren klischeestrotzend. Ach ja, und die Musiknummern weitgehend schlimm. Aber wie gesagt, ich bin halt auch keine 14-20 mehr, und für die scheint mir die Serie vornehmlich gemacht zu sein.

Dass es im Grunde im Film- und TV-Business nichts neues mehr unter der Sonne gibt, wurde mir dann klar, als ich zufällig bei Eins Festival auf „Fame“ stieß. Vorher wusste ich nicht einmal, dass es eine Serie zu dem gleichnamigen Kinofilm gab. Gedreht wurde sie von 1982-87 und inhaltlich ist sie genau das, was „Glee“ heutzutage versucht, ins 21. Jahrhundert zu übertragen: eine High School-Serie um junge Tänzer und Sänger, ein bisschen Humor, ein bisschen Drama und vor allem gute Laune inklusive aufwändiger Tanz-und Gesangsnummern. Und im Gegensatz zum zeitgenössischen Nachfolger funktioniert diese 30 Jahre alte Serie für mich sehr gut.

Man kann „Fame“ natürlich von der Machart nicht mit den heutigen US-Serien vergleichen, die wahrscheinlich zehnfache Produktionskosten haben. Auch ist das von der Dramaturgie her eben eine typische 80er-Jahre-Serie: abgeschlossene Handlung, am Ende jeder Folge gibt es ein Happy End, und in der nächsten Woche beginnt die neue Folge wieder mit dem Status Quo. Die Moral, die es wohl in jeder Folge gibt, ist teilweise auch eher mit dem Holzhammer vermittelt, Subtilität sucht man hier vergebens. Dafür scheut man sich nicht, auch ernste Themen aufzugreifen (Judenverfolgung im Dritten Reich, Umgang mit Behinderten etc.) und diese werden dann eben auch ernsthaft behandelt. Die Figuren sind hier keine wandelnden Klischees, sondern glaubwürdige Charaktere mit Stärken und Schwächen. Vor allem strahlt das Ganze aber eine Warmherzigkeit aus, die „Glee“ völlig abgeht. Und die Musikeinlagen überschreiten zwar auch hier desöfteren mal die Kitschgrenze, wenigstens werden aber nicht die damals aktuellen Charts durchgenudelt. Technisch sind die Tanzszenen natürlich sowieso perfekt.

Für einen Serienfreak wie mich ist es natürlich immer schön, Schauspieler wieder zu erkennen, die man bereits aus anderen, späteren Rollen kennt. So ist mir gleich die schwarze Tänzerin aufgefallen, die von Erica Gimpel gespielt wird, die 15 Jahre später dann als Sozialarbeiterin bei ER dabei war.

Die erste Staffel von „Fame“ läuft zzt. dienstags um 21.40 Uhr bei Eins Festival.

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