Es ist wieder passiert

Veröffentlicht: 12. März 2011 in Allgemeines, Politik
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Eines der erstaunlichsten Merkmale der Gattung Mensch ist, dass sie nicht in der Lage zu sein scheint, aus einmal gemachten Fehlern zu lernen. Jedenfalls nicht auf gesellschaftlicher Ebene. Tschernobyl? Ach, das ist doch schon 25 Jahre her, da kräht doch kein Hahn mehr nach. Es setzt ja schon eine recht geringe Intelligenzstufe voraus, in einem Erdbebengebiet Atomkraftwerke zu bauen (und das ein Land, das so unter den Folgen von Atomkraft leiden musste wie Japan trotzdem auf deren „friedliche Nutzung“ setzt, ist sowieso sehr sarkastisch). Wenn dann die deutsche Kanzlerin aber am Abend desselben Tages, an dem es in einem davon zur Katastrophe gekommen ist, erklärt, sie wolle an der Kernkraft festhalten, aber selbstverständlich müsse die Sicherheit immer an vorderster Stelle stehen, kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Wenn die Sicherheit tatsächlich an vorderster Stelle stünde, müsste Frau Merkel den Betrieb von AKWs sofort gesetzlich verbieten lassen.

Ich frage mich manchmal, ob die Frau so dumm ist, wie sie wirkt – oder einfach nur zynisch. Man muss sich das mal ins Gedächtnis rufen: Sie ist promovierte Physikerin! Die Frau wird in ihrem Studium doch bestimmt mal was über Kernspaltung gehört haben, d.h. sie versteht doch besser als wir Ungebildeten, was da in Fukushima wirklich abgeht. Aus so einer Katastrophe dann den Schluss zu ziehen, unsere deutschen AKWs wären sicher, ist in etwas so, als wenn sich ein Germanist weigert, die deutsche Kommasetzung anzuwenden. Oder ein Mathematiker behauptet, 2 + 2 ergebe 5, das sei ja nun mal eindeutig bewiesen.

Ihr „Minister für Reaktorsicherheit“ eierte in den Tagesthemen auch ganz schön rum, aber nur, weil er zu machtgeil ist, um sich öffentlich um Kopf und Kragen zu reden. Zwischen den verklausulierten Zeilen war ganz gut raus zu hören, dass der Mann die Laufzeitverlängerungen lieber heute als morgen zurück nehmen würde. Nur warum er dann eigentlich noch im Amt ist, wenn er sich in seiner eigenen Regierung nicht durchsetzen kann, ist mir nicht klar. Schade, dass in den nächsten Wochen keine Bundestagswahl ansteht. Diese Leute gehören mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt, denn das Wohl der (normalen) Bürger ist so ziemlich das Letzte, was ihnen am Herzen liegt.

Wenn ich so die Bilder aus Japan im Fernsehen sehe, denke ich manchmal, die Apokalypse hat schon längst begonnen, und wir haben es bloß noch nicht richtig gemerkt. Drei oder mehr Atomreaktoren (beinahe) explodiert, aber auf die restlichen kann Japan natürlich auch in Zukunft nicht verzichten, denn irgendwie muss es ja seinen riesigen Energiebedarf decken. Und Öl ist ja gerade wieder teurer und unsicherer geworden, weil in Libyen ein verrückter Staatschef seine eigene Bevölkerung massakriert. Aber um da die Rebellen zu unterstützen, ist den meisten westlichen Staaten dann das „nationale Interesse“ nicht groß genug. Ein weiteres Merkmal der menschlichen Gattung scheint zu sein, dass sie nicht in der Lage ist, sich selbst als Gesamtheit zu begreifen, sondern jeder seinen eigenen Stamm, seine eigene Ethnie und seine eigene Nation als oberste Priorität sieht. Nach uns die Sintflut.

„Sie haben es getan, sie haben es wirklich getan! Ich verfluche euch alle!“ (Charleton Heston, „Planet der Affen“)

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