Osama und Obama

Veröffentlicht: 2. Mai 2011 in Politik
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Bin ich eigentlich der Einzige, der sich fragt, warum es ein guter Tag für alle friedliebenden Menschen sein soll, wenn ein vorgeblich demokratischer Rechtsstaat seinen Bediensteten den Auftrag gibt, einen ausländischen Staatsbürger auf ausländischem Territorium hinzurichten, ohne dass es je einen Strafprozess gegeben hätte, geschweige denn, dass es ein Todesurteil gegen den Exekutierten gegeben hat? Die Bilder der feiernden US-Bürger vor dem Weißen Haus unterscheiden sich für mich nur graduell von denen fanatischer Islamisten, die in irgendwelchen arabischen Ländern den Tod westlicher Führer fordern, während sie US-Flaggen verbrennen. Mit Recht, Moral und den christlichen Werten, die den Amerikanern doch angeblich so wichtig sind, hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Merkel scheint inzwischen auch jegliche Achtung vor rechtsstaatlichen Prinzipien verloren zu haben. „Ich freue mich, dass es den USA gelungen ist, bin Laden zu töten.“ Heißt das jetzt, dass sie sich auch freuen würde, wenn irgendwer morgen in Deutschland irgendwelche Mörder einfach auf offener Straße abknallt?

Kommentare
  1. ephemeridenzeit sagt:

    Nein, Sie sind nicht der Einzige. Doch zu den internationalen Lynchjustiz-Feierlichkeiten applaudieren Angela ‚Engel‘ Merkel und Bundesinnenminister Friedrich so laut und freudig, dass man hierzulande wohl nichts anderes mehr hört. Offensichtlich heißt unsere Kanzler-Definition von ‚Verteidigung der Freiheit‘ nun nichts mehr anderes als Freiheit von lästiger Rechtssicherheit. Und die lieben Öffentlich-Rechtlichen summen im Liquidierungs-Chor mit und niemand fragt, wieso wir einen Internationalen Gerichtshof haben, Internationales Völkerrecht, die Menschenrechte und derlei Petitessen mehr?

    • Medienjunkie sagt:

      Die Berichterstattung von ARD und ZDF, die ich gestern mitbekommen habe, war wirklich erstaunlich unkritisch. Größtenteils wird da einfach der Sprachgebrauch der USA bzw. der Bundesregierung übernommen. In einem Satz wird dann noch kurz erwähnt, dass der Vatikan als einziger westlicher Staat die Liquidierung nicht gut fand.

      ARD und ZDF entwickeln sich, insbesondere in ihren Nachrichtensendungen, in letzter Zeit zunehmend zu Staatsmedien im klassischen Sinn, d.h. zu Propagandaorganen der Regierenden.

  2. Olsen sagt:

    Ich komme mir zwar dämlich vor, eine rhetorische Frage zu beantworten, aber: Nein, da bist du wirklich nicht der einzige. In meinem Umfeld findest du eine Mehrheit für deine Position (eigentlich findest du Einstimmigkeit, ich hab noch keine andere Meinung gelesen).

    Speziell Merkels Reaktion lässt die Frage aufkommen, wie sehr der Vergeltungsgedanke im konservativen politischen Milieu verhaftet ist. Offensichtlich stärker, als man bisher angenommen hat. Da würde ich ja fast schon wieder vom Hölzken aufs Stöcksken kommen wollen und fragen, ob Bad Kleinen und Stammheim wirklich Unfälle/Selbstmorde waren.

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