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Videothekenwüste: Was hätte Quentin dazu gesagt?

Veröffentlicht: 15. Mai 2011 in Film
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Ich glaube, das Videothekensterben haben diese sich hauptsächlich selbst zuzuschreiben. Also, ich meine jetzt die „großen“ Mainstreamvideotheken. Denn den Arthouse-Videotheken, die ich kenne, scheint es erstaunlich gut zu gehen, während von den herkömmlichen in Düsseldorf eigentlich nur noch die längst von „World of Video“ geschluckte „Tümmers“-Kette übrig geblieben ist. Und in manchen Filialen auch ihre Ladenfläche drastisch reduziert hat. So bei mir im Stadtteil, wo man mir neulich erklärte: „Oben ist jetzt nur noch Lager, und unten haben wir eine Wand gezogen, dahinter ist jetzt unsere Erotikabteilung“. Dafür flogen dann die meisten anspruchsvollen Filme gleich aus dem Angebot.

Offenbar reicht der Platz auch nicht mehr, um von Filmen/Serien, die auf zwei DVDs erscheinen, beide in beiden Formaten ins Regal zu stellen. Deswegen gibt es dort von der vierteiligen britischen TV-Serie „This is England ’86“, die gerade neu in Deutschland erschienen ist, nur Teil 3 und 4 auf DVD und dafür nur Teil 1 und 2 auf BlueRay. Das macht natürlich wahnsinnig viel Sinn, ich frag mich echt, wer dann da diesen halben Fernsehfilm ausleihen soll . Wahrscheinlich wissen die zuständigen Menschen aber selbst sowieso gar nicht, was sie da eigentlich einkaufen, also etwa, dass es zu einer DVD, auf der „Teil 3+4“ steht, wahrscheinlich auch noch Teil 1+2 gibt.

Die Mitarbeiterin hinter der Theke sprach kein Wort Englisch. Ich musste ihr den Titel erst mal buchstabieren. Auf die Frage einer anderen Kundin, was sie ihr in der Art von Stallone-Filmen empfehlen könne, meinte sie nur: „Da hab ich keine Ahnung von, dafür guck ich zuwenig Filme.“ Das ist doch genau die Antwort, die man in einem Fachgeschäft bekommen will. Man stelle sich mal vor, in einem Buchgeschäft sage einem ein Verkäufer: „Ich kann Ihnen keinen Roman empfehlen, dafür les ich zu wenig.“ Was hätte Quentin bloß zu solchen Videotheken gesagt?

Apropos Quentin: Als ich neulich mit einem filmverrückten Bekannten in der DVD-Abteilung eines großen Elektronikgeschäfts stand, fiel uns ein schönes Spiel ein: „Welche fünf Filme würde Quentin kaufen?“

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