Working class gang revisited: „This is England ’86“

Veröffentlicht: 16. Mai 2011 in Film, TV
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Muss man zu einem in sich geschlossenen und im Grunde perfekten Film wie „This is England“ unbedingt eine Fortsetzung drehen? Nein, man muss wohl nicht, aber man kann. Originalautor Shane Meadows hat es jedenfalls gemacht, allerdings nicht als zweiten Kinofilm, sondern als vierteilige TV-Miniserie. „This is England ’86“ spielt drei Jahre nach dem Original und bringt dessen Besetzung wieder zusammen: Shaun ist fast erwachsen geworden, die meisten Mitglieder seiner ehemaligen Clique sind es vollends. Zufällig trifft der Teenager die Gang in einem Krankenhaus wieder und sie knüpfen an alte Zeiten an.

Im Gegensatz zum Film steht Shaun diesmal allerdings nicht alleine im Mittelpunkt, sondern teilt sich die Hauptrolle mit einigen anderen Cliquenmitgliedern, die im Film eher Nebenrollen spielten. Darunter Woody und Lol, die nach einer verpatzen Hochzeit zusammen ziehen und sich dabei entfremden. Oder Gadget, dessen wesentlich ältere Geliebte versucht, ihn nach ihrem Willen umzugestalten. Nachdem die ersten beiden Teile noch etwas vor sich hin plätschern und auch auf Grund ihres Fäkalhumors nicht immer überzeugen können, nimmt die Story im dritten Teil deutlich an Fahrt auf: Lols wieder aufgetauchter Vater zeigt sein wahres, gewalttätiges Gesicht und gleichzeitig erscheint auch Combo wieder auf der Bildfläche, der brutale Schläger, der für Shaun eine Art Vaterersatz war. Im vierten Teil kulminieren die verschiedenen Handlungsstränge in einem ebenso atemberaubenden wie heftigen Finale.

Die Miniserie ist sicher weit überdurchschnittlich, zumindest die packend erzählten und inszenierten letzten beiden Teile. Dass sie dennoch nicht an den Film heranreicht, liegt vor allem daran, dass ihr der Fokus fehlt, den der Vorgänger hatte. Der Film erzählte ja nicht nur eine interessante individuelle Geschichte, sondern war gleichzeitig eine kultursoziologische und zeithistorische Erzählung über die Ursprünge der Skinhead-Subkultur zu Beginn der 80er Jahre. In der Fortsetzung sind die Haare der Protagonisten länger geworden, die Soundtrackzusammenstellung vielseitiger. Es ist keine spezifische (Jugend-)Kultur mehr erkennbar, dadurch fehlt auch der politische Subtext. Arbeitslosigkeit und working class-Tristesse bilden eher einen pittoresken Hintergrund als dass sie zum wichtigen Handlungselement würden.

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