Archiv für Juni, 2011

Wolfram Schütte 1969 in „film“ über „Spiel mir das Lied vom Tod“:

„… ein auf den kapitalistischen Weltmarkt ausgerichtetes Herrenmenschen-Epos, das alles ausbeutet, was es für dieses Genre noch auzubeuten gibt, um es doch noch einen Schritt weiterzubringen, wiewohl hier aller Fortschritt auf der Stelle tritt…Ausgebeutet soll aber dadurch auch ein Publikum werden, dem die Kombination bekannter Namen mit einem ihm hinlänglich bekannten Genre eine erhöhte Dosis Opium annonciert, an dessen Verbrauch es ja ausgiebig gewöhnt worden ist.“

Wim Wenders war zur gleichen Zeit in der „filmkritik“ , die auch als links galt, wesentlich gnädiger, um nicht zu sagen begeistert. Zum Glück schafft sich die Filmgeschichte im Laufe der Zeit ihre eigenen Klassiker, ohne dass die zeitgenössische Filmkritik darauf einen Einfluss hätte.

(In der „Comixene“ von 1981 wird „Das Imperium schlägt zurück“ noch als „verkappter Kriegsfilm“ bezeichnet. Heute kann man angesichts dessen, was an Gewaltdarstellung inzwischen üblich ist, darüber nur noch lachen.)

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Noch ein VHS-Nostalgiker

Veröffentlicht: 10. Juni 2011 in Film, TV
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Michel Gondry und ich scheinen doch nicht die Einzigen zu sein, die immer noch VHS mögen. Ein Guardian-Kolumnist schreibt hier über seine Liebe zu alten Videoaufnahmen.

Neuer Artikel erschlumpft

Veröffentlicht: 10. Juni 2011 in Aus der Praxis, Bücher, Film
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Vor einigen Monaten habe ich aus beruflichen Gründen alte „Schlümpfe“-Comics gelesen. Und das ist dabei heraus gekommen.

Wie gerne wäre ich übernächste Woche in München…

Veröffentlicht: 8. Juni 2011 in TV
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Noah Wyle live! Und ich sitze in Düsseldorf.

Wo sind all die Trägermedien hin?

Veröffentlicht: 6. Juni 2011 in Film, Musik
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Aus einer Film-Kolumne in der (letzten Ausgabe der) Fachzeitschrift „Comixene“ von 1981: „… findet die Funkausstellung in Berlin statt, d.h. u.a.: Videoschlacht. Während sich die einen noch um die Marktanteile ihrer Systeme und Bänder schlagen, wird auf der anderen Seite offiziell die Bildplatte eingeführt.“

Abgesehen davon, dass ich deren Einführung auf etwa zehn Jahre später geschätzt hätte: Heute weiß ja kaum noch jemand, was eine Bildplatte überhaupt ist. Ich hatte genau einmal solche Dinger in der Hand bzw. in einen Player geschoben, damals während meiner Berufsausbildung. Im BIZ gab es nämlich solche Player, auf denen Schülern kurze Infofilme über Ausbildungsberufe gezeigt wurden. Und ich musste da mal einen Vormittag lang mit einem Kollegen den DJ spielen. Oder VJ? Da kamen dann auch mehrere 14-jährige Jungs, die unbedingt den Infofilm „Hebamme“ sehen wollten. Die schickten wir dann mit freundlichen, aber bestimmten Worten und kritischem Blick wieder weg. Wir waren ja schließlich das BIZ, nicht die Pornovideothek.

Ansonsten kannte ich genau einen Menschen, der (noch vor ein paar Jahren) Bildplatten aka Laserdiscs oder Videodisks sammelte. Einen schönen Gag zum Thema gibt es in Michel Gondrys „Be kind rewind„: Der Videotheksangestellte versucht telefonisch, eine VHS-Kopie von „Ghostbusters“ aufzutreiben. Aber alle haben nur noch DVDs. Man hört ihn dann ins Telefon sagen: „Das Gleiche haben sie damals über die Laserdisc auch gesagt.“

Gondrys Film ist eine herrlich nostalgische Hommage an die VHS-Kassette und das Videozeitalter. Ich bekam zeitweise richtig Lust, eine VHS-Videothek zu eröffnen. Das wäre auf jeden Fall eine Marktlücke, aber wahrscheinlich keine, die groß genug wäre, um als Geschäftsmodell zu taugen. Ich kam mir schon sehr nostalgisch vor, als ich neulich die Videos zurückspulte, die ich mir aus dem Archiv meiner Lieblings-Arthousevideothek bestellt hatte. Davor war es zumindest fünf Jahre her, seit ich das bei einem Leihvideo das letzte Mal gemacht hatte. Vorbei auch die Zeiten, wo die Angestellten nach der Rückgabe die Hülle öffneten, um zu kontrollieren, ob man den Film auch zurückgespult hatte. Heute gucken sie in den Kommerzvideotheken immer, ob die DVD zerkratzt ist. Dabei sagt das meistens gar nichts über deren Zustand aus.

Mit den sich immer schneller ablösenden Trägermedien gehen ja nicht nur deren spezifische Eigenheiten verloren, sondern auch ganze Kulturtechniken. In den 70ern wussten die meisten Familienväter noch, wie man eine Filmspule in einen Projektor einlegt. Einfach, weil jeder, der etwas auf sich hielt, einen Super 8-Projektor im Schrank stehen hatte. Ich hingegen bin da vor ein paar Jahren gnadenlos dran gescheitert. Wenn ich heute einem 14-Jährigen erklären würde, wie ich mal eine VHS-Kassette mit Bandsalat aufgeschraubt und repariert habe, würde der mich wahrscheinlich auch für verrückt erklären.

Super 8, Video 2000, Beta Max, VHS, Laserdisc, DVD, HD-DVD, BluRay: Das sind allein die Formate, die ich in meinen 36 Lebensjahren so mitbekommen habe. (Selbst besessen habe ich allerdings nur zwei davon, ich gehöre nicht zu den Leuten, die jeden neuen Hype mitmachen müssen. Oder anders gesagt: Ich bin ein very late adopter. Ich habe auch seit meinem 16. Geburtstag immer einen Plattenspieler besessen.)

Die Vinyl-Schallplatte ist ja irgendwie nicht tot zu kriegen und hat in den letzten Jahren eine richtige Renaissance erlebt. Andere veraltete Medienträger werden hingegen nur noch von einigen Hardcore-Nerds hochgehalten. Dabei war der Walkman damals eine Revolution! Und neben selbst erstellten Mixtapes gab es ja auch (semi-)professionelle Kassettensampler. Schon mal von C 86 gehört? Der ist ja heute noch legendär. Oder die deutschsprachigen Kassettensampler, auf denen Distelmeyer, la Hengst  & Co. ihre ersten Songs veröffentlicht haben.

Gondry hat wohl über seinen Film gesagt, er habe nichts gegen neue Systeme, er habe nur etwas gegen den Druck, man müsse sie unbedingt haben. Ist es wirklich ein Zufall, dass kurz nach Einführung der digitalen Filmmedien die ganze Videothekenkultur weitgehend den Bach runter ging? VHS-Tapes konnte man nicht rippen und ins Internet stellen. Raubkopieren war damals noch echt gefährlich und kein wirklich erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Statt größerer Vielfalt gibt es heute zumindest im Leihgeschäft immer mehr vom Immergleichen. Auch darauf geht Gondrys Film sehr schön ein, etwa wenn Mr. Fletcher, der altmodische Videothekar, Feldstudien in einer Filiale einer Kommerz-Videothekenkette betreibt: „Statt großem Titelangebot mehr Kopien von einem Film.“; „Nur noch zwei Abteilungen: Action-Adventure und Komödie.“ Alles, was nicht in diese Kategorien oder unter Horror fällt, steht hier bei WoV unter Unterhaltung.

Ich würd jetzt aber doch mal gerne die „unverhüllten Parodien“ sehen, die in der „Comixene“-Kolumne  angekündigt werden, vor allem „Boschwanza“ und „Prinz Eisenschwanz“. Aber die entsprechenden Bänder dürften sich inzwischen weitgehend aufgelöst haben.

Satz des Tages

Veröffentlicht: 5. Juni 2011 in Musik, Print
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Eine körperlose Bräsigkeit eignet dem Deutschen, wenn er sich singend zusammenrottet; eine Vorliebe für die einfachen Freuden der Funktionsharmonik, ein nicht zu hohes Tempo.

Diedrich Diederichsen in einem „Freitag“-Artikel über deutsche Arbeiterlieder.

In den letzten Wochen bin ich wieder in eine Materie eingestiegen, mit der ich mich im Grunde nicht mehr beschäftigt habe, seit ich mit 15 oder so das Interesse daran verlor: deutsche Fernsehkrimis aus den 80ern und 90ern. Und obwohl ich sagen muss, dass ich mit dem behäbigen Inszenierungsstil von Serien wie „Der Alte“ & Co. nichts mehr anfangen kann, entdeckt man doch manchmal ganz schräge Sachen, die sonst im Mainstreamfernsehen und -kino eigentlich nicht üblich sind (und heute auch nicht mehr möglich wären).

Beispielsweise wurden in diesen Serien gerne französische Dichter rezitiert. Gleich in der ersten Folge von „Peter Strohm“ etwa fängt der Titelheld, der von Klaus Löwitsch gespielte Privatdetektiv, aus heiterem Himmel an, Baudelaire zu rezitieren. Ähnliches passiert in der „Fahnder“-Folge „Verhör am Sonntag“, wobei es da wenigstens eine Tatverdächtige ist, die als Agentin für einen Buchverlag arbeitet.

Überhaupt der „Fahnder“: Diese Serie hatte ich 20 Jahre lang als behäbig in Erinnerung, dabei ist sie wesentlich härter (und meistens auch schneller) als etwa die ganzen ZDF-Freitagsserien von damals. Klaus Wennemann ist ähnlich wie Löwitsch auch einer dieser unterschätzen deutschen (Fernseh-)Schauspieler aus den 80ern. Hatte den echt nicht so gut in Erinnerung. Außer als Fahnder Faber habe ich den, glaube ich, auch nur im „Boot“ gesehen, und als zweiten Hauptdarsteller in dem sehr guten Schimanski-„Tatort“ „Freunde“. Wobei die Figur des Faber schon auch ein wenig an Schimanski erinnert, wenn man davon absieht, dass ersterer besser gekleidet ist (Sakko und Mantel statt Schmuddel- oder Lederjacke). Wenn man dann mal nachguckt, was Wennnemann nach seinem Ausstieg aus der Serie noch so drehen durfte, kann man ganz traurig werden ob der vertanen Chancen.

Hab jetzt endlich mal mit Dominik Grafs „Fahnder“-Folgen angefangen, und manche davon sind richtig gut. Vor allem, wenn die Bücher von den Autoren stammen, mit denen Graf auch sonst zusammen gearbeitet hat: Rolf Basedow, Günter Schütter… Schütters Folge „Nachtwache“ wirkt wie eine Vorstudie für seinen und Grafs 2005er „Polizeiruf“ „Der scharlachrote Engel“.  Statt Edgar Selge gibt hier eben Wennemann den Ermittler, der sich zu einer zwielichtigen Zeugin hingezogen fühlt, die er in ihrer Wohnung überwacht bzw. beschützt. Wie Maja Maranow nachts auf dem Dach des Hochhauses unvermittelt zu tanzen anfängt… Wie ein Riesenactionspektakel (das Hochhaus wurde angeblich in Brand gesetzt) nur im Dialog behauptet wird, und das unheimlich spannend ist, obwohl überhaupt nichts zu sehen ist…

Wer da alles in Episodenrollen dabei war: Jürgen Vogel, Hannes Jaenicke, Peter Lohmeyer. In der bisher besten gesehenen Folge  „Bis ans Ende der Nacht“ (witzigerweise auch die einzige der ganzen Serie mit einer eigenen imdb-Bewertung) gar Heinz Hoenig, Meret Becker UND Klaus Lemke (der sinnigerweise einen Puffbetreiber gibt). Hoenig spielt den einsamen Geiselnehmer mit irrem Blick, wahnsinnig gut. Faber missachtet die Anweisungen des Einsatzleiters vom Innenministerium, den er kurz vorher noch durch ein Guckloch in der Wand im Bordell bei SM-Spielen gesehen hat. Unglaublicher Dialog am Ende zwischen Faber und seinem Assistenten: „Wie ich ihn da eben [in Gedanken] vor mir gesehen habe, war er auf einmal auch mein Feind.“ – „Du redest dich um Kopf und Kragen.“ – „Deshalb sag ich’s ja nur dir.“

Oder diese ganzen kleinen Irritationen, vor denen der „Tatort“ „Frau Bu lacht“ (1995) von Graf und Schütter nur so wimmelt: Kommissar Leitmayr kommt frühmorgens nach Passau und auf den leeren Straßen kommt ihm ein Mann entgegen, der ein riesiges Holzkreuz auf der Schulter trägt… In einem Nachtclub kommt jemand in einem Hühnerkostüm auf ihn zu – und in der nächsten Szene hat er zwei rote Federn in den Haaren hängen, ohne dass das jemand zu bemerken scheint. So menschlich und so witzig wie in dieser Folge durften Nemec und Wachtveitl auch nie wieder sein.

Das Problem mit diesen alten deutschen TV-Sachen ist: Im Gegensatz zu den meisten US-Serien ist nur schwer an sie ran zu kommen. Vieles gibt es nicht auf DVD, und wenn, dann verstecken sich die Folgen von den guten Regisseuren und Autoren oft in ansonsten uninteressanten Staffelboxen. Was würde ich für eine DVD-Box mit Grafs gesammelten Fernseharbeiten geben. Oder am besten gleich das Gesamtwerk. (Von Wim Wenders gab es sowas mal auf VHS, inklusive einzelner Episoden, die er zu Beginn seiner Karriere für eine vergessene Familienserie gedreht hat.) Was man da noch alles entdecken könnte. Und als nächstes hätte ich dann gerne die Klaus Löwitsch-Box. Danke.

Songtitel

Veröffentlicht: 2. Juni 2011 in Allgemeines

Gibt es eigentlich schon den Songtitel „Everything I eat reminds me of you“?