Parodie, Fanfilm oder ernsthafte Hommage? Über die Schwierigkeit einer Kategorisierung eines „Star Trek TNG“-Pornos

Veröffentlicht: 4. Juli 2011 in Film
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Nicht ähnlich, aber immerhin sexy: die "Parodie"-Troi; Quelle: axxxparody.com

Seit einiger Zeit scheint sich in der Pornoindustrie das Subgenre der Kino- und TV-Serien-Parodie zunehmender Beliebtheit zu erfreuen. Ob aktuelle Blockbuster oder Actionklassiker, ob Batman oder Hulk, „Akte X“ oder die Simpsons – alles, was sich einer breiteren Fanbasis erfreut, dient im Parallel-Hollywood des „Silikon Valley“ als Vorlage für neue Hardcore-Filme. Dank digitaler Tricktechnik sehen diese Werke zumindest optisch immer besser aus. Manchmal muss man schon genau hingucken, um zu erkennen, ob es sich bei einem Trailer gerade um eine TV-Episode oder um eine Porno-Parodie handelt.

Zum Beispiel beim Anfang Mai erschienenen „Star Trek: The Next Generation – A XXX Parody“ von Regisseur Sam Hain. Das Setting, aber auch einige Special Effects wirken hier tatsächlich wie aus einer echten „Next Generation“-Episode von Ende der 80er Jahre. Manche finden das so faszinierend, dass sie die ausufernden Sexszenen aus einem solchen Film heraus schneiden und dadurch an ein immerhin halbstündiges „Star Trek“-Filmchen gelangen, das Fanfilmniveau überschreiten dürfte. Auch wenn ich mich frage, welchen Sinn es haben soll, aus einem Porno die Sexszenen heraus zu schneiden. Die meisten Konsumenten spulen oder klicken normalerweise ja eher dazwischen vor.

Aber ist nun Hains Film überhaupt eine Parodie auf die Originalserie? Oder doch eher ein ernst gemeinter Fanfilm einiger Trekkies, die eben zufällig im Pornobusiness arbeiten? Oder etwas ganz anderes? Schwierig zu beantworten, aber eine Parodie ist er noch am wenigsten. Das liegt nicht nur daran, dass er nicht lustig ist, jedenfalls nicht auf eine andere Art als die TNG-Serie selbst. Anders als in der XXX-Parodie der 60er-Jahre-TOS-Serie mit Kirk & Co. tragen die Figuren diesmal keine abgewandelten Namen, sondern heißen ganz einfach Picard, Worf, Data etc. Auch versucht der Film gar nicht erst, irgendwelche mehr oder meist weniger gelungenen Gags einzubauen, sondern nimmt die Handlung genauso ernst wie es halt bei TNG selbst der Fall war. So gibt es auch hier unverständliches Technik-Bubble, das aber nicht unlogischer ist als es bei „Star Trek“ immer schon der Fall war.

Am wichtigsten aber: Die Sexpaarungen sind hier nicht wie in Pornos üblich an den Haaren herbei gezogen. Es knöpfen sich nicht die unwahrscheinlichsten Mann-Frau-Kombinationen plötzlich und ohne erklärende Motivation Uniform-Trikots und Hosen auf und fallen übereinander her, wie es etwa auch in der TOS-Parodie der Fall war, wo auch der vulkanische Offizier ohne jegliche Logik durch die Betten weiblicher Crewmitglieder hüpfte. Stattdessen ergeben sich diesmal überwiegend Paarungen, bei denen es auch in der Vorlage absolut plausibel wäre, wenn sie Sex miteinander hätten. Am naheliegendsten ist natürlich der Akt zwischen Riker und Troi. Fans der Serie wissen, dass die Beiden zumindest vor Beginn der Serienhandlung ein Paar waren, also wohl auch Sex hatten. Und in den späteren Filmen kommen sie ja auch wieder zusammen und heiraten sogar. Auch Data und Tasha Yar hatten in der Serie zumindest einmal zusammen Sex, wenn sie da auch dank einer übersinnlichen Macht nicht Herren ihrer Sinne waren. Wen überrascht es da, dass sie im Porno erneut ihr Lager teilen?

Von Captain Picard und Dr. Crusher ist Ähnliches zwar nicht bekannt, aber so, wie sie sich immer anschmachten, ist der nächste Schritt in den Schritt nur folgerichtig. Und dass der einsame Geordi, der sich sogar einen weiblichen Avatar zur Kommunikation programmiert hat, diesen vielleicht in ruhigen Stunden auf dem Holodeck nicht nur zum Reden verwenden könnte, ist auch kein allzu fern liegender Gedanke. Bis auf die Begegnung Worf / Fähnrich Ro sind also alle Sexpartner schon in der Serie selbst angelegt.

Natürlich ist insbesondere die Szene mit Riker und seiner Diana im Grunde das Wahrwerden eines feuchten Traums vieler „Star Trek“-Fans. Auch wenn die „Schauspielerin“ der echten Marina Sirtis nicht wirklich ähnlich sieht. Im Gegensatz zu Picard, dessen Darsteller auch über einen passenden Shakespeare-Akzent verfügt. Aber was ist nun eigentlich dieser Film, wenn schon keine Parodie? Ein Fanfilm? Schon eher, scheint doch der Drehbuchautor sein „Star Trek“ zu kennen, wäre er sonst doch wohl kaum auf solch abseitige Figuren wie Tasha Yars Spiegeluniversum-Ich und deren romulanische Tochter gekommen. (Auch der Pathos, mit dem die Crew ihre schon einmal gestorbene ehemalige Kameradin empfängt, und nach deren erneutem Tod auch betrauert, ist übrigens ganz nah an der Vorlage.) Für einen Amateur-Fanfilm ist das Produktionsniveau aber schon fast zu hoch. Am ehesten ist es wohl tatsächlich eine „liebevolle“ Hommage an die Originalserie, die diese weitgehend ernst nimmt, wenn auch die Handlung natürlich auch hier nur als Vorwand dient, zum nächsten Gerammel überzuleiten.

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