Filme kurz bewertet

Veröffentlicht: 24. Juli 2011 in Film
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Ein paar kürzlich gesehene Filme, bei denen es sich nicht wirklich lohnt, eine längere Kritik zu schreiben:

Ashes of Time (Redux) – Ein vor kurzem erstmals auf DVD erschienenes Frühwerk von Wong Kar-Wei in einer neuen Schnittfassung. Ich mag den Mann wirklich, aber seine Filme könnten oft viel besser sein, wenn er sich endlich mal einen guten Drehbuchautor suchen würde. Dieses Schwertkämpferepos von 1994 ist sein bisher schlechtester Film. Was für ein prätentiöser, sich selbst furchtbar wichtig nehmender Quatsch! Natürlich gibt es massig schöne Bilder, schöne Frauen und Männer, die entweder stilvoll schweigen oder viele kluge Sätze sagen (gerne auch aus dem Off). Was es hingegen gar nicht gibt, ist so etwas wie Handlung, jedenfalls keine wirklich nachvollziehbare. Figuren verschmelzen miteinander, eine Frau ist ihr eigener Bruder, Menschen vergessen ihre Vergangenheit, nachdem sie einen bestimmten Schnaps getrunken haben. Wong hat unbestreitbar ein großes Gespür für Bilder und philosophische Erkenntnisse, nur leider hat ihm nie jemand gesagt, dass Spielfilme ein erzählerisches Medium sind, d.h. ein Medium, das in Bildern erzählt. Stattdessen reiht er Szenen wahllos aneinander und lässt Stimmen aus dem Off sagen, was eigentlich die Bilder und die Geschichte vermitteln sollten. Die letzten 20 Minuten retten den Film vor dem Totalflopp, weil darin die wunderschöne Maggie Cheung minutenlang melancholisch in die Kamera blicken und dazu noch klügere Sätze als die anderen Figuren in den ersten 70 Minuten sagen darf.

2,5 von 6 Sternen (wegen der letzten 20 Minuten)

Hab ich mal erwähnt, dass ich Roger Ebert mag? So wie der seine Kritik zu diesem Film geschrieben hat, dürfte man ja auf keiner Journalistenschule der Welt eine Kritik schreiben. Aber gerade deshalb ist sie so herrlich passend. Zitat:

He adds section headings like Spring, Summer, Autumn, Winter (a direct quote from e. e. cummings), but that only helps you to think, „Oh, now I see! I don’t understand it, but it’s happening in Winter!“

Bridesmaids – Wird diese Woche von sämtlichen ernst zu nehmenden deutschen Medien, vom „Freitag“ bis zur taz bis CARGO abgefeiert. Ich versteh immer noch nicht so ganz, warum Filmkritiker, die sonst 95 Prozent des Hollywood-Ausstoßes kategorisch ablehnen, ausgerechnet Komödien aus dem Judd Apatow-Umfeld immer in den Himmel loben. Vielleicht sind sie einfach so in ihrem Welt-, Independent- und sonstigen Minderheitenkino gefangen, dass sie 90 Prozent des aktuellen Mainstreamkinos gar nicht wahr nehmen. Aber warum dann ausgerechnet eine Komödie, die von der Verleihmafia den Titel „Brautalarm“ verpasst bekommen hat und mit Plakaten beworben wird, die eher an einen neuen „Sex and the City“-Teil erinnern?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist eine wirklich nette, warmherzige Komödie für einen netten DVD-Abend, mit einer wirklich starken Hauptdarstellerin und vom Humor her näher an Fäkalhumor-Filmen als an RomComs. Aber zweitbester Film des Jahres? Ich bitte euch. Schön ist, dass der Film trotz des Themas Hochzeitsvorbereitungen nie kitschig oder sentimental wird, dass die unperfektesten Frauen die sympathischsten sind und dass die Hauptfigur keine wandelnde Klischeedame ist, sondern eben ein Mensch aus Fleisch und Blut. Die Erkenntnis, dass Frauen auch (nur) Menschen sind, hatte ich allerdings spätestens mit 15, die finde ich jetzt nicht so wahnsinnig originell und innovativ. Verglichen mit dem Charme und subtilen (!) Humor der von ihm erfundenen Serie „Freaks and Geeks“ (die noch dazu gänzlich ohne furzende und kotzende Figuren auskam) ist Paul Feigs Regiedebüt dann aber doch einige Nummern schlechter.

4 von 6 Sternen

Náufragos (Gestrandet) – Ein spanischer Science Fiction-Film (!) von Anfang der 00er, irgendwo zwischen Mainstream-Spektakeln wie „Mission to Mars“ und anspruchsvolleren europäischen Genrefilmen à la „Sunshine“, mit deutlich weniger Spezialeffekten und ohne Actionszenen. Die Handlung hat man so ähnlich schon Dutzende Male gesehen, trotzdem ganz unterhaltsam. Vincent Gallo versucht sich als rational-egoistischer Ingenieur ausnahmsweise mal in underacting, hat aber trotzdem den besten Dialog (mit Maria de Madeiros): „Wir könnten uns Trost spenden und es uns behaglich machen statt unsere Energie zu verschwenden.“ – „Wir sollen tatenlos unserem Ende entgegensehen und fickend sterben???“ Die Glaubwürdigkeit leidet etwas darunter, dass einige Teilnehmer der internationalen Marsmission nur rudimetär des Englischen mächtig sind (vor allem de Madeiros).

4 von 6 Sternen

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