„The Horror…the horror“: Sam Packinpahs „Steiner – Das eiserne Kreuz“

Veröffentlicht: 20. September 2011 in Film
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Klaus Löwitsch als Krüger, James Coburn als Steiner

1943, an der Ostfront: Der unangepasste Unteroffizier Steiner (James Coburn) bekommt einen neuen Vorgesetzten, den preußischen Adligen Hauptmann Stransky (Maximillian Schell). Während Steiners einzige Loyalität seinen Kameraden gilt, ist Stransky ein chauvinistischer, karrieregeiler Herrenmensch, gleichzeitig leider ein großer Feigling. Sein einziges Ziel ist es, nach dem Krieg mit dem Eisernen Kreuz nach Hause zu kommen. Dafür ist auch er bereit, über Leichen zu gehen – notfalls die seiner eigenen Männer.

Bei dem Titel dachte ich immer, der Film wäre so ein kriegsverherrlichender Nazifilm wie etwa „Die Wildgänse“. Das Gegenteil ist der Fall: Peckinpah lieferte hier 1977 eine beißende Anklage an den Krieg. Ähnlich wie bei Coppola ist der Krieg bei ihm eine irreale Parallelwelt, in der der Mensch wieder zum Tier wird. Jeglicher Versuch der Soldaten, darin so etwas wie Zivilisation aufrecht zu erhalten, mutet von Anfang an surreal an, ob die einfachen Soldaten in ihrer Bretterbude im Schützengraben einen Geburtstag feiern wollen oder ob der Oberst seine Offiziere bei gedecktem Tisch zum Essen in seinen Kommandostand einlädt. Auch Gefühle haben hier keinen Platz, wo Stransky in einer teuflischen Szene zwei Soldaten, die er der Homosexualität verdächtigt, droht, hängen zu lassen, sollte er sie beim Sex erwischen, wo aber auch jede Freundschaft schon ein Risiko darstellt, da der Kamerad bereits in der nächsten Minute von einer Bombe zerfetzt werden kann.

Und mit Bildern von zerfetzten Körpern spart Peckinpah, der ja auch für die ästhetischen Gewaltorgien in seinen Western bekannt ist, nicht. Da werden Soldaten vom Maschinengewehrfeuer zerlöchert, während sie in Stacheldraht fallen, Leichen werden von Panzern überrollt. Die aufwendigen Gefechtsszenen wirken immer realistisch, und das in einer Zeit lange vor CGI.

James Coburn erweist sich hier nach Leones „Fistful of Dynamite“ einmal mehr als ganz großer und völlig unterschätzter Schauspieler seiner Zeit. Ohne große Tricks spricht allein sein zerfurchtes Gesicht schon Bände. Die anderen Schauspieler können da nicht ganz mithalten, obwohl Maximillian Schell einen wahrhaft diabolischen  Gegenspieler abgibt. Auch die meisten anderen Nebenrollen sind mit deutschen Schauspielern besetzt (ok, Schell war Österreicher), von Klaus Löwitsch bis Senta Berger als heißer Krankenschwester.

Für irgendeine, als mehr oder weniger gerecht empfundene Sache kämpft übrigens keiner der deutschen Soldaten. Der Oberst hält nur an seinem Pflichtgefühl fest und träumt bereits von einem besseren, demokratischen Deutschland nach der unausweichlichen Niederlage, Hauptmann Stransky ist lediglich an seinem eigenen Prestige und den Privilegien seiner Klasse interessiert, und der Held der Geschichte, Steiner, hat schon längst den Glauben an jegliches Ziel verloren. Er weiß, dass die einfachen Soldaten nur Spielbälle sind, die von den Mächtigen beider Seiten verheizt werden. Trotzdem kann er es, einmal verwundet, gar nicht erwarten, wieder zurück an die Front zu kommen. Denn er hat Angst davor, sich die Frage beantworten zu müssen, was von ihm übrig bliebe, nähme man ihm den Krieg weg. Vielleicht nur ein Mann mit einem irren Lachen, wie in der abrupten Schlussszene, die so zwar nicht geplant war, aber doch alles aussagt über den Irrsinn des Krieges.

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