Bei Wookies‘ unterm Weihnachtsbaum: Das zu Recht vergessene „Star Wars Holiday Special“

Veröffentlicht: 4. März 2012 in TV
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Dass ich doch kein so großer Star Wars-Fan bin, wie mir manche Bekannte immer unterstellen, zeigt sich wohl daran, dass ich bis vor einigen Monaten noch nie was vom Holiday Special gehört hatte. Und das soll ja schon seit den 90ern unter echten Jüngern auf abgenudelten VHS-Bändern kursieren. Dank YouTube & Co. kann man es sich aber inzwischen natürlich auch wesentlich einfacher ansehen – was allerdings nur Hardcorefans zu empfehlen ist, und denen auch nur, wenn sie bereit sind, das Franchise nicht immer ganz ernst zu nehmen.

Was sich George Lucas und seine Autoren 1978 dabei gedacht haben, bleibt unverständlich: ein Weihnachts-TV-Special im Star Wars-Universum? Das soll ernsthaft eine gute Idee sein? Knapp 120 Minuten mit der Familie von Chewbacca in den Hauptrollen? Echt vielversprechend. Die Sequenzen mit den Wookies wirken dann überwiegend tatsächlich wie eine Mischung aus den Ewoks-Filmen mit weniger Budget und, sagen wir mal, „Planet der Affen 5“. Immerhin liefern sie schockierende Einblicke in diese Kultur, etwa dass Wookies auch nur Spießbürger sind, die ihre Wohnungen mit hässlichen Schrankwänden eingerichtet haben. Oder dass Wookiekinder mit Stoffbanthas spielen.

Das Problem an dieser TV-Show ist einfach, dass fast nichts daran die beabsichtigte Wirkung hat: Alles, was lustig sein soll, ist es nicht, und alles, was ernstgemeint war, ist unfreiwillig komisch. Andererseits weiß man nicht so recht, ob das wirklich ernstgemeint sein kann. Man müsste halt die gleichen Drogen nehmen, die die Macher bei der Produktion genommen haben, um das beurteilen zu können. Insgesamt gibt es zwei bis drei Gründe, sich das Ganze doch anzusehen: 1. werden hier bereits einige Figuren und Schauplätze etabliert, die dann Jahre später in die „normalen“ Filme übernommen wurden. So die Heimatwelt der Wookies inklusive ihrer in den Bäumen gebauten Rundbauten, von denen ich dachte, sie wären erst rund 15 Jahre später in Timothy Zahns „Erben des Imperiums“-Romantrilogie eingeführt worden und in deren Comicadaption zum ersten Mal zu sehen gewesen. Und in einem Cartoonsegment taucht zum ersten Mal der spätere Fanliebling Boba Fett auf, übrigens in einer wesentlich größeren Rolle, als er sie in der kompletten Original-Filmtrilogie hat.

2. ist dieser Zeichentrickfilm tatsächlich sowohl vom Zeichenstil als auch von der Handlung recht gelungen. Sagen wir mal so: Wenn es in diesem Stil und mit diesen Hauptfiguren (nämlich Luke, Han, Leia & Co.) eine ganze Serie gäbe, würde ich mir die sicher angucken, im Gegensatz zu den unsäglichen „Clone Wars“.

und 3. kann man am Ende der Show Carrie Fisher singen hören – zwar einen ziemlich schaurigen Song, aber hey, es ist die junge Carrie Fisher, und die konnte eigentlich machen, was sie wollte.

Der Rest ist Schweigen (eine Taktik, die auch Lucas verfolgt, wenn er auf diese „Jugendsünde“ angesprochen wird). Und ein gutes Argument, die These zu widerlegen, Lucas hätte sein Universum früher nicht so ausgeschlachtet, wie es etwa Roddenberry und Co. mit Star Trek getan hätten (spätestens seit den ganzen „Clone Wars“-Ablegern ist die These natürlich eh nicht mehr haltbar, aber es gab ja auch schon in den 80ern die Ewoks- und Droids-Zeichentrickserien).

Falls jemand sich das Ganze komplett ansehen möchte: Unbedingt die Werbeunterbrechungen mitschauen, die sind größtenteils lustiger, als das, was zwischen den Unterbrechungen gesendet wurde. Omas, die für Herrenunterhosen werben, Frauen, die Strumphosen dehnen und klobige Telefone unterm Weihnachtsbaum. Der Höhepunkt ist aber der Typ, der für seine „Ladies‘ Garment Workers Union“ wirbt, so nach dem Motto „Wir Frauen müssen zusammenhalten“. Schön auch die Kurznachrichten, die aus jeweils einem Satz bestehen – amerikanisches Fernsehen scheint in den 70ern echt anspruchsvoll gewesen zu sein.

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