Ein deutscher Thriller, der Stahlseile und Nerven reißen lässt: „Abwärts“

Veröffentlicht: 8. März 2012 in Film
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Warum ist diese Tradition deutscher Kinothriller/-actionfilme eigentlich völlig abgerissen? Alle, die immer meinen, es habe hierzulande ja nie spannende Filme gegeben, brauchen sich ja nur mal Klassiker aus den 80ern angucken wie „Die Katze“ oder „Abwärts“, um sofort eines Besseren belehrt zu werden. Nachdem ich letzteren mindestens schon 15 bis 20 Jahre nicht mehr gesehen hatte, war ich überrascht, wie gut der Film des auch längst vergessenen Carl Schenkel immer noch funktioniert.

Ein steckengebliebener Hochhaus-Fahrstuhl, drei Männer, eine Frau und eine Tasche voll Geld – mehr braucht es nicht, um ein ganz großes Drama zu inszenieren, das teilweise so spannend ist, dass einem der Atem stockt und doch immer wieder Raum findet für psychologische Momente und grundsätzliche Fragen nach dem Sinn des Daseins. Natürlich verkörpern die drei männlichen Hauptfiguren unterschiedlichste Archetypen der Gattung Mann: der schon etwas gesetzte Macho, der noch etwas vom Leben haben will, der junge Rebell, der vom Leben gar nicht erst was erwartet (Generation „Null Bock“, wir sind immerhin in den 80ern) und der alte Spießer, der allerdings ausgerechnet an diesem Tag einmal im Leben etwas Unangepasstes getan hat: den Safe seines Arbeitgebers auszuräumen. Und dann ist da noch die kühle Schöne, die allen Dreien Avancen macht und doch nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert ist.

Zwischen vielen kammerspielartigen Dialogszenen inszeniert Schenkel Actionszenen, die Hollywood nicht besser hinbekommen hätte: Wenn die Stahlseile reißen, sind auch die Nerven der Zuschauer kurz davor. Götz George zeigt hier einmal mehr, warum er in den 80ern einer der ganz wenigen deutschen Schauspieler war, wegen dem alleine die Leute schon ins Kino gerannt sind. Aber auch alle anderen HauptdarstellerInnen sind hervorragend: Hannes Jaenicke als junger Wilder, Renée Soutendijk als undurchsichtige femme fatale und Wolfgang Kieling als dröger und passiver Buchhalter, der am Ende doch als Einziger physisch und psychisch unbeschadet den Schauplatz verlässt. Aus welchem reichen Repertoire von tollen Schauspielern man als deutscher Regisseur in den 80ern noch schöpfen konnte, zeigt sich schon daran, dass Klaus Wennemann erst kurz vor Schluss in einer Nebenrolle auftaucht.

Wo sind bloß hierzulande diese Filme geblieben, die sich selbst nicht zu wichtig nahmen, die keine große Kunst sein wollten, sondern einfach nur eine fesselnde Geschichte erzählen, und dabei doch ganz nebenbei viel mehr über das Leben gesagt haben als die meisten überambitionierten Autorenfilme, die heute, hoch subventioniert und am Publikum vorbei, unsere Programmkinos verstopfen?

Kommentare
  1. Olsen sagt:

    Eine Kleinigkeit am Rande: Carl Schenkel war Schweizer. Ansonsten stimme ich deinem Artikel bis auf den unnötigen Seitenhieb Richtung Berliner Schule am Schluss zu. Ich glaube, dass es weniger an interessierten Regisseuren als an schlechten Drehbüchern liegt. In Deutschland kriegt das irgendwie keiner auf die Kette, sieht man ja auch an den ganzen miserablen Serien.

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