Yesterday’s papers: „filmwärts“

Veröffentlicht: 15. Juni 2012 in Film, Print
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Auf dem Düsseldorfer Bücherbummel verkauft das Filmmuseum seit gestern wieder alte Filmzeitschriften zum Schleuderpreis. Dort stieß ich auf ein Magazin, das ich noch gar nicht kannte, die Kölner „filmwärts“ aus den 80er/90ern, und zwar u.a. auf das Heft 31 vom September 1994, das zur Wiederentdeckung des Tschechen Zbynek Brynych unter Cineasten führte. Mit dem Mann, der in München seit den 60ern Dutzende Folgen von TV-Krimiserien wie „Der Kommissar“, „Derrick“ oder „Der Alte“ gedreht hatte und auch zwei skurrile Kinofilme namens „Die Weibchen“ und „Engel, die ihre Flügel verbrennen“, führten die Autoren Ertl und Knepperges ein interessantes Gespräch. Daneben werden drei seiner Film- und TV-Arbeiten in angemessen launischem Tonfall vorgestellt, darunter auch die „Kommissar“-Folge „Parkplatzhyänen“ mit einem völlig overactenden Johannes Heesters.

Noch interessanter fand ich allerdings das sehr ausführliche Gespräch mit Jim McBride im selben Heft, den Autor Olaf Möller bei einem italienischen Festival traf. Im Einleitungstext versteigt sich Möller zu der gewagten These, sein „Außer Atem“-Remake „Breathless“ sei viel besser als das Original, der ich sofort zustimmen würde. Außer diesem Richard Gere-Film kenne ich von McBride nur „The Big Easy“ mit Dennis Quaid und Ellen Berkin, der als Heranwachsender für mich fast eine Offenbarung war. Ich hätte ihn bisher eher als typischen 80er-Jahre-Hollywood-Auftragsregisseur angesehen, er hat aber auch ganz andere Sachen gemacht, u.a. einen (Soft-)Porno. In dem in einem sehr locker-persönlichen Tonfall geführten Interview enthüllt er auch, was er an Comics so liebt und warum die in seinen Filmen oft so eine wichtige Rolle spielen (ich sage nur der Silver Surfer in „Breathless“!) und woran seine geplante Verfilmung von Frank Millers „Elektra“ gescheitert ist. Danach hat man gleich Lust, sich auf die Suche nach vergessenen 80er-Jahre-Filmen zu machen.

Insgesamt erinnert mich die Themenauswahl und der sehr persönliche Schreibstil in diesem Heft (gerne in der Ich-Form) an das, was man so von den frühen „Cahiers du cinema“ gehört hat, dieses Entdecken von als reinen Unterhaltungsregisseuren abgetanen Filmemachern als Autoren. Im Internet findet man leider nicht viel über diese wenige Hefte später eingestellte Zeitschrift, immerhin hat einer ihrer ehemaligen Herausgeber ihr aber eine Facebook-Seite gewidmet. Das wünscht man sich natürlich als Magazinmacher, dass in 20 Jahren jemand alte Hefte entdeckt und darin noch einiges findet, das ihn interessiert.

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