Archiv für die Kategorie ‘Allgemeines’

Ein neuer Name für Düsseldorf

Veröffentlicht: 8. Mai 2011 in Allgemeines
Schlagwörter:, ,

Die altehrwürdige Philipshalle, der traurige Betonklotz in Düsseldorf-Oberbilk mit der schlechten Akustik, wo meistens längst verglühte Sternchen wie Chris de Burgh oder Michael Bolton auftreten, heißt ab sofort Mitsubishi Electric Halle. Ich vermute, die Hälfte der Bevölkerung kann das nicht korrekt aussprechen, die andere Hälfte ebensowenig wie die erste richtig schreiben. Das Arbeitsamt heißt ja schon seit Jahren Agentur, jetzt braucht man endlich keinen angesagten Job in ’ner Werbe- oder Mediaagentur mehr zu haben, um sagen zu können: „Isch muss morjen früh in die Ajentur.“ Das Rheinstadion heißt jetzt LTU… ach, nee, das stimmt ja auch schon nicht mehr. Düsseldorf wird glaube ich auch bald endlich umbenannt.

Höchste Zeit wird’s, denn unsere Nachbarstädte haben sich ja schon seit Ewigkeiten über den Namen lustig gemacht (sogar welche aus Wuppertal, und das sagt bei dem Städtenamen schon alles). Auch wenn unser verehrter verstorbener Ex-OB Erwin immer meinte, im Ausland käme der Name total gut an, weil die „dots above the u so fancy“ wären. Dusseldorf ist trotzdem irgendwie kein hipper Name für eine der Metropolen Europas. Am Dienstag, pünktlich zum ersten Halbfinale in der LTU… äh, ich meine natürlich in der Esprit-Arena, wird unsere Stadt deshalb umbenannt. In ESC-Stadt. Das gaben OB Elbers und der NDR-ESC-Beauftragte heute in einer Pressekonferenz offiziell bekannt. Das sei zwar auch nicht schöner als Karl-Marx-Stadt, liesse sich aber international zumindest besser aussprechen.

Werbeanzeigen

Die Grenze zu Gentrifikan

Veröffentlicht: 8. April 2011 in Allgemeines
Schlagwörter:, ,

… verläuft ungefähr 300 Meter von meiner Wohnung entfernt. Und das beste daran ist: Ich bekomme im Alltag gar nichts davon mit. Ich wohne ja in Düsseldorf-Friedrichstadt, allerdings nur jeweils wenige Meter entfernt von den Stadtteilen Bilk und Unterbilk. Im Volksmund fasst man das Ganze aber eh unter Bilk zusammen; wo genau die Grenzen da verlaufen, ist mir meist auch nicht so ganz klar. Neulich habe ich in Wohnungssuchzetteln an Laternenpfählen gelesen, dass manche wohl sogar noch zwischen Friedrichstadt-West und -Ost unterscheiden. Der Mensch wollte jedenfalls nur in -West wohnen, in -Ost wohnen wahrscheinlich die Schmuddelkinder (Ich vermute mal, Ost geht mehr in Richtung Hbf, wo ich ja auch schon mal gewohnt habe.).

In letzter Zeit ist mir mal wieder klar geworden, wie gerne ich eigentlich in Friedrichstadt/Bilk wohne (nicht auf dieser Straße, aber das liegt ausschließlich am Verkehrslärm). Einerseits gibt’s hier genügend Kulturangebote, nette Kneipen und Cafés und den Fürstenplatz, an dem man im Sommer wunderbar rumsitzen kann (auch wenn sich dort insbesondere nachmittags rund um den Spielplatz teils absurde Szenarien auftun, wenn die Kindertreffs Spielzeug verleihen; dann ist nämlich der ganze Platz inklusive Gehweg von Hüpfbällen, Rollern und Gocarts aller Art sowie Stelzen und blauen Plastikpferden überschwemmt). Außerdem ist der urige Volksgarten (und die Düssel!) mit dem Rad nur fünf Minuten entfernt. Andererseits sind Friedrichstadt und Bilk noch erfreulich wenig gentrifiziert. Mit Ausnahme einiger schicker-micker Cafés ist hier noch ein buntes Gemisch aus allen sozialen Schichten und Nationalitäten unterwegs.

Ganz anders sieht es da schon 300 Meter weiter aus, im Herzen Unterbilks. Wo ich aber nur selten hinkomme. Tatsächlich wusste ich bis vor zwei Wochen nicht mal, wo die berühmte Lorettostraße ist, die selbst die FAZ neulich entdeckt hat. Sagen wir mal so: Da hatte ich auch nichts verpasst. Die Straße inklusive Neben- und Seitenstraßen erinnert nämlich eher an Prenzlauer Berg, wie man immer darüber liest. Friseursalons heißen dort „Handwerk“, Restaurants „Menta – Mediterrane Speisen“ oder „D’Vine“ und die Kindermodeläden, die es gefühlt in jedem dritten Haus gibt, z.B. „Tim & Lucy“. Außerdem gibt es gefühlt an jeder Ecke einen Italiener und auf dem Friedensplätzchen (übrigens direkt am Hauptsitz meiner ehemaligen Berufsschule) mehrmals in der Woche einen Bauernmarkt. Da kaufen dann die ernährungsbewussten Eltern ein, die vermutlich auch im „Emma’s“ ihr Frühstück mit „Biobrot, Biowurst“ und Bionade einnehmen.

Ich kann mir vorstellen, dass es sich in diesem Viertel wunderbar wohnen lässt – so lange man das nötige Geld hat, und möglichst kleinere Kinder. Wenn es einem finanziell eher schlecht geht, man gar arbeitslos ist oder „auf Hartz IV“, kann das Leben dort wahrscheinlich eher zur Qual werden. Genauso, wenn man kinderloser Single ist oder etwas ähnlich asoziales. All die hippen jungen Eltern um einen rum, die mit der einen Hand ihren überdimensionalen Kinderwagen schieben, der manchmal eher wie ein Kleinwagen aussieht, und mit der anderen auf ihrem iPhone rumtippen oder telefonieren. Die ihren Tim oder ihre Lucy zum Spielplatz oder ins Szenecafé karren, aber trotzdem noch Zeit für ihren kreativen Job haben und natürlich mit Mitte 30 noch die gleichen coolen T-Shirts tragen wie mit 13 (nostalgisch verklärte TV-Sendungen, Bands, Brandt-Zwieback). Die vor lauter Latte Macchiato-Schlürfen gar nicht mehr wissen, wie man sich einen Kaffee kocht. Und die für alle, die beim Aldi einkaufen (müssen) bestenfalls ein bedauerndes Lächeln übrig haben (wenn nicht völliges Unverständnis).

Ein Spaziergang nach Unterbilk ist für mich wie ein Ausflug in eine andere Welt, ein Paralleluniversum, das nur 300 Meter entfernt beginnt. Wenn ich an der Friedrichstraße ankomme, fühle ich mich dann wieder heimisch. Und bin trotz Schlafens mit Ohrenstöpseln froh, dass ich auf dieser Seite der unsichtbaren Grenze wohne.

Es ist wieder passiert

Veröffentlicht: 12. März 2011 in Allgemeines, Politik
Schlagwörter:

Eines der erstaunlichsten Merkmale der Gattung Mensch ist, dass sie nicht in der Lage zu sein scheint, aus einmal gemachten Fehlern zu lernen. Jedenfalls nicht auf gesellschaftlicher Ebene. Tschernobyl? Ach, das ist doch schon 25 Jahre her, da kräht doch kein Hahn mehr nach. Es setzt ja schon eine recht geringe Intelligenzstufe voraus, in einem Erdbebengebiet Atomkraftwerke zu bauen (und das ein Land, das so unter den Folgen von Atomkraft leiden musste wie Japan trotzdem auf deren „friedliche Nutzung“ setzt, ist sowieso sehr sarkastisch). Wenn dann die deutsche Kanzlerin aber am Abend desselben Tages, an dem es in einem davon zur Katastrophe gekommen ist, erklärt, sie wolle an der Kernkraft festhalten, aber selbstverständlich müsse die Sicherheit immer an vorderster Stelle stehen, kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Wenn die Sicherheit tatsächlich an vorderster Stelle stünde, müsste Frau Merkel den Betrieb von AKWs sofort gesetzlich verbieten lassen.

Ich frage mich manchmal, ob die Frau so dumm ist, wie sie wirkt – oder einfach nur zynisch. Man muss sich das mal ins Gedächtnis rufen: Sie ist promovierte Physikerin! Die Frau wird in ihrem Studium doch bestimmt mal was über Kernspaltung gehört haben, d.h. sie versteht doch besser als wir Ungebildeten, was da in Fukushima wirklich abgeht. Aus so einer Katastrophe dann den Schluss zu ziehen, unsere deutschen AKWs wären sicher, ist in etwas so, als wenn sich ein Germanist weigert, die deutsche Kommasetzung anzuwenden. Oder ein Mathematiker behauptet, 2 + 2 ergebe 5, das sei ja nun mal eindeutig bewiesen.

Ihr „Minister für Reaktorsicherheit“ eierte in den Tagesthemen auch ganz schön rum, aber nur, weil er zu machtgeil ist, um sich öffentlich um Kopf und Kragen zu reden. Zwischen den verklausulierten Zeilen war ganz gut raus zu hören, dass der Mann die Laufzeitverlängerungen lieber heute als morgen zurück nehmen würde. Nur warum er dann eigentlich noch im Amt ist, wenn er sich in seiner eigenen Regierung nicht durchsetzen kann, ist mir nicht klar. Schade, dass in den nächsten Wochen keine Bundestagswahl ansteht. Diese Leute gehören mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt, denn das Wohl der (normalen) Bürger ist so ziemlich das Letzte, was ihnen am Herzen liegt.

Wenn ich so die Bilder aus Japan im Fernsehen sehe, denke ich manchmal, die Apokalypse hat schon längst begonnen, und wir haben es bloß noch nicht richtig gemerkt. Drei oder mehr Atomreaktoren (beinahe) explodiert, aber auf die restlichen kann Japan natürlich auch in Zukunft nicht verzichten, denn irgendwie muss es ja seinen riesigen Energiebedarf decken. Und Öl ist ja gerade wieder teurer und unsicherer geworden, weil in Libyen ein verrückter Staatschef seine eigene Bevölkerung massakriert. Aber um da die Rebellen zu unterstützen, ist den meisten westlichen Staaten dann das „nationale Interesse“ nicht groß genug. Ein weiteres Merkmal der menschlichen Gattung scheint zu sein, dass sie nicht in der Lage ist, sich selbst als Gesamtheit zu begreifen, sondern jeder seinen eigenen Stamm, seine eigene Ethnie und seine eigene Nation als oberste Priorität sieht. Nach uns die Sintflut.

„Sie haben es getan, sie haben es wirklich getan! Ich verfluche euch alle!“ (Charleton Heston, „Planet der Affen“)

EU absurd

Veröffentlicht: 14. Oktober 2010 in Allgemeines

Nachdem es mir inzwischen zunehmend unmöglich erscheint, als Berufsanfänger, der keine 23 mehr ist, im Journalismus in Deutschland seinen Lebensunterhalt zu verdienen, habe ich begonnen, mich nach Stellen für Ausländer in den Niederlanden umzuschauen. Wider Erwarten gibt es tatsächlich manchmal Stellen, wo man deutsch- oder englischsprachige Websites betreuen soll, die speziell für nicht Niederländischsprachige ausgeschrieben werden.

Gestern habe ich mehr als drei Stunden damit verbracht, meinen Lebenslauf ins Englische zu übersetzen und ein entsprechendes Anschreiben zu formulieren. Wer schon mal versucht hat, eine englische Entsprechung für Begriffe wie Fachoberschule oder Bundesanstalt für Arbeit zu finden, weiß, dass sowas nicht auf die Schnelle zu machen ist. Heute kommt dann eine Mail von der privaten Arbeitsvermittlung, auf deren Stellenangebot ich mich bewerben wollte, dass sie nur Bewerber berücksichtigen könnten, die bereits in den Niederlanden wohnen. Das hätten sie ja vielleicht auch mal auf ihre Webseite schreiben können. Auch EU-Bürger müssten einen festen Wohnsitz dort haben und über eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis verfügen. Ich dachte immer, als EU-Bürger hätte man Freizügigkeit innerhalb der Union bzw. sowieso einen Rechtsanspruch auf eine Arbeitserlaubnis (sofern man diese denn vorzeigen muss).

Soll ich jetzt also, wenn ich einen Job im Ausland suche, erst auswandern, ohne zu wissen, ob ich dort überhaupt einen finde? Und dann, falls ich keinen gefunden habe, nach einem halben Jahr wieder zurück nach Deutschland ziehen? Das macht doch wohl so gut wie niemand so. Wenn ich in Düsseldorf keinen Job finde, ziehe ich doch auch nicht auf gut Glück nach München, weil es ja sein könnte, dass es dort bessere Chancen gibt (abgesehen davon, dass das zumindest mit wesentlich weniger Bürokratie verbunden wäre als ins Nachbarland zu ziehen). Und ich dachte immer, absurde Regeln wären eine deutsche Spezialität.

WM-Fazit

Veröffentlicht: 12. Juli 2010 in Allgemeines

Ich habe mich täuschen lassen. Tatsächlich ist Fußball eines der langweiligsten Mannschaftsportarten überhaupt. Weit vor Baseball. Beim notorisch ereignislosen Nationalsport der Amis gibt es immerhin kein 0:0. Und auch keinen Einwurf.

Mikael Krogerus bringt es auf den Punkt. Gestern habe ich mich beim Finale mal wieder gefragt, warum man überhaupt 90 Minuten spielt, wenn es danach immer noch genauso steht wie vorher. Mein Vorschlag: Schafft in der K.O.-Runde das Spiel selbst ab, macht vielleicht zwei Mal 15 Minuten, und wenn dann keiner gewonnen hat Elfmeterschießen. Ist eh viel spannender und zumindest habe ich noch nie ein torloses Elfmeterschießen gesehen.

Tumbeling Tumbleweeds

Veröffentlicht: 9. Juli 2010 in Allgemeines

In meiner Wohnung ist es seit knapp zwei Wochen zwischen 29 und 32 Grad heiß, auch nachts. Bei offenen Fenstern schlafen geht nicht, weil ich an einer Hauptverkehrsstraße wohne, die auch nachts noch stetig befahren ist. Gestern Nacht habe ich es dennoch mal mit Ohrenstöpseln versucht, konnte auch tatsächlich einschlafen, wachte aber bereits eine halbe Stunde später von einem merkwürdigen Klopfen wieder auf. Die Rheinbahn hatte wohl beschlossen, irgendwelche Ausbesserungsarbeiten an den Straßenbahngleisen unter meinem Fenster vorzunehmen – um ein Uhr nachts. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass mir demnächst auf dem Weg in die Küche Tumbleweeds entgegenwehen, wie man sie aus Western und anderen amerikanischen Filmen kennt. Nach wie vielen Wochen bei welchen Temperaturen fängt eigentlich die Desertifizierung an?

P.S.: Sehr schöner Tippfehler: Dessertifizierung

Danke, Dr. Müller!

Veröffentlicht: 4. Juli 2010 in Allgemeines

Ich habe ungefähr die letzten 15 Jahre bedauert, dass das Milchunternehmen Müller sein Mischgetränk R’activ vom Markt genommen hat, das ich super fand. Vorgestern habe ich dem im Real gerade noch hinterher getrauert, als ich den alten Namen plötzlich auf einer neuen Flasche im Kühlregal entdeckte. R’activ ist wieder da, in kleineren Flaschen, mit anderen Geschmacksrichtungen und, wenn ich’s richtig verstanden habe, wird es auch nicht mehr von Müller hergestellt. Aber Orange-Limette schmeckt fast so wie früher Orange, es ist nach wie vor Koffein drin, und ist bei den derzeitigen Temperaturen einfach herrlich erfrischend. Jetzt hoffe ich nur noch, dass „Limited Edition“ nicht heißt, dass es nach drei Monaten wieder vom Markt genommen wird. Sometimes they do come back though.

Disclaimer: Nein, dies ist kein bezahlter Blogeintrag, obwohl ich mich freuen würde, wenn mir der Hersteller eine Palette R’activ zuschicken würde ;).

Kann diese WM bitte endlich mal vorbei sein?

Veröffentlicht: 3. Juli 2010 in Allgemeines
Schlagwörter:

Wenn ich gewusst hätte, dass es so schlimm werden würde, wäre ich vier Wochen nach Island geflogen – oder sonst irgendwohin, wo die Mannschaft nicht qualifiziert war. Ich kann diese Reichsbeflaggung aus jedem dritten Fenster und an jedem zweiten Auto nicht mehr sehen, ich möchte nicht, dass meine Nachbarn mir mit einer Tröte ins offene Fenster blasen, die so laut ist wie ein Presslufthammer und ich würde gerne mal wieder einen Kaffee trinken gehen ohne mir gleichzeitig eine Fussballübertragung ansehen zu müssen. Die WM hätte ich nur gut gefunden, wenn die Zeitverschiebung zum Gastgeberland so ausgesehen hätte, dass alle Spiele in der Nacht übertragen würden. Das wäre meinen gelegentlichen Schlafstörungen sehr entgegen gekommen. Um drei Uhr nachts Fussball einschalten und ich würde garantiert nach fünf Minuten schlummern wie ein Kleinkind.

Wenn die Deutschen nur mal soviel Energie und Engagement für politische Proteste oder sonst irgendwas wirklich Wichtiges aufbringen würden wie für elf überbezahlte Kicker. Tatsächlich ist eine WM das beste Ablenkungsmanöver, dass den Regierenden passieren kann: Da können sie in aller Ruhe noch ein paar Steuererhöhungen und Sozialkürzungen auf den Weg bringen, und Merkel kann sich sicher sein, trotzdem bejubelt zu werden, wenn sie nur in Südafrika „unsere Jungs“ anfeuert. Es stimmt leider: Mit den Deutschen ist keine Revolution zu machen, es sei denn, sie wird von Poldi und Schweini angeführt und am Eingang werden Vuvuzelas verteilt.

Scheiß-(Pseudo-)Patriotismus

Veröffentlicht: 14. Juni 2010 in Allgemeines

Wie armselig muss eigentlich das Leben von jemandem sein, der sich, nachdem die Nationalmannschaft das erste (!) Vorrundenspiel gegen Australien (!!) gewonnen hat, in sein Auto setzt und hupend durch die Stadt fährt?

Wer nichts hat (ökonomisch, emotional, intellektuell), dem bleibt immer noch Gott – oder wahlweise die Nation.

Ego-Bloggen Nostalgie-Edition

Veröffentlicht: 27. April 2010 in Allgemeines

Wenn ich zurzeit kaum zum Bloggen komme, liegt das hauptsächlich daran, dass meine Mutter im Krankenhaus liegt. Zufälligerweise in genau demjenigen, in dem ich vor knapp 15 Jahren meinen Zivildienst geleistet habe. Das sorgt für einige sehr merkwürdige Emotionen. Einerseits hat sich dort nämlich organisatorisch in dieser Zeit fast alles verändert (Umbennenung und teilweise Funktionsänderung der Stationen, Umbauten usw.), andererseits kenne ich die Räumlichkeiten überwiegend natürlich trotzdem noch. Meine ehemalige Station gibt es aber in der Form gar nicht mehr, das ist jetzt eine Palliativstation statt einer „normalen“ internistischen.

Ab und zu läuft einem dann auf den Gängen doch noch mal ein bekanntes Gesicht über den Weg, von den wenigen damaligen Stationskollegen, die noch im Haus arbeiten, habe ich aber bisher erst einen getroffen bzw. gefunden. Stattdessen kam ich gestern im Park mit einer älteren Patientin ins Gespräch, die auf der Bank neben uns saß. Nach einer Weile kam mir diese recht bekannt vor. Irgendwann stellte sich dann heraus, dass das die Lebensgefährtin eines unserer Patienten von vor 15 Jahren war, der damals wohl bei uns auf der Station gestorben ist (woran ich mich aber nicht mehr erinnere). Kurzzeitig dachte ich, die ältere Dame wolle mir nachträglich einen Vorwurf machen, weil sie erzählte, ein Zivi habe ihren schon im Sterben liegenden Mann damals gefragt, ob er morgens einen Kaffee trinken wolle. (Wobei ich mich nicht an diese Situation erinnere, sie wusste auch nicht, ob ich das damals war.) Zum Glück war es aber umgekehrt: Sie hatte damals eher ein schlechtes Gewissen, weil sie den Zivi angefaucht hatte. Das Ganze war auf jeden Fall sehr surreal, wie man da nach 15 Jahren mit Schicksalen ehemaliger Patienten konfrontiert wird.

Ansonsten kribbelt es mir irgendwie doch ein wenig in den Fingern, noch mal im Krankenhaus zu arbeiten, wenn ich da so die PflegerInnen beobachte. Leider gibt es aber zumindest in diesem kein Budget mehr für ungelernte, unqualifizierte (Aushilfs-)Mitarbeiter im Pflegedienst. Naja, vielleicht mache ich ja im nächsten Leben dann doch noch eine Pflegeausbildung. In diesem möchte ich aber bitte möglichst nicht als Patient in die Mühlen der Institution Krankenhaus geraten (oder erst, wenn ich sowieso nichts mehr mitbekomme).