Archiv für die Kategorie ‘Online’

Im aktuellen „Fandom Observer“ (einem traditionsreichen SF-Fanzine) findet sich eine hoch interessante Titelgeschichte über Buchblogger, negative Rezensionen und darüber, wie Autoren und Verleger mit diesen umgehen. Ich muss den Kommentatoren im FO-Blog Recht geben: Der Artikel ist tatsächlich hervorragend recherchiert und könnte im Grunde auch im „Spiegel“ stehen. Anlass waren unfassbare Vorwürfe eines Buchautors und seiner Verlegerin, die einer Bloggerin nach einem Verriss  in den Kommentaren mit rechtlichen Schritten drohten. Was es nicht alles gibt…

Hassu ma ’n paar Euro für meine Zeitschrift?

Veröffentlicht: 17. August 2011 in Journalismus, Online
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Große Pläne erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Deshalb suche ich ab heute auf der Crowdfunding-Plattform pling Unterstützer für mein Print-Magazin-Projekt „torrent“. Bereits ab einem Euro seid ihr dabei, über mehr freue ich mich natürlich auch mehr. Sollten bis Mitte Oktober die 3000 Euro zusammen kommen, die in der Kalkulation noch fehlen, können wir nicht nur das Magazin für serielles Erzählen (im Fernsehen) an den Bahnhofskiosk bringen, sondern auch alle Spender mit netten Prämien belohnen, z.B. Freiabos oder der Möglichkeit, seine eigenen Lieblingsserien im Heft vorzustellen. Und wer kein Geld übrig hat, hilft mir auch sehr, wenn er den Link an serienbegeisterte Freunde weiterschickt.

Und wer sich gerade fragt, WTF is Crowdfunding: Zufällig habe ich darüber vor einem Jahr mal einen Artikel geschrieben.

10 Gründe, Facebook zu hassen

Veröffentlicht: 16. Juli 2011 in Online
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(via)

Prophetischer Dialog aus Jörg Fausers  1985er Journalismus-West-Berlin-Privatdetektiv-Krimi „Das Schlangenmaul“:

„…Ich geb dir die Zeitschrift, mach etwas draus, die einzig wahre Zeitschrift, und dann gehen wir in die Neuen Medien.“

„Berlin wird die ganz große Schaltzentrale für diese Medien werden. Und wir werden mitschalten. Radio, TV, Kabel, Bildschirmtext, Video – es gibt Möglichkeiten, von denen wir heute noch fast nichts ahnen.“

„Möglich. Ich komme aus den Printmedien, weißt du, Druck und Papier, alter Praktiker – von der Pike auf…“

„Und jetzt lernst du noch mal von der Pike auf, Harder.“

Nachdem ich am Montag noch total genervt war, weil in jeder Radiosendung (bei drei verschiedenen Sendern), die ich hörte, über Facebook gesprochen wurde, stieß ich ab Dienstag ständig auf Google+. Nur dass ich die Berichte darüber sogar bewusst und interessiert gelesen bzw. gehört habe. Mann, was würde ich mir ins Fäustchen lachen, wenn Google Zuckerbergs Fatzebuch dahin schicken würde, wo all die gehypten Vorgänger wie MySpace und StudiVZ schon längst sind: in die Bedeutungslosigkeit. Ich kann mir nicht helfen, aber Facebook verkörpert für mich gefühlsmäßig „das Böse“ (TM). Wenn Sascha Lobo meint: „Die DNS von Facebook ist sozialer Kitt“, würde ich eher sagen: „Die DNS von Facebook ist eine asoziale Motivation.“ Nicht nur, was die ursprüngliche Motivation von Zuckerberg angeht, das Ding zu programmieren.

FB geht es nicht darum, irgendwelche tatsächlichen Bedürfnisse seiner User zu befriedigen. Es geht ihm darum, deren Kommunikationsbedürfnisse zu missbrauchen, um an ihre Daten zu kommen und mit ihrer Hilfe immer mehr Leute auf ihre Seiten zu locken. Was manche Spieleentwickler an Social Games wie FarmVille & Co. kritisieren, dass sie soziale Beziehungen nur instrumentalisieren, um neue Spieler zu generieren und dadurch mehr Geld zu verdienen, trifft auch auf FB selbst zu.

Für die Nutzer selbst geht es überwiegend um Selbstdarstellung, nicht um wirkliche Kommunikation. Die findet im Netz ganz woanders statt: in Blogs, in Foren, vielleicht auch bei Twitter. Wenn ich wirklich an den Meinungen und Interessensgebieten eines Menschen interessiert bin, lese ich sein Blog. Wenn ich über ein spezifisches Thema diskutieren möchte, z.B. über eine TV-Serie oder einen neuen Comic, den ich toll finde, suche ich mir ein Forum mit Gleichgesinnten. Dort finden nämlich noch inhaltliche Auseinandersetzungen statt. Wenn ich längere Zeit regelmäßig ein Forum besuche, kann ich die Stammuser einigermaßen einschätzen, ich kenne einige ihrer Vorlieben und Abneigungen, ich weiß, wer Diskussionskultur hat und wer nur ein Troll ist, der immer Recht behalten will. Wenn ich auf FB mit Leuten „befreundet“ bin, erfahre ich auch nach Monaten meist nicht mehr über sie, als wo sie zuletzt im Urlaub waren und mit wem sie gestern einen Kaffe trinken gegangen sind. Interessiert mich das? In den allermeisten Fällen nicht. Für längere Diskussionen ist auf FB hingegen gar kein Platz. Alles, was länger als drei Sätze ist, liest eh keiner. Die Reaktionen beschränken sich meistens auf ein „Gefällt mir“. Die Beliebtheit eines Users resultiert daraus, wer die meiste unreflektierte Zustimmung einsammeln kann: „7.657 Personen gefällt das“ vs. „Einer Person gefällt das.“ Wer unter 50 „Freunde“ hat, macht sich im Grunde lächerlich. In meinem Blog freue ich mich dagegen über jeden Kommentator, bei dem ich merke, dass er sich inhaltlich mit meinem Artikel auseinander gesetzt hat.

Die Kommunikation bei FB ist in den allermeisten Fällen eine Scheinkommunikation. Die Illusion einer Kommunikation. Den ganzen ehemaligen Bekannten, die man vor zehn oder zwanzig Jahren aus den Augen verloren hat und ohne FB auch nie wieder gefunden hätte – und die ja als eines der Lieblingsargumente dienen, was an FB so toll sei -, hat man meistens heute auch nicht mehr viel zu sagen. Hätte man das, hätte man ja auch vor zehn oder zwanzig Jahren Wege gefunden, mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Ausnahmen gibt es natürlich auch, also Menschen, die man nach Jahren wieder trifft und die einem noch ganz viel zu sagen haben. Nur tun sie das dann bei FB nicht unbedingt auch immer. Wenn sie da immer nur schreiben, mit wem sie in ihren Heimatstädten gerade was unternehmen wollen oder ihre Babyfotos posten, bringt sie mir das ja auch nicht wieder näher. Und um zu chatten, braucht man kein Soziales Netzwerk, dafür gibt es genügend Programme.

Zudem kann all diese geschäftige Oberflächenkommunikation, das ständige Rauschen der Mitteilungen von Dutzenden Menschen, während man alleine vorm Computer sitzt, Einsamkeitsgefühle eher noch verstärken statt beseitigen. Wie es eine Anruferin gestern Abend im „Blue Moon“ formulierte: „100 Freunde und keiner ruft an.“  Wenn du wirklich einsam bist, wenn du Probleme hast, und keinen, mit dem du darüber reden könntest, hilft dir FB bestimmt nicht weiter.

Wenn ich dann höre, dass man sich bei FB nicht mehr einfach mit einem Pseudonym anmelden kann, weil die einem bei unrealistsichen Namen den Account sperren, bis man ihnen eine Geburtsurkunde oder seine Handynummer schickt, möchte ich am liebsten kotzen. Da offenbart FB seine wahre Fratze. Überall sonst im Netz ist es ja üblich und akzeptiert, unter einem Pseudonym, einem Nickname oder Bloggernamen zu schreiben. Was übrigens gar nichts damit zu tun hat, das man anonym rumpöbeln will, wie manche behaupten, für die das Internet nur aus Google, SpOn und Wikipedia besteht.

Ich hoffe jetzt einfach mal auf Google+. Alles, was ich in den letzten Tagen darüber gelesen und davon gesehen habe, fand ich sympathischer und überzeugender als alles, was ich in einem halben Jahr bei FB gesehen habe, bevor ich entnervt mein Profil gelöscht habe. Leider bin ich ja nur ein E-Blogger, weswegen ich keine Einladung für die G+-Betaphase bekommen habe. Wobei ich mich da eher nur anmelden werde, wenn es möglich wird, dort auch geschäftliche Projekte zu promoten. Privat hatte ich noch nie das Bedürfnis, mich bei einem Sozialen Netzwerk anzumelden. Aber bei G+ soll es ja wohl mehr um Themen und weniger um Egos gehen. Vielleicht fragen sich die Nachgeborenen in zehn Jahren ja, wenn „The Social Network“ im Fernsehen läuft: „Facebook? Was war das denn noch mal?“

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und häufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele Gefälligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung veröffentlicht, um die Seiten zu füllen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Ich würde Hardy Prothmann ja mit fast allem zustimmen, nur bei mir selbst hat das Modell leider finanziell überhaupt nicht geklappt. Vielleicht war ich bei der Anzeigenakquise nicht hartnäckig genug, vielleicht ist es auch in einer Großstadt, die doch noch ein einigermaßen vielfältiges Angebot an lokalen Medien hat, einfach schwieriger als in einem Nest mit einer Monopolzeitung, Leser zu gewinnen. Momentan plane ich jedenfalls tatsächlich ein Print-Projekt (allerdings kein lokales). Das ist mMn die zweite Zukunftsstrategie: ein Nischenthema im Printmarkt zu besetzen. Jedenfalls bin ich mir relativ sicher, dass Zeitschriften wie DUMMY, brand eins oder 11 Freunde auch dann noch existieren werden, wenn es den Mannheimer Morgen und die NRZ schon nur noch als Marken im Netz gibt.

(via)

Jim Henson bloggt

Veröffentlicht: 30. Juni 2011 in Film, Online, TV
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Sozusagen. Er ist natürlich schon länger tot, aber seine Produktionfirma veröffentlicht jeden Tag im Internet einen Eintrag aus seinem Notizbuch, das er von 1965 bis 1988 geführt hat. Meistens nur einen Satz, der aber dann manchmal von dem Archivar mit Hintergrundinformationen und interessantem Bildmaterial ergänzt wird. Für Muppet-Fans wie mich eine unerschöpfliche Fundgrube.

Me & the Farm(Ville)er

Veröffentlicht: 21. Juni 2011 in Aus der Praxis, Online
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Für den epd bin ich kürzlich mal wieder in virtuelle Parallelwelten eingetaucht. Leider darf man bei diesen Agenturartikeln ja nie so deutlich schreiben, was man selbst von den vorgestellten Diensten hält. Ich denke mal, es wird aber trotzdem klar. (Wenn nicht: Farmerama hat mich nach fünf Minuten so aggressiv gemacht, dass ich am liebsten den Monitor an die Wand geworfen hätte.) Der Artikel wurde heute auch vom Main-Echo übernommen (zumindest online), das wäre für einen gewissen Leser in Aschaffenburg vielleicht endlich mal ein Grund, sich die Zeitung zu kaufen.

Überschrift: Housemartins (abgewandelt)

Lesetipp: Die Lehren aus kino.to

Veröffentlicht: 13. Juni 2011 in Film, Lesetipp, Online
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Unrechtbewußtsein kann man dabei nicht erwarten, denn wie kann es unrecht sein sich z. B. die aktuellen Folgen einer Serie für Umsonst runter laden zu müssen, weil man sie selbst für Geld nicht kaufen DARF, weil ein Rechteverwerter der Meinung ist, in Deutschland soll man gefälligst noch warten?

Stefan Meiners bei Xtranews. Auch sonst kann ich dem Artikel  voll und ganz zustimmen. (via)

.. der Hedonismus lässt sich in diesem Fall gut mit der Jobsuche vereinbaren. … Ich bin auf Facebook aktiv, ich treffe mich mit Leuten, ich saufe auch mit Leuten. Das ist ja im Kulturbereich viel effektiver als Bewerbungen zu schreiben, das weiß meine Arbeitsvermittlerin auch.

Heiko Gogolin, Ex-Chefredakteur des gerade eingestellten Spielemagazins GEE in einem höchst interessanten Interview (Arbeitssuche und Hedonismus? Irgendwas mache ich wohl falsch.)