Mit ‘Aaron Sorkin’ getaggte Beiträge

Aaron Sorkin im O-Ton-Interview

Veröffentlicht: 17. Oktober 2010 in Film
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CARGO hat sich mit Drehbuchautor Sorkin über „The Social Network“ unterhalten, das Interview gibt es als Audio auf deren Seite. Toll z.B., dass er ein Drehbuch schreibt, das Zuckerberg knapp zwei Stunden lang als unsozialen Arsch darstellt und ihm dann wünscht, er möge nach Ansehen des Films über ihn gut schlafen.

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Mammutserie zu Ende geschaut: „The West Wing“

Veröffentlicht: 18. August 2010 in TV
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Nach knapp einem Jahr bin ich mit sieben Stafeln und 154 Folgen „The West Wing“ durch – und würde mir am liebsten die erste Staffel gleich noch mal angucken. Weil’s so schön war, aber auch, weil ich gern nach der letzten Staffel nochmal im direkten Vergleich sehen würde, wie sehr sich die Serie seit ihrem Anfang stilistisch und atmosphärisch verändert hat. Denn es ist ein weiter Weg, den sie in diesen mehr als 150 Folgen zurückgelegt hat.

Am Anfang ist die Stimmung noch durchweg positiv. Natürlich gibt es dramatische Krisensituationen mit schwierigen Entscheidungen für den demokratischen US-Präsidenten Bartlet. Aber die Atmosphäre im Weißen Haus ist fast ausschließlich freundlich, es gibt so gut wie keine Meinungsverschiedenheiten zwischen seinen engsten Mitarbeitern, und das Staatsoberhaupt selbst scheint dem Lehrbuch für Liberale entsprungen zu sein: ein hoch intelligenter, umsichtiger und bedachter Menschenfreund, der immer das moralisch Richtige tut.

In der zweiten Staffel fängt die Stimmung langsam an, sich zu verändern: durch die traumatischen Folgen, die das Attentat bei einigen Mitarbeitern hinterlassen hat, aber vor allem durch die degenerative Krankheit, die der Präsident der Öffentlichkeit bisher verschwiegen hat. In den folgenden Staffeln bekommen er und das Weiße Haus zunehmend mehr Kratzer: Zum einen muss Bartlet die eine oder andere zweifelhafte Entscheidung über Leben und Tod treffen, zum anderen zeigt sich immer deutlicher, dass selbst die Macht des mächtigsten Mannes der Welt arg beschränkt ist.

Zunehmend gewint man als Zuschauer den Eindruck, dass selbst ein Präsident meist gar nicht Herr seiner eigenen Entscheidungen ist. Gefangen zwischen seinen Beratern, Spin Doctors und Wahlkampfmanagern, den eigenen Interessen von Parteifreunden in Kongress und auf Bundesstaatsebene, der republikanischen Mehrheit im Senat und der öffentlichen Meinung, die permanent in detaillierten Umfragen gemessen wird, bleibt ihm oft nicht mehr, als den kleinsten gemeinsamen Nenner umzusetzen statt seine eigentlichen politischen Ziele zu verwirklichen.

Hinzu kommt dann noch starker Druck durch Kriminelle und Terroristen bis hin zur Entführung seiner jüngsten Tochter am Ende der vierten Staffel. Und auch seine Mitarbeiter haben zunehmend Konflikte miteinander. Nach einer doch arg zähen fünften Staffel, nachdem Serienerfinder Aaron Sorkin nach der vierten seinen Hut nehmen musste und John Wells als Showrunner das Ruder übernahm, kommt es im Laufe der sechsten zu starken inhaltlichen Veränderungen: der Vorwahlkampf um Bartlets Nachfolge beginnt, einige seiner engsten Mitarbeiter verabschieden sich aus dem Weißen Haus, um die Kandidaten der Primaries zu unterstützen oder bekommen neue Aufgaben zugewiesen.

Die abschließende siebte Staffel ist dann schon fast eine neue Serie: Im Mittelpunkt steht nun der Präsidentschaftswahlkampf zwischen dem demokratischen Kandidaten Matt Santos, dem ersten Latino, der für das höchste Amt kandidiert, und dem liberalen Republikaner Arnold Vinick. Das Weiße Haus selbst gerät in den Hintergrund, in vielen Folgen treten Bartlet und seine Mitarbeiter entweder gar nicht oder nur am noch am Rande auf. Nach der entschiedenen Wahl nimmt sich die Serie dann noch fünf Fogen Zeit für den Übergang und um die alten Handlungsstränge langsam und behutsam zu einem Ende zu führen. Hier muss man sagen, dass Wells und seine Mitstreiter fast alles richtig gemacht haben: Teils seit langem vermisste Figuren tauchen wieder auf, das ein oder andere Paar findet endlich zusammen, bei dem man schon lange darauf spekuliert hatte, und alte, stark belastete Freundschaften werden wieder gekittet.

Außergewöhnlich positiv ist auch, dass Wells den Verlierer der Wahl nicht einfach fallen lässt, sondern in einer tollen Folge den Stress und Pomp, mit dem der Gewinner nun umgehen muss, der Leere gegenüberstellt, in die der Unterlegene vom einen Tag auf den anderen plötzlich fällt: gestern noch beinahe der wichtigste Mann der Welt, heute ein Politpensionär, für den sich niemand mehr interessiert. Dass Wells ein höchst einfühlsamer Schreiber ist, sieht man dann auch in der letzten Folge, wo er selbst kleinen, aber durchgehenden Nebenfiguren wie der Sekretärin Carol oder einem der Reporter im Presseraum kleine nette Szenen einräumt.

Neben den meist hervorragenden Dialogen und Plots zeichnet sich die Serie vor allem auch durch die durchweg tollen SchauspielerInnen aus: Martin Sheen, Bradley Whitford, Richard Schiff und der während der Dreharbeiten verstorbene John Spencer sind die herausragendsten, aber auch Jimmy Smits und Alan Alda verkörpern facettenreich die beiden Präsidentschaftskandidaten. Hinzu kommt eine wie bei Wells‘ Serie ER beeindruckende Riege von wiederkehrenden Gaststars. Neben Filmschauspielern wie Christian Slater oder Armin Müller-Stahl taucht innerhalb von sieben Jahren so ziemlich jedes Gesicht auf, das man aus zeitgenössischen US-Serien kennt, von Alan Arkin bis Mary Louise Parker, von Edward James Olmos bis Matthew Parry. Am Ende bedauert man eigentlich nur, dass man nicht mehr mitverfolgen darf, wie der neue Präsident in den folgenden acht Jahren regieren wird. Aber vielleicht gibt es ja mal einen „West Wing“-Direct-to-DVD-Film.

Im Fernsehen ist es oft wie im Leben: Die Besten gehen meistens zu früh von uns. Hier einige Serien, die bereits nach der ersten Staffel wieder abgesetzt wurden, obwohl sie großes Potential hatten – und es meistens überhaupt nicht verdient hatten. Wobei ich grundsätzlich in verschiedene Kategorien unterteilen würde:

1. Serien, bei denen ich die schnelle Absetzung grundsätzlich verstehe: Dazu zählt klar „Studio 60 on the Sunset Strip“, die Aaron Sorkin-Serie mit unverkennbar hohem Potential, die aber irgendwie schon nach der zweiten Folge keinen richtigen Fokus mehr fand. Obwohl Schauspieler, Bücher und Inszenierung durchweg gelungen sind, weiß man nicht so recht, um was es eigentlich gehen bzw. wo das dramatische Potential liegen soll. Zumindest hat man der Serie eine komplette Staffel mit 22 Folgen gegönnt, viel mehr hätte man aus dem Sujet auch nicht rauspressen können.

2. Serien, bei denen ich die Absetzung grundsätzlich verstehe, aber nicht, warum sie so schnell kommen musste: Also, „Bionic Woman“ ist jetzt nichts, was ich mir vier oder fünf Jahre lang hätte angucken müssen, aber um nach acht Folgen abgesetzt zu werden, fand ich sie wirklich zu gut. Insbesondere im Vergleich mit dem, was sonst so im SF-Serien-Bereich produziert wird (ich denke vor allem an die ganzen Stargate-Klone, die auf mich sowohl von den Büchern als auch der Produktion immer so billig wirken wie „Star Trek“ selbst in den 80ern nie gewesen ist). Zumindest eine komplette Staffel mit 22 Folgen hätte die Serie wirklich verdient gehabt.

3. Serien, bei denen mir die (frühe) Absetzung ein völliges Rätsel ist: „Earth 2“. Eine der innovativsten und originellsten Serien, die im SF-Bereich jemals den Weg auf den Bildschirm gefunden haben – nur, um nach knapp über 20 Folgen und mit einem Cliffhanger einen frühen Serientod zu sterben. War vielleicht einfach nur ihrer Zeit um einige Jahre voraus.

Und natürlich „Freaks and Geeks“. Ein echtes Kleinod, eine Serie, bei der im Grunde alles stimmte. Wenn solche Serien bei NBC nach 18 Folgen abgesetzt werden, weiß ich auch, warum in den USA so viele Menschen HBO und Showtime abonnieren. Wobei mir solche Network-Serien, die ein gewisses Niveau haben, ohne den Unterhaltungsaspekt zu vernachlässigen, meistens doch irgendwie lieber sind als so manche hoch ambitionierte, aber letztlich doch etwas dröge Kabelserie à la „Sopranos“ oder „Mad Men“. Andererseits sind mir 18 fast perfekte Folgen auch lieber als eine Serie, die zulange läuft und dann irgendwann immer mehr nachlässt.  So kann man wenigstens noch davon träumen, wie toll die nächsten Staffeln hätten werden können.

Serien, bei denen ich voll und ganz verstehe, warum sie die erste Staffel nicht überlebt haben, gibt es natürlich auch. Aber wenn ich hier jetzt als Beispiel „Firefly“ anführe, werde ich ja wieder gelyncht…

Da es mein letzter epd-Artikel über die Entwicklung, die US-Fernsehserien in den vergangenen zehn Jahren genommen haben, bisher nicht ins Internet geschafft hat, stell ich ihn hier mal in der Ursprungsfassung ein. Aufgrund der vorgegebenen Länge musste ich leider etwas an der Oberfläche bleiben und mich hauptsächlich auf drei interessante Serien beschränken: „Carnivàle“, „The West Wing“ und „Mad Men“.

Wer sich ausführlicher über „Mad Men“ informieren will, dem sei das Dossier in der aktuellen „Cargo“-Ausgabe empfohlen. Die Analyse von Bert Rebhandl ist das Beste, was ich bisher über diese viel besprochene Serie gelesen habe, dazu kommt dann u.a. noch ein Artikel über den feministischen Sachbuchklassiker „The Feminine Mystique“ von 1963, der als eine Art Inspirationsquelle für die Serie gelten kann. Die Autorin Betty Friedan beschrieb darin das damals noch vorherrschende Rollenmodell für Frauen als Hausfrauen und Mütter als „Ursache für ein weit verbreitetes Gefühl von Leere und Haltlosigkeit, ja sogar für Depression und Suizid“ (Catherine Davies in „Cargo“).

Hier nun aber mein Artikel:

Mit Tony Soprano fing fast alles an. 1999 startete der US-Bezahlsender Home Box Office (HBO) die Fernsehserie „The Sopranos“ um den von James Gandolfini gespielten Boss eines Mafia-Clans in New Jersey, die gleich in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe setzte. Als reiner Abosender fiel HBO nicht unter die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörde FCC, weswegen drastische Sprache und Sexszenen kein Problem darstellten. Zum anderen brach das gemächliche Tempo der Folgen radikal mit bis dahin im Fernsehen üblichen Erzählweisen.

Mit Serien wie den „Sopranos“ haben US-Pay TV-Sender wie HBO oder Showtime das Erzählen im Fernsehen revolutioniert. Die Zeiten, in denen Serien aus abgeschlossenen Folgen bestanden und die Ereignisse der vorangegangenen schon eine Woche später keine Rolle für die Charaktere mehr spielten, sind weitgehend vorbei. Längst sind viele US-amerikanische Serien komplexer als jeder noch so anspruchsvolle Kinofilm. Statt über zwei Stunden erstrecken sich einzelne Handlungsstränge über eine oder mehrere Staffeln. So ergeben sich epische Geschichten, die fast schon an die großen Romane von Tolstoi oder Dostojewskij erinnern.

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Studio 60 on the Sunset Strip

In den letzten Jahren starteten in den USA gleich zwei Serien, die versprachen, in den Mittelpunkt der Handlung zu rücken, was sonst den Fernsehzuschauern meist verborgen bleibt: die Arbeit hinter den Kulissen einer TV-Produktion. Beide drehen sich um die Macher einer fiktiven Sketch-Comedy-Show à la „Saturday Night Live“, beide wurden von NBC in Auftrag gegeben. Merkwürdige Koinzidenzen. Während Aaron Sorkins 2006 gestartetes „Studio 60 on the Sunset Strip“ floppte und bereits nach einer Staffel wieder abgesetzt wurde, erfreut sich Tina Feys später gestartetes „30 Rock“ großer Beliebtheit, nicht nur bei den amerikanischen Zuschauern, sondern auch bei Kritikern, und wurde wiederholt mit Emmys ausgezeichnet. Ich verstehe nicht so ganz warum. Denn „Studio 60“ ist einfach die wesentlich bessere Serie.

Trotz der großen Ähnlichkeiten in der Grundidee, unterscheiden sich beide Serien in der Ausführung dann doch recht deutlich. „30 Rock“ ist eine reine Sitcom, die Gags stehen im Mittelpunkt, die Handlung dient nur dazu, Raum für lustige Sprüche und Situationskomik zu schaffen. Das Problem: Ich finde die Gags weitgehend nicht besonders lustig. Vielleicht liegt es an der Synchronisation oder daran, dass man als Deutscher sowieso viele der Insiderwitze, die sich mit amerikanischem Fernsehen und US-Popkultur im Allgemeinen beschäftigen, nicht verstehen kann. Ich habe aber auch ein grundsätzliches Problem mit Sitcoms dieser Art: Die Figuren sind allesamt so überdreht, dass man weder sie noch die Handlung irgendwie ernst nehmen kann. Da sind der egomanische Senderchef, die eitle, aber unbegabte Schauspielerin, der nerdige, fette Autor und der schwuchtelnde (aber heterosexuelle) Page. Allesamt Klischeetypen, die nicht gerade zur Identifizierung einladen. Entsprechend überdreht sind dann auch die Ereignisse, die immer nur dazu dienen, den nächsten Gag vorzubereiten. Da es keinerlei Tiefe gibt und die Handlung eh belanglos ist, hat man die Episode schon wieder vergessen, kaum dass sie vorbei ist. Was nun alle Welt an Alec Baldwins Darstellung des Senderchefs findet, bleibt mir auch unbegreiflich. Er agiert absolut steif und ist inzwischen eh so dick geworden, dass seine Mimik darunter zu leiden scheint.

Das alles könnte man verzeihen, wenn wenigstens die Gags superlustig wären. Sind sie aber halt nicht, zumindest nicht für mich. Das gleiche Problem hatte ich mit „Seinfeld“ oder ähnlichen Sitcoms. Ich kann einfach nicht über sprücheklopfende Witzfiguren lachen. Die einzigen Sitcoms, die ich mochte, waren dann auch welche, in denen die Figuren halbwegs realistisch waren, und es neben den Gags auch noch etwas Tiefe gab: die „Cosby Show“ und „Friends“ vor allem.

„Studio 60“ bearbeitet die gleiche Grundidee in einem komplett anderen Stil. Erzählerisch eine Mischung aus Comedy und Drama, stilistisch aufwendig produziert mit guter Kameraarbeit, weitläufigen Kulissen etc. Die Rollen sind fast alle hervorragend besetzt, allen voran Matthew Perry (Chandler aus „Friends“) und Bradley Whitford (Josh Lyman aus „The West Wing“) als die beiden Executive Producer der Show „Studio 60“, die mit ihrer jahrzehntelangen Tradition deutlich an „Saturday Night Live“ angelehnt ist. In Nebenrollen tauchen dann auch mal bekanntere Namen wie John Goodman auf.

In Internetforen und Blogs liest man öfter, dass die Serie nicht funktioniert habe, langweilig sei. Tatsache ist, dass ihr etwas der Fokus fehlt. Sie startet vielversprechend mit zwei sehr guten Episoden, danach fragt man sich desöfteren, was nun eigentlich das handlungstragende Element der Folgen sein soll. Es geht um alltägliche Probleme beim Vorbereiten der wöchentlichen Live-Show, um die Auseinandersetzungen mit und zwischen der neuen Senderchefin und den Bossen der Muttergesellschaft, um die schwierige Beziehung zwischen Produzent Matt und seiner Exfreundin, einer der Stammschauspielerinnen der Show, um Politik und Gesellschaft.

Während man bei Sorkins Vorgängerserie „The West Wing“ aber immer einen klaren Fokus auf bestimmte politische Fragen und Auseinandersetzungen hatte, die dann entweder am Ende der Folge entschieden oder eben in der folgenden Woche weiter geführt wurden, weiß man hier oft nicht so richtig, wo eigentlich das Problem liegt oder was daran nun so dramatisch sein soll. Vielleicht ist die Produktion einer TV-Unterhaltungssendung auch einfach kein so dankbares Sujet wie die nationale und internationale Politik. Ich kann mir jedenfalls nur schwer vorstellen, welche Geschichten die Macher noch hätten erzählen sollen, wenn „Studio 60“ sieben Staffeln bekommen hätte. Hinzu kommt, dass die Sketche der fiktiven Show, die immer wieder eine Rolle in der Serie spielen, überwiegend nicht lustig sind. Es spricht nicht unbedingt gegen Sorkin, dass er keine Sketche schreiben kann, aber das ist natürlich ein Problem, wenn man eine Serie über eine angeblich wahnsinnig lustige und erfolgreiche Sketch-Show macht.

Trotzdem ist die Serie recht unterhaltsam. Die Gags stehen hier nicht im Vordergrund, aber es passieren genügend witzige Sachen. Und auch wenn Sorkins Dialoge meist nicht so brilliant sind wie in „West Wing“, bleibt er natürlich ein Meister des geschliffenen Wortgefechts. Vor allem aber sind die Figuren in „Studio 60“ glaubwürdig und weitgehend sympathisch und es werden wieder gesellschaftliche Themen diskutiert wie der Konflikt zwischen Liberalen und Christlichen Rechten in den USA oder die Kommunistenhatz im Hollywood der 50er Jahre.

Und: „Studio 60“ ist wesentlich kritischer als „30 Rock“, was die Auseinandersetzung mit dem Medium Fernsehen selbst angeht. So ist es vielleicht kein Zufall, dass „30 Rock“ angeblich in der NBC-Zentrale spielt, während „Studio 60“ vom fiktiven Network NBS produziert wird. Am amerikanischen Mainstream-Fernsehen der Gegenwart lässt die Serie nämlich kaum ein gutes Haar. Da geht es nur um Quote und Geschäfte mit China, aber wenig um Qualität und Inhalte. Das bietet immer wieder Platz für gelungene Anspielungen, die man auch als deutscher Serienfan verstehen kann. Als Beispiel ein Dialog zwischen Produzent und Senderchefin:  „Ich finde, die Show passt nicht zu NBS.“ – „Warum?“ – „Weil sie gut ist.“ Der Chef der Muttergesellschaft hält eine Serie über die UN dann auch für Quotengift: „Wenn sie anfangen, über Dafur zu diskutieren, steigt die Quote bestimmt.“ Das ist natürlich pure Selbstreferenzialität mit Bezug auf Sorkins „West Wing“, wo desöfteren mal über Völkermord und afrikanische Bürgerkriege diskutiert wird.

Fazit: „30 Rock“ ist schnelle Popcorn-Unterhaltung für zwischendurch, die keinem wehtut. „Studio 60“ mag vielleicht gescheitert sein, das aber sehr ambitioniert und auf hohem Niveau. Ich würde letzteres jederzeit vorziehen.