Mit ‘Frankfurter Rundschau’ getaggte Beiträge

„Überhaupt, das Rauchen und Trinken! Der ältere Kollege, nachdem er den ganzen Tag leidenschaftlich telefoniert (und geraucht) hatte oder mit der Schreibmaschine Briefe zusammengehackt, öffnete abends seinen Schrank, wo eine Selektion von Rotweinflaschen mehr über seine Einstellung zum Leben und Arbeiten aussagte, als es die heutigen aseptischen, mit Energiesparlicht abgetöteten Arbeitsplätze im Großraumbüro vermögen.“

Der Nachruf der ehemaligen FR-Redakteurin Ina Hartwig auf diese Zeitung im „Freitag“ ist eine herrlich melancholische Erinnerung an Zeiten geworden, von denen man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es in Redaktionen wirklich mal so zuging. Rohrpost, Rauchen, Rotwein – und das alles noch 1997? Ich war eindeutig neun Jahre zu spät Praktikant bei der FR.

Ach ja, und R.I.P., liebe FR.

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Zu dieser Frage brachte die taz in ihrer letzten Wochenendausgabe einen höchst interessanten vierseitigen Artikel. Der Journalist Sebastian Heiser recherchierte dazu verdeckt und gab sich bei einigen großen und kleineren Zeitungen und Zeitschriften als Anzeigenvermittler aus, der Anzeigen gegen wohlwollende redaktionelle Beiträge „tauschen“ wollte. Wie die einzelnen Anzeigenabteilungen reagierten und was dagegen die jeweiligen Chefredakteure der Titel zur Trennung von Anzeigen und redaktioneller Berichterstattung in ihren Medien sagen, lässt sich auch im taz-Rechercheblog nachlesen.

Interessanterweise sind die Rechercheergebnisse mit Ausnahme des Spiegels nicht etwa so, wie man erwartet hätte: Während BILD und Handelsblatt solche Koppelgeschäfte ablehnten, sind es ausgerechnet „linke“ Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau und das Neue Deutschland, die mit am weitgehendsten bereit sind, sich „redaktionelle Beiträge“ bezahlen zu lassen. Am lustigsten sind die Äußerungen des ND-Anzeigenverkäufers. Der scheint nämlich nicht viel von seinen Kollegen in der Redaktion zu halten. So sei „der Autoredakteur ein großer Stinker […], der es schon fertig gebracht hat, unseren fast einzigen Autokunden so richtig mies runterzumachen redaktionell.” Am liebsten ist es ihm dann folgerichtig auch, wenn die bezahlende Firma ihre Artikel gleich selbst schreibt.

Das sei leichter, als einen Redakteur dazu zu bekommen, einen Text auf Bestellung zu schreiben: “Die fangen eben vielleicht auch noch an zu meckern und sagen: Darüber wollte ich jetzt aber gerade nicht schreiben.” Diese Redakteure “sind ja Künstler”, sagt er, und verdreht die Augen.