Mit ‘Freaks and Geeks’ getaggte Beiträge

Ich muss sagen, dass ich mich von Beziehungskomödien, die (deutsche) Titel tragen wie „40, männlich, Jungfrau sucht“ und „Beim ersten Mal“ nicht angesprochen fühle. Da erwarte ich dann flachesten Unter der Gürtellinie-Humor und Slapstick. Wenn dann noch Leute wie Adam Sandler die Hauptrolle spielen, klingt das für mich nach Pest und Cholera. Nachdem mir „Freaks and Geeks“ so gut gefallen hat, an der Judd Apatow als Executive Producer und bei einigen Folgen auch als Autor und Regisseur beteiligt war, wurde ich dann doch neugierig auf seine anderen Sachen. Naheliegenderweise habe ich mir zunächst mal seine nächste Serie angeguckt, die er dann auch selbst erfunden hatte:

„Undeclared“ ist die logische Weiterentwicklung von „Freaks…“, nach High School-Schülern geht es hier um College-Freshmen. Insgesamt ist „Undeclared“ allerdings weniger Dramedy, mehr Sitcom (die Folgen sind auch jeweils nur halb so lang, nämlich 22 Minuten), wenn auch ohne Lacher vom Band. Steve Karp war auf der High School ein Außenseiter. Das College ist für ihn die Chance, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und in einem neuen Umfeld ganz neu durchzustarten. Tatsächlich landet er gleich in der ersten Folge mit der hübschen Wohnheimnachbarin im Bett, in die er sich auch prompt verliebt. Nur um am nächsten Tag festzustellen, dass diese bereits einen Freund hat – einen höchst eifersüchtigen. Ansonsten ist es nicht einfach, sich von seinem Elternhaus zu emanzipieren, wenn jeden zweiten Tag der frisch von seiner Frau verlassene Vater im Wohnheim aufkreuzt – und sich auch noch mit den Zimmernachbarn anfreundet.

„Undeclared“ setzt ganz auf Situationskomik, und stellenweise auch auf einen deutlich vulgäreren Humor als die Vorgängerserie. Für Tiefe bleibt relativ wenig Platz, wenn die Art, in der die Charaktere gezeichnet werden, auch immer von einer gewissen Warmherzigkeit geprägt ist. Insgesamt sind die Hauptfiguren nicht so sympathisch wie die von „Freaks…“, schauspielerisch gibt es aber nichts zu meckern. Seth Rogen bekommt hier endlich mehr zu tun als in der Vorgängerserie. Er ist auch der einzige Hauptdarsteller, der aus der älteren Serie übernommen wurde. Dafür tauchen fast alle anderen Geeks und Freaks hier als Gast Stars wieder auf. Insbesondere Jason Segel als exzentrischer eifersüchtiger Freund von Steves großer Liebe sorgt in einigen Folgen für komische Höhepunkte.

Thematisch dreht sich fast alles um Liebe und Triebe, Partys und andere Exzesse. Zum Studieren bleibt den Erstsemestern nur wenig Zeit. Obwohl die Sujets meist doch arg übertrieben wirken, gibt es immer wieder Szenen, in denen man sich wieder erkennen kann. Zumindest wenn man mal studiert und/oder in einem Wohnheim gewohnt hat. Insgesamt eine nette Serie, wenn man es auch nicht so stark bedauert, wenn bereits nach 17 Folgen schon wieder Schluss ist.

Jetzt habe ich mich auch mal an einen von Apatows Filmen ran gewagt: „Knocked Up“ (den bescheuerten deutschen Titel nannte ich oben schon) zeigt eines der ungewöhnlichsten Paare in der Geschichte der romantischen Komödie: Seth Rogen als freakiger Slacker und Katherine Heigl als toughe Karrierefrau, die nach einem One Night Stand im Vollrausch entsetzt feststellen müssen, dass Alison dabei schwanger geworden ist. Ben muss nun im Schnelldurchlauf erwachsen werden, während sich Alison fragt, ob sie wirklich ihr Leben mit diesem unreifen Chaoten teilen will.

Die Verfilmung dieser Story hätte ganz übel werden können – ist sie aber erstaunlicherweise nicht. Es gibt zwar ziemlich viel Fäkalhumor, allerdings auch eine recht hohe Trefferdichte. Entscheidend ist aber wiederum, dass die Figuren immer menschlich-sympathisch bleiben, dass man eher mit ihnen lacht als über sie. Das scheint mir Apatows Erfolgsgeheimnis zu sein. Trotz aller Eskapaden und F-Wörter driftet er nie in die Klamotte ab, gibt seine Figuren nie der Lächerlichkeit preis. Was hier allerdings gar nicht funktioniert ist die Slacker-WG von Ben, die mit der Hälfte der Hauptdarsteller aus seinen beiden Serien bevölkert ist: Jay Baruchel aus „Undeclared“, Jason Segel und Martin Starr aus „Freaks and Geeks“. Deren Charaktere sind diesmal jedoch so überzeichnet, dass sie schnell nur noch nerven. Außer Sex haben sie nämlich wirklich nichts mehr im Kopf.

Über weite Strecken ist Apatow allerdings eine romantische Komödie gelungen, die wirklich witzig ist, nicht kitschig und die beide Geschlechter ansprechen dürfte. Und die ganz nebenbei nicht nur das ein oder andere Tabu bricht, das es in amerikanischen Mainstream-Komödien so sicher noch nicht zu sehen gab (ich sag nur Vagina während der Geburt), sondern auch noch einige Klischees über den Haufen wirft. In einem muss man Apatow jedenfalls zustimmen: Ehrlicher als „Brokeback Mountain“ ist sein Film wirklich. Manchmal lohnt es sich eben doch, seine Vorurteile in Frage zu stellen.

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Im Fernsehen ist es oft wie im Leben: Die Besten gehen meistens zu früh von uns. Hier einige Serien, die bereits nach der ersten Staffel wieder abgesetzt wurden, obwohl sie großes Potential hatten – und es meistens überhaupt nicht verdient hatten. Wobei ich grundsätzlich in verschiedene Kategorien unterteilen würde:

1. Serien, bei denen ich die schnelle Absetzung grundsätzlich verstehe: Dazu zählt klar „Studio 60 on the Sunset Strip“, die Aaron Sorkin-Serie mit unverkennbar hohem Potential, die aber irgendwie schon nach der zweiten Folge keinen richtigen Fokus mehr fand. Obwohl Schauspieler, Bücher und Inszenierung durchweg gelungen sind, weiß man nicht so recht, um was es eigentlich gehen bzw. wo das dramatische Potential liegen soll. Zumindest hat man der Serie eine komplette Staffel mit 22 Folgen gegönnt, viel mehr hätte man aus dem Sujet auch nicht rauspressen können.

2. Serien, bei denen ich die Absetzung grundsätzlich verstehe, aber nicht, warum sie so schnell kommen musste: Also, „Bionic Woman“ ist jetzt nichts, was ich mir vier oder fünf Jahre lang hätte angucken müssen, aber um nach acht Folgen abgesetzt zu werden, fand ich sie wirklich zu gut. Insbesondere im Vergleich mit dem, was sonst so im SF-Serien-Bereich produziert wird (ich denke vor allem an die ganzen Stargate-Klone, die auf mich sowohl von den Büchern als auch der Produktion immer so billig wirken wie „Star Trek“ selbst in den 80ern nie gewesen ist). Zumindest eine komplette Staffel mit 22 Folgen hätte die Serie wirklich verdient gehabt.

3. Serien, bei denen mir die (frühe) Absetzung ein völliges Rätsel ist: „Earth 2“. Eine der innovativsten und originellsten Serien, die im SF-Bereich jemals den Weg auf den Bildschirm gefunden haben – nur, um nach knapp über 20 Folgen und mit einem Cliffhanger einen frühen Serientod zu sterben. War vielleicht einfach nur ihrer Zeit um einige Jahre voraus.

Und natürlich „Freaks and Geeks“. Ein echtes Kleinod, eine Serie, bei der im Grunde alles stimmte. Wenn solche Serien bei NBC nach 18 Folgen abgesetzt werden, weiß ich auch, warum in den USA so viele Menschen HBO und Showtime abonnieren. Wobei mir solche Network-Serien, die ein gewisses Niveau haben, ohne den Unterhaltungsaspekt zu vernachlässigen, meistens doch irgendwie lieber sind als so manche hoch ambitionierte, aber letztlich doch etwas dröge Kabelserie à la „Sopranos“ oder „Mad Men“. Andererseits sind mir 18 fast perfekte Folgen auch lieber als eine Serie, die zulange läuft und dann irgendwann immer mehr nachlässt.  So kann man wenigstens noch davon träumen, wie toll die nächsten Staffeln hätten werden können.

Serien, bei denen ich voll und ganz verstehe, warum sie die erste Staffel nicht überlebt haben, gibt es natürlich auch. Aber wenn ich hier jetzt als Beispiel „Firefly“ anführe, werde ich ja wieder gelyncht…