Mit ‘Jakob Augstein’ getaggte Beiträge

Wer ist Deutschland?

Veröffentlicht: 9. April 2010 in Politik, TV
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Manchmal frage ich mich schon, ob diese ganzen Nachrichtensendungen im TV wirklich Informationssendungen sind oder nicht im Grunde Informationsverhinderungssendungen. Was erfährt man z.B., wenn man jeden Abend 15 Minuten „Tagesschau“ guckt, und das für einen die einzige Informationsquelle ist, was das politische und allgemeine Weltgeschehen angeht?

Schönes Beispiel: die Berichterstattung über die Trauerfeier für die in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten heute im „heute-journal“. Angela Merkel sagt in ihrer Trauerrede: „Deutschland verneigt sich vor ihnen.“ Da frage ich mich: Wer bitte ist „Deutschland“? Also ich verneige mich bestimmt nicht vor Soldaten, die sich in einem fragwürdigen Auslandseinsatz, den die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus guten Gründen ablehnt, verheizen lassen. Der Beruf des Soldaten ist eben nicht nur zu töten, sondern, wenn’s schlecht läuft, auch, sich töten zu lassen. Kritsch hinterfragt wird aber im Bericht des ZDF natürlich gar nichts. Die Trauergäste, die der Reporter nach dem Gottesdienst befragt, loben einhellig die „treffenden Worte der Kanzlerin“, einer sagt, er findet es richtig, dass der Einsatz entschlossen „zu Ende geführt wird“. Wobei ja niemand so genau weiß, was das Kriegsziel eigentlich sein soll.

Danach ein Wischiwaschi-Kommentar des neuen ZDF-Chefredaktuers Peter Frey. Nachdem man sich beim ARD-Pendant „Tagesthemen“ schon seit Jahrzehnten fragt, welchen Sinn diese nichtssagenden Kommentare eigentlich haben sollen, zieht das ZDF also endlich nach. Aber wahrscheinlich gilt das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon als kritisch, was der Mann da absonderte. Der „Krieg gegen den Terror“ müsse ehrlicher geführt werden. Dass schon die Formulierung völliger Blödsinn ist und an Gehirnwäsche grenzt, thematisiert der Kommentator natürlich nicht. Hat Deutschland eigentlich in den 70ern und 80ern auch Krieg gegen die RAF geführt? Die RAF hätte das sicher gern so gehabt. „Krieg gegen Terror“ ist aber semantisch genauso ein Unsinn wie „Krieg gegen Mord“ oder „Krieg gegen Kindesmissbrauch“. Aber so weit denkt wahrschienlich im Meinungsmainstream der deutschen Medien niemand.

Da imponieren mir Publizisten wie „Freitag“-Verleger Jakob Augstein, der sich diesem ganzen Politberichterstattungs-Theater verweigert. Als er neulich im ARD-„Presseclub“ eingeladen war, wo wieder mal mehr über irgendwelche Koalitionsoptionsspielereien nach der NRW-Wahl geredet wurde als über die Probleme des Landes, fiel er zum Schluss aus der Rolle und meinte sinngemäß, das sei eine Diskussion, die nur die Journalisten selbst interessiere, aber nichts mit den berechtigten Anliegen der Bürger zu tun hätte. Leider war da die Sendung schon zuende. Ich bin gespannt, ob Augstein noch mal eingeladen wird.

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Quo Vadis, „Freitag“?

Veröffentlicht: 24. Februar 2010 in Online, Print
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Heute stolperte ich im Internet zufällig über zwei Artikel zum Thema „Freitag“, die die Situation der Wochenzeitung sehr unterschiedlich erscheinen lassen: In einem schon etwas älteren Interview mit DWDL sprach Verleger Jakob Augstein über die Möglichkeiten, in Zukunft (u.a. im Internet) Einnahmen zu erzielen. Das klingt alles sehr vernünftig, zumal Augstein von seinen Paid Content-Plänen, die er vor einigen Monaten mal in der „Freitag“-Community zur Diskussion stellte, inzwischen wieder abgekommen zu sein scheint.

Ein weniger rosiges Bild zeichnet ein taz-Artikel über die Kündigung eines altgedienten Feuilleton- und Literaturredakteurs. Nach diesem Artikel will sich Augstein im April komplett vom Kiosk zurück ziehen. Der „Freitag“ soll dann nur noch im Bahnhofsbuchhandel zu kaufen sein. Das ist schade und zeigt, dass die finanzielle Lage doch schlechter zu sein scheint, als ich gedacht hätte. Nur über den Bahnhofshandel und die Webseite wird es sicher schwieriger sein, neue Abonnenten zu gewinnen, was doch wohl das vorrangige Ziel ist.

Die Kündigung von Ingo Arend und die geplante Halbierung der Literaturseiten schlägt natürlich auch in der „Freitag“-Community hohe Wellen. Ich persönlich muss sagen, dass mich die inhaltliche Entscheidung nicht besonders stört. Tatsächlich sind die Literaturseiten im „Freitag“ mit diejenigen, auf denen ich am wenigsten lese. Eine Seite statt zwei würde mir da völlig reichen. Dass man einen langjährigen Redakteur kündigt bzw. ihm eine freie Mitarbeit mit 2/3 Honorar anbietet, ist hingegen für eine linke Zeitung ziemlich bedenklich. Das Argument, er habe eh immer nur einen Pauschalistenvertrag gehabt – sei also defacto eh immer nur freier Mitarbeiter gewesen – ist auch nicht besonders tauglich. Eher wundert mich, dass beim „Freitag“ selbst (ehemalige) Ressortleiter nur als Pauschalisten beschäftigt sind.

ich glaube allerdings, dass es in unserer großen Gesellschaft immer Leute geben wird, die eine klare Ansage haben wollen. Nur, wo bekommt man die? Wo ist denn der relevante publizistische Bereich am linken Rand? Der ist komplett leer, da gibt es nichts mehr. Wir haben dort nur noch irrelevante Zeitungen wie das „Neue Deutschland“ oder die „Junge Welt“

Ein sehr interessantes Interview mit „Freitag“-Verleger Jakob Augstein.