Mit ‘Kulturmagazine’ getaggte Beiträge

"Du"-Cover mit Bruno Ganz Abb.: Du Kulturmedien AG

Die (noch wenige Tage) aktuelle Ausgabe der Schweizer Kulturzeitschrift „Du“ beschäftigt sich im Schwerpunkt mit dem Schauspieler Bruno Ganz. Weggefährten wie Wim Wenders und Otto Sander kommen zu Wort, Ganz selbst natürlich auch, und es gibt viele wunderschöne Fotos aus seinen Filmen, von Dreharbeiten und Theaterinszenierungen. „Du“ zeigt beim Durchblättern sehr beeindruckend, was eine gut gemachte Zeitschrift bieten kann: Überformat, gutes Papier, klares Layout, großformatige Fotos, die im Internet nie so wirken würden.

Nachteil des Ganzen: der Preis. „Du“ ist wirklich nur für Besserverdienende bezahlbar, die bereit sind, für eine angenehme Lektüre auch einen hohen Betrag zu bezahlen. 15 Euro kostet das Magazin in Deutschland. Damit übersteigt es meine preisliche Toleranzgrenze leider deutlich. Acht, neun Euro ist das Allerhöchste, was ich in Ausnahmefällen bereit bin, für eine Zeitschrift auszugeben. Trotzdem schön, dass es solche Prestige-Zeitschriften in den Zeiten des Print-Sterbens noch gibt.

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Ich hatte ja neulich schon mal etwas über das neue Berliner Kulturmagazin „Aufstieg und Fall“ geschrieben. Jetzt habe ich es auch gelesen. Und muss leider sagen, dass der Inhalt nicht mit der Aufmachung mithalten kann. Das Heft sieht wirklich gut aus und liegt gut in der Hand – die Macher weisen extra darauf hin, dass sie „gefühlte 999 Papiermuster“ in der Hand hatten. Leider findet sich nicht ein einziger wirklich lesenswerter Artikel. Einiges ist ganz nett geschrieben, so der (englischsprachige) Artikel über einen betrügerischen Aktienhändler, der in den USA zu 150 Jahren Haft verurteilt wurde, bei vielem ist man hinterher genauso schlau wie vorher – etwa bei einer launischen Geschichte über sexuelle Anziehung -, und einiges ist schlicht unleserlich, so das Interview mit einem Trendscout, der eine Plattitüde an die nächste reiht. Wirklich hervorragend geschrieben ist leider nichts.

Einige Artikel kommen gleich ganz ohne Fakten aus, sondern sind reine Dichtung (die sieben Leben einer Katze und ein selbst ernannter Messias schreibt über sich selbst). Das finde ich vom Ansatz her erst mal nicht schlecht, nur sollten solche Texte dann auch wirklich witzig sein, was die beiden leider nur bedingt sind. Ein roter Faden ist auch nicht wirklich zu erkennen. Angeblich soll das verbindende Thema der Debütausgabe ja Aufstieg und Fall sein. Und was hat der Messias jetzt damit zu tun? Himmelfahrt oder wie? Und die geistig Behinderten in Dänemark? Bei DUMMY ist das Oberthema ja oft auch sehr schwammig gewählt, so dass fast alles dazu passt (Thema des aktuellen Hefts: Männer). Zumindest kann man aber immer noch erkennen, was jeder einzelne Artikel denn nun mit dem Oberthema zu tun hat.

Am besten sind in „Aufstieg und Fall“ noch die Fotostrecken, eine zu einem wilden rituellen Fest in Indien, eine zu einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Dänemark. Aber wegen denen allein gibt man ungern knapp sechs Euro aus. Insgesamt wirkt das Heft wie ein DUMMY ohne echten Inhalt. Special Interest-Magazine, also Film-, Musik- oder Comicfachzeitschriften lese ich vor allem wegen der Informationen; wenn die Texte darüber hinaus noch gut geschrieben sind, umso besser. Bei Zeitschriften wie DUMMY oder LIEBLING erwarte ich gar keinen Informationsgehalt, sondern besonders gut geschriebene Texte, die ich einfach gerne zur Unterhaltung lese. In „Aufstieg und Fall“ findet sich leider beides nicht. Schade! Es ist halt doch nicht alles Gold, was aus Berlin kommt und auf glanzlosem schwerem Papier gedruckt wird.

Vor Kurzem hab ich noch darüber gemutmaßt, wie lange die „Galore“-Macher noch durchhalten, heute meldet die taz, dass Mitte Juni die letzte gedruckte Ausgabe erscheinen soll. Das ehemalige Interviewmagazin hat seit 2008 mehrmals das Konzept geändert, ging zunächst weg vom reinen Interview- zum Kultur- und Lifestylemagazin, verringerte dann seine Erscheinungsweise von monatlich auf zweimonatlich, um zuletzt damit zu werben, dass nun auch noch eine DVD beiläge, die inhaltlich überhaupt nichts mit dem Konzept des Heftes zu tun hatte. Das Segment Lifestyle scheint zzt. wirklich tot zu sein, die Liste der in letzter Zeit eingestellten Titel ist lang: Park Avenue, Vanity Fair, Max, Matador, Maxim, Blond, nun auch noch Galore. Was waren das in den 80ern und frühen 90ern für goldene Zeiten, als am Kiosk noch Zeitschriften wie Tempo, Wiener und Twen um die Gunst der Leser konkurrierten.

Das Gewerkschaftsmagazin „journalist“ bringt in der Mai-Ausgabe einen Artikel zum Thema Zeitschriftensterben und Zeitschriftenneugründungen gegen den Trend. Vorgestellt werden u.a. Nido (tatsächlich eine neue Lifestyle-Zeitschrift, wenn man so will!) und das Kinomagazin Cargo, das mir persönlich ziemlich gut gefallen hat. Die Printausgabe desselben sei purer Luxus, werden die Macher in dem Beitrag zitiert. Der Online-Auftritt soll hingegen mit 30.000 PIs pro Monat sehr gut angelaufen sein (über die Auflage der Zeitschrift wurde leider nichts gesagt). Für ein ziemlich intellektuelles Kinoportal, auf dem es um Minderheitenfilmemacher wie Claire Denis und Thomas Harlan geht, ist das tatsächlich beachtlich.