Mit ‘Lokaljournalismus’ getaggte Beiträge

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und häufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele Gefälligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung veröffentlicht, um die Seiten zu füllen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Ich würde Hardy Prothmann ja mit fast allem zustimmen, nur bei mir selbst hat das Modell leider finanziell überhaupt nicht geklappt. Vielleicht war ich bei der Anzeigenakquise nicht hartnäckig genug, vielleicht ist es auch in einer Großstadt, die doch noch ein einigermaßen vielfältiges Angebot an lokalen Medien hat, einfach schwieriger als in einem Nest mit einer Monopolzeitung, Leser zu gewinnen. Momentan plane ich jedenfalls tatsächlich ein Print-Projekt (allerdings kein lokales). Das ist mMn die zweite Zukunftsstrategie: ein Nischenthema im Printmarkt zu besetzen. Jedenfalls bin ich mir relativ sicher, dass Zeitschriften wie DUMMY, brand eins oder 11 Freunde auch dann noch existieren werden, wenn es den Mannheimer Morgen und die NRZ schon nur noch als Marken im Netz gibt.

(via)

Werbeanzeigen

Für alle, die noch keine Mail von mir bekommen haben: Vor einigen Tagen ist SPEKTAKEL, mein neues Online-Stadtmagazin für Düsseldorf und Wuppertal online gegangen. Die Idee dahinter ist, ein lokales bzw. regionales Magazin zu machen, das sich von dem Einheitsbrei des Lokaljournalismus in den Tageszeitungen und deren Online-Portalen abhebt. Es sollen Themen angesprochen werden, die dort eher wenig bis gar keinen Platz bekommen, aus einer sozialen und jungen Perspektive. Das Magazin soll mal nicht die Generation 50+ ansprechen, wie das im Lokaljournalismus ja leider üblich ist, sondern in erster Linie die Jüngeren und Mittelalten. Ein bisschen ist das Ganze auch daraus geboren, dass ich ein klassisches „alternatives“ Print-Stadtmagazin wie den früheren Düsseldorfer „Überblick“ oder die Kölner „Stadt-Revue“ heute in D’dorf und W’tal schmerzlich vermiss(t)e.

Im Moment ist die Seite noch sehr Düsseldorf-lastig, ich hoffe und denke aber, dass in den nächsten Wochen auch der eine oder andere interessante Artikel mit Wuppertaler Thematik hinzu kommt.  Themenvorschläge sind ebenso wie Feedback natürlich immer willkommen.

Bratwurstjournalismus at its best

Veröffentlicht: 25. März 2010 in Print
Schlagwörter:,

Ein schönes Beispiel dafür, dass der Tenor, der im Großteil des deutschen Lokaljournalismus vorherrscht, an den wahren Interessen des überwiegenden Teils seiner Zielgruppe vorbei geht, liefert diese Woche der „Düsseldorfer Anzeiger“, eines jener Anzeigenblätter, die jede Woche unsere Briefkästen verstopfen kostenlos in unsere Häuser geliefert werden. In einem völlig unkritischen Artikel wird der neu eröffnete Baumarkt im ebenfalls neuen Einkaufscenter B8 in Flingern abgefeiert. Kritische Stimmen? Nee, wieso, die schalten doch eh keine Werbung bei uns?

Was soll es für den Leser für einen Erkenntnisgewinn bringen, dass der Projektleiter eines Unternehmens, das ein Einkausfscenter verpachtet, den Standort dieses Centers für ideal hält? Muss der Mann ja sagen, oder soll er vielleicht in den Block zitieren: „Wir haben halt kein besseres Grundstück gefunden, das bezahlbar gewesen wäre, da mussten wir halt unser Center hier hin bauen.“?

„Das ist ein Meilenstein in der Entwicklung von Flingern“, wird er stattdessen zitiert. Aber wer ist wohl hier mit Flingern gemeint? Die Anwohner, die sich über mehr Verkehr, mehr Lärm und schlechtere Luft freuen können? Die Einzelhändler auf den traditionellen Einkaufsstraßen in der Umgebung, die von dem Kundenstrom zu Praktiker und Saturn vermutlich gar nichts abbekommen?

Ach, wie ich diesen unkritischen, anzeigenkundenfreundlichen „Friede, Freude, Eierkuchen“-Lokaljournalismus liebe…