Mit ‘Mad Men’ getaggte Beiträge

Blogtipp für Fans von Minderheitenserien

Veröffentlicht: 13. April 2011 in Online, TV
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Ich muss mal das TV & Radio-Blog des Guardian empfehlen. So was gibt es ja in Deutschland gar nicht: dass eine große Tageszeitung auf ihrer Webseite regelmäßig über aktuelle TV-Serien schreibt, und zwar nicht nur über in ihrem eigenen Land produzierte, sondern auch über solche von amerikanischen Pay-TV-Sendern. Für alle, die Serien von HBO, AMC & Co. und welche von BBC, Channel 4 etc. lieben, ist dieses Blog eine tolle Anlaufstelle. Zurzeit begleiten die AutorInnen u.a. wöchentlich die britische TV-Ausstrahlung von Treme und, ganz neu seit letzter Woche, Rubicon. Und zu letzterer Pilotepisode gibt es dann auch bereits mehr als 70 Kommentare.  Wer also noch vorhat, diese insgesamt doch empfehlenswerte Serie anzuschauen: Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür. Empfehlenswert ist übrigens auch das Episodenblog zu allen vier bisher produzierten Mad Men-Staffeln.

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„Mad Men“ oder Die zwei Leben des Don Draper

Veröffentlicht: 8. Februar 2011 in TV
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„Nobody knows what’s wrong with themselves but everybody else can see it at once.“ Diesen klugen Satz sagt eine von Don Drapers zahllosen love interests in der dritten Staffel von „Mad Men“ zu ihm. Es könnte auch das Motto der gesamten Serie sein. Denn genau darum geht es in ihr, wenn man erst einmal hinter ihre Oberfläche gesehen hat: Um Menschen, die nicht die sind, die sie vorgeben zu sein, deren äußere, meist makellose  Erscheinung etwas verbirgt: ein Geheimnis, eine Sehnsucht, manchmal ein komplett anderes Leben. Und die Charaktere selbst könnten meist am wenigsten sagen, was es genau ist, was sie da verbergen, wonach sie im tiefsten Inneren suchen, während sie nach außen hin nach Erfolg, Sicherheit oder der nächsten Affäre streben.

Vordergründig ist „Mad Men“ eine Serie über einen Haufen Leute, die in einer New Yorker Werbeagentur in den 60er Jahren arbeiten. Wie in ähnlich angelegten Serien, etwa „Six Feet Under“, sind die Kunden, die mit ihren Aufträgen in die Agentur kommen, aber nur Katalysatoren für die eigentlichen Geschichten und treten noch dazu im Laufe der Staffeln zunehmend in den Hintergrund. Auf den zweiten Blick ist „Mad Men“ eine Serie über die (langsamen) gesellschaftlichen Veränderungen, die die USA in den 60er Jahren durchgemacht haben. Erst auf den dritten Blick ist es eine Serie über einen Haufen im Grunde mehr oder weniger unglücklicher Menschen, die nicht die sind, die sie zu sein scheinen.

Allen voran natürlich Don Draper, der Star der Serie, Creative Director der Agentur, kreatives Genie, Womanizer und Egomane. Doch schon in den ersten Folgen gibt es Hinweise, dass dieser Mann, der ein scheinbar perfektes Leben führt, gar nicht Don Draper ist – oder es jedenfalls nicht immer war. Im Laufe der Serie wird diese Figur völlig dekonstruiert, während sie einem gleichzeitig zunehmend sympathischer wird. Der Selfmademan mit dem erfolgreichen Job, der perfekten Familie und dem Häuschen in einer wohlhabenden Gegend wurde in ärmlichsten und unglücklichen Verhältnissen geboren, hat eine ungewöhnliche, nicht gerade legale Chance ergriffen, sich im Folgenden neu erfunden und als neue Persona erschaffen, um den Preis, mit seiner Vergangenheit und seiner Herkunftsfamilie endgültig und unwiederbringlich zu brechen. Doch wirklich zu sich selbst kommt dieser Draper nur, wenn er nach Kalifornien zurück kehrt und wieder in sein altes Leben schlüpft wie in seine wahre Haut.

So offensichtlich wie bei Draper ist es bei den anderen Hauptfiguren der Serie nicht, aber auch die aufstrebende junge Sekretärin und spätere Junior-Texterin Peggy Olsen, der Kundenberater Pete Campell und die atombusige Chefsekretärin Joan Halloway haben ihre kleinen und größeren Geheimnisse, ihre versteckten Ambitionen, und manche zwar keine Leiche im Keller, aber etwas fast vergleichbares. Im Wesentlichen spielt hier jeder ein Spiel, das alltägliche Spiel, das jeder kennt, der sich schon mal in einem Bürojob versucht hat: bloß niemandem sein wahres Ich zeigen, immer gut drauf sein und allzeit bereit.

Selbst verglichen mit den gr0ßen HBO-Serien ist „Mad Men“ noch extrem langsam erzählt. Deshalb dauert es eine Weile bis man in die Serie hineingezogen wird. Aber die Geduld zahlt sich aus: Spätestens ab der zweiten Staffel gibt es immer wieder Folgen mit geradezu perfekten Drehbüchern, voller dichter Emotionen und teilweise skurrilstem Humor. Nicht nur, dass man die Charaktere erst im Laufe der Zeit wirklich kennen und schätzen lernt, sie entwickeln sich auch konsequent weiter. Niemand ist hier nur gut oder nur böse, jeder hat seine positiven genau wie seine negativen Seiten. Was sich in den ersten Folgen teils noch sehr klischeehaft darstellt, erweist sich als vielschichtige, glaubwürdige Figuren. Wen man gerade noch bemitleidet hat, kann man im nächsten Moment schon wieder verachten und umgekehrt.

Schauspielerisch wird die Serie ganz von ihren beiden HauptdarstellerInnen getragen: Jon Hamm IST dieser Don Draper, ein eleganter, gut aussehender Mann wie aus einem Alfred Hitchcock-Film. Aber er kann auch die ganze Zerrissenheit und Zerbrechlichkeit darstellen, in der sich dieser scheinbar so erfogreiche Mann desöfteren wiederfindet. Elisabeth Moss spielt Peggy Olsen, die junge Frau, die sich in der harten Geschäftswelt der Männer behauptet. Sie entspricht wohl am wenigsten von allen wieder kehrenden Figuren den gängigen Schönheitsvorstellungen. Aber gerade das ist es, was sie aus der Masse all der kühlen Blondchen und heißen Brünetten heraushebt. Die Beziehung zwischen Peggy und ihrem Chef und Mentor Draper ist zugleich auch die Schlüsselbeziehung der gesamten Serie. Während er mit seinen anderen Sekretärinnen entweder ins Bett geht oder auf sie herabsieht (meistens gleich beides), entwickelt er für Peggy wahren Respekt, erkennt in ihr eine Seelenverwandte. Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft against all odds.

Die vierte Staffel, die Ende letzten Jahres in den USA lief, endet im Jahr 1965. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die in der ersten Staffel noch eher zu erahnen waren, sind längst unübersehbar. Bürgerrechtsbewegung, Drogen, Feminismus, Homosexualität, das Kennedy-Attentat: all das wird in der Serie auch verhandelt, aber eher nebenbei, nie aufdringlich oder belehrend. Eben so wie im wahren Leben. Und selbst Don Draper wohnt 1965 längst nicht mehr im spießigen Vorort, sondern im quirligen Greenwich Village. Es bleibt nur zu hoffen, dass dem kleinen Pay-TV-Sender AMC nicht vorzeitig das Geld ausgeht, damit man Don Draper & Co. noch ihren Weg durch die turbulenten Jahre 1968/69 finden sehen kann.

Was ist denn mit den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern los?

Veröffentlicht: 27. März 2010 in TV
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Jahrelang zeigen sie so gut wie überhaupt keine US-Serien mehr, und plötzlich kündigen sie ein Highlight nach dem anderen an: Die Süddeutsche meldet heute, dass ZDF Neo ab Herbst das schon seit Monaten auch in der deutschen Presse gehypte „Mad Men“ ins Programm nehmen will, laut DWDL soll „Breaking Bad“ ebenfalls ab Herbst bei arte laufen, und im nächsten Jahr soll dort mit „No.1 Ladies‘ Detective Agency“ noch eine selbst für HBO ungewöhnliche Serie folgen. Und alles ohne Werbeunterbrechungen – schön!

Da es mein letzter epd-Artikel über die Entwicklung, die US-Fernsehserien in den vergangenen zehn Jahren genommen haben, bisher nicht ins Internet geschafft hat, stell ich ihn hier mal in der Ursprungsfassung ein. Aufgrund der vorgegebenen Länge musste ich leider etwas an der Oberfläche bleiben und mich hauptsächlich auf drei interessante Serien beschränken: „Carnivàle“, „The West Wing“ und „Mad Men“.

Wer sich ausführlicher über „Mad Men“ informieren will, dem sei das Dossier in der aktuellen „Cargo“-Ausgabe empfohlen. Die Analyse von Bert Rebhandl ist das Beste, was ich bisher über diese viel besprochene Serie gelesen habe, dazu kommt dann u.a. noch ein Artikel über den feministischen Sachbuchklassiker „The Feminine Mystique“ von 1963, der als eine Art Inspirationsquelle für die Serie gelten kann. Die Autorin Betty Friedan beschrieb darin das damals noch vorherrschende Rollenmodell für Frauen als Hausfrauen und Mütter als „Ursache für ein weit verbreitetes Gefühl von Leere und Haltlosigkeit, ja sogar für Depression und Suizid“ (Catherine Davies in „Cargo“).

Hier nun aber mein Artikel:

Mit Tony Soprano fing fast alles an. 1999 startete der US-Bezahlsender Home Box Office (HBO) die Fernsehserie „The Sopranos“ um den von James Gandolfini gespielten Boss eines Mafia-Clans in New Jersey, die gleich in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe setzte. Als reiner Abosender fiel HBO nicht unter die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörde FCC, weswegen drastische Sprache und Sexszenen kein Problem darstellten. Zum anderen brach das gemächliche Tempo der Folgen radikal mit bis dahin im Fernsehen üblichen Erzählweisen.

Mit Serien wie den „Sopranos“ haben US-Pay TV-Sender wie HBO oder Showtime das Erzählen im Fernsehen revolutioniert. Die Zeiten, in denen Serien aus abgeschlossenen Folgen bestanden und die Ereignisse der vorangegangenen schon eine Woche später keine Rolle für die Charaktere mehr spielten, sind weitgehend vorbei. Längst sind viele US-amerikanische Serien komplexer als jeder noch so anspruchsvolle Kinofilm. Statt über zwei Stunden erstrecken sich einzelne Handlungsstränge über eine oder mehrere Staffeln. So ergeben sich epische Geschichten, die fast schon an die großen Romane von Tolstoi oder Dostojewskij erinnern.

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Serien für unter den Weihnachtsbaum

Veröffentlicht: 1. Dezember 2009 in Print, TV
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Barbara Schweizerhof schreibt in der neuen epd-Film über Serien-DVD-Boxen, die man sich unter den Weihnachtsbaum legen (lassen) könnte (leider nicht online, aber ihr könnt ja auch mal am Bahnhof rein gucken). Neben „Lost“ und „Rom“ geht es auch mal wieder um „Mad Men“. Das ist jetzt innerhalb weniger Wochen der fünfte Artikel, den ich deutschen Zeitungen und Zeitschriften über diese gefeierte US-Serie gelesen habe (zwischendurch habe ich noch einen selbst geschrieben). Schweizerhof ist nun die erste, die es mMn ganz gut auf den Punkt bringt: Vor lauter Ausstattung hat man ein wenig die Handlung vergessen. Zumindest in den ersten Folgen passiert nicht wirklich viel. Ein Problem, das ich bei „The Wire“ ähnlich hatte. Das motivierte mich in beiden Fällen nicht, das unbedingt weiter zu gucken.