Mit ‘Misel Maticevic’ getaggte Beiträge

Routinierter Verbrechensarbeiter: Misel Maticevic in "Im Schatten"; Foto: 3sat

Ich hab’s ja wirklich versucht. Hab den Filmemachern der so genannten Berliner Schule oft genug eine Chance gegeben. Mich meistens ziemlich gelangweilt, wenn auch teilweise auf hohem Niveau. Ein paar wenige Filme haben mir dann sogar ziemlich gut gefallen: Christian Petzolds „Toter Mann“, Christoph Hochhäuslers „Unter dir die Stadt“ erst letztes Jahr im Kino. Aber auf jeden Film, den ich gut fand, folgten gleich wieder mindestens zwei, die mir nichts sagten. Petzolds „Dreileben“-Beitrag war so ziemlich der langweiligste und uninteressanteste Fernsehfilm, den ich in letzter Zeit gesehen habe, seinen „Jericho“ habe ich nach 20 Minuten abgeschaltet, Maren Ades gefeierter „Alle Anderen“ war fast schon peinlich in seiner Mittelschichts-Selbstbespiegelung (Motto: Wir haben keine Probleme, deshalb machen wir uns welche.).

Auf den 3sat-Abend mit gleich drei Filmen aus diesem Umfeld gestern hatte ich mich echt gefreut. Über Thomas Arslans „Im Schatten“ hatte ich nur Gutes gehört (obwohl der Film außerhalb Berlins vermutlich nirgends regulär im Kino lief) und den Anfang auch schon mal gesehen, Angela Schanelecs „Orly“ wurde ja von Kritikern fast noch höher in den Himmel gelobt. Ich frage mich, warum bzw. was diese Stilübung nun von Hunderten anderer Studenten-, Low Budget- und TV-Filmen unterscheiden soll. Ich habe jedenfalls nach einer halben Stunde aufgegeben, nachdem sich abzeichnete, dass wohl auch in der restlichen Stunde nicht mehr passieren würde, als dass Menschen in einer Flughafenhalle miteinander sprechen, wobei diese Gespräche mal mehr, meist aber eher weniger interessant zu verfolgen sind.

An „Im Schatten“ gefielen mir der Stilwille, teilweise die Bilder und Farben (minutenlange Einstellung auf eine belebte Berliner Straßenkreuzung im Regen während der Anfangscredits, nächtlicher Blick aus der Windschutzscheibe auf die Landstraße, knallrotes Auto in der Waschstraße etc.) und natürlich der Mut zum Genre. Der Vergleich auf tittelbach.tv mit den frühen Wenders- und den Kriminalfilmen von Melville trifft es schon recht gut, wobei ich erstere meist toll, letztere meist langweilig fand (den „Eiskalten Engel“ mal ausgenommen): Auch bei Arslan passiert nicht viel, und wenn, dann völlig unvermittelt und als quasi natürliches Ereignis, ob nun jemand erschossen wird oder sich nur einen Milchkaffee bestellt. Es wird gar nicht erst versucht, (künstlich) Spannung zu erzeugen. Noch weniger wird allerdings versucht, irgendetwas psychologisch zu erklären, die Charaktere werden nicht einmal angedeutet, bleiben im Grunde Chiffren, austauschbar, damit aber leider auch für den Zuschauer unzugänglich, was das Geschehen wiederum belanglos erscheinen lässt. Warum soll mich interessieren, ob der von Misel Maticevic gespielte Gangster seinen Häschern entkommt oder nicht, wenn ich nichts über ihn erfahre, außer dass er eben ein Gangster ist (der seinem Beruf mit der gleichen Routine und Gelassenheit nachgeht wie etwa ein Buchhalter oder Verkäufer)?

Immerhin war „Im Schatten“ noch wesentlich unhaltsamer anzusehen als der danach gelaufene zweite Arslan-Film des Abends „Ferien“, den ich nicht einmal 20 Minuten durchgehalten habe. Den Blick der Protagonistin auf einen Ameisenhaufen zu teilen, dazu ist mir selbst ein Fernsehabend dann doch zu kostbar. Das Problem, dass ich mit der Berliner Schule habe, ist einfach, dass es in den meisten Fällen ungefähr aufs Gleiche hinausläuft, 90 Minuten aus dem Fenster zu gucken, mit dem Unterschied, dass ich dabei wenigstens noch echten Menschen in ihrem Alltag zugucke. Zumindest arbeitet Arslan noch mit nicht nur professionellen, sondern teils auch richtig guten Schauspielern wie Karoline Eichhorn, Angela Winkler oder eben Maticevic. Richtig schlimm wird’s dann bei solchen Filmen seiner „Schulkameraden“ wie „Sehnsucht“, wo Laiendarsteller schlecht improvisierte Dialoge von sich geben, und die Handkamera dazu ziellos hin und her wankt, als hätte Faßbinder in betrunkenem Zustand Regie geführt.

Ich mag ja deutsche Filme wirklich (und kann dieses ständige Bashing, wie schlecht doch der deutsche Film im internationalen Vergleich sei, auch nicht nachvollziehen; der Künstler gilt halt selten was im eigenen Land). Aber diese Stilrichtung ist halt doch so was von „typisch deutsch“, dass es mich meist einfach nur nervt. Die Dänen z.B. schaffen es ja spätestens seit Dogma ’95 kontinuierlich, mit ganz ähnlichen Mitteln Filme abzuliefern, die mindestens genauso realitätsnah sind, aber gleichzeitig eben auch unterhaltsam, und die, obwohl sie meistens ebenfalls auf Überwältigungsstrategien verzichten, trotzdem eine hohe emotionale Involviertheit der Zuschauer erreichen (während die Werke der Berliner Filmemacher wahrscheinlich den meisten Kinogängern einfach am Arsch vorbei gehen, selbst denen, die sie sich angucken).

Ich will ja nicht schon wieder mit Meister Graf ankommen, aber man schaue sich nur mal die drei „Dreileben“-Filme hintereinander an, da sticht sein Erzähl- und Inszenierungsstil ja so was von meilenweit hervor, dass „offensichtlich“ dafür schon eine Untertreibung ist. Wahrscheinlich werden die Filme der Berliner nur deswegen ständig auf Festivals eingeladen, weil sie eben „Friends of Dieter“ sind, wie neulich jemand im Radio meinte. Dieses Jahr läuft auf der Berlinale ja schon wieder ein neuer Petzold. Gute Nacht.

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