Mit ‘Presseclub’ getaggte Beiträge

Der Stürmer von Springer

Veröffentlicht: 8. Mai 2011 in Politik, Print, TV
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Schön, dass man beim Springer Verlag die rechten Hunde schon am Namen erkennen kann. So lange man da Redakteure mit solchen Meinungen beschäftigt, wie sie Michael Stürmer von der „Welt“ heute im „Presseclub“ zur Liquidierung Osamas losgelassen hat, fragt man sich allerdings schon, ob der Verfassungsschutz statt der Linkspartei nicht lieber die „Welt“-Redaktion beobachten sollte. Wie man denn überhaupt darüber diskutieren könne, ob es gut sei, dass die Amis Osama abgeknallt haben. Das sei ein typisch deutsches Verhalten. Zitat: „Impotenz bringt eben auch erhöhte Sensibilität mit sich.“ Ich denke mal, das war auf die internationale Macht Deutschlands bezogen, nicht auf Herrn Stürmer selbst.

Wenn das übrigens so weiter geht, dass die „Tagesschau“ es für eine der wichtigsten Nachrichten des Tages hält, dass ein Kirchenoberhaupt eine Messe abgehalten hat, denke ich weiterhin darüber nach, ein „Tagesschau“-Watchblog zu starten. Das hat ungefähr so viel Informationswert wie die Nachricht, dass viele deutsche Bäcker heute Nacht Brötchen gebacken haben.

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Wer ist Deutschland?

Veröffentlicht: 9. April 2010 in Politik, TV
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Manchmal frage ich mich schon, ob diese ganzen Nachrichtensendungen im TV wirklich Informationssendungen sind oder nicht im Grunde Informationsverhinderungssendungen. Was erfährt man z.B., wenn man jeden Abend 15 Minuten „Tagesschau“ guckt, und das für einen die einzige Informationsquelle ist, was das politische und allgemeine Weltgeschehen angeht?

Schönes Beispiel: die Berichterstattung über die Trauerfeier für die in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten heute im „heute-journal“. Angela Merkel sagt in ihrer Trauerrede: „Deutschland verneigt sich vor ihnen.“ Da frage ich mich: Wer bitte ist „Deutschland“? Also ich verneige mich bestimmt nicht vor Soldaten, die sich in einem fragwürdigen Auslandseinsatz, den die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus guten Gründen ablehnt, verheizen lassen. Der Beruf des Soldaten ist eben nicht nur zu töten, sondern, wenn’s schlecht läuft, auch, sich töten zu lassen. Kritsch hinterfragt wird aber im Bericht des ZDF natürlich gar nichts. Die Trauergäste, die der Reporter nach dem Gottesdienst befragt, loben einhellig die „treffenden Worte der Kanzlerin“, einer sagt, er findet es richtig, dass der Einsatz entschlossen „zu Ende geführt wird“. Wobei ja niemand so genau weiß, was das Kriegsziel eigentlich sein soll.

Danach ein Wischiwaschi-Kommentar des neuen ZDF-Chefredaktuers Peter Frey. Nachdem man sich beim ARD-Pendant „Tagesthemen“ schon seit Jahrzehnten fragt, welchen Sinn diese nichtssagenden Kommentare eigentlich haben sollen, zieht das ZDF also endlich nach. Aber wahrscheinlich gilt das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon als kritisch, was der Mann da absonderte. Der „Krieg gegen den Terror“ müsse ehrlicher geführt werden. Dass schon die Formulierung völliger Blödsinn ist und an Gehirnwäsche grenzt, thematisiert der Kommentator natürlich nicht. Hat Deutschland eigentlich in den 70ern und 80ern auch Krieg gegen die RAF geführt? Die RAF hätte das sicher gern so gehabt. „Krieg gegen Terror“ ist aber semantisch genauso ein Unsinn wie „Krieg gegen Mord“ oder „Krieg gegen Kindesmissbrauch“. Aber so weit denkt wahrschienlich im Meinungsmainstream der deutschen Medien niemand.

Da imponieren mir Publizisten wie „Freitag“-Verleger Jakob Augstein, der sich diesem ganzen Politberichterstattungs-Theater verweigert. Als er neulich im ARD-„Presseclub“ eingeladen war, wo wieder mal mehr über irgendwelche Koalitionsoptionsspielereien nach der NRW-Wahl geredet wurde als über die Probleme des Landes, fiel er zum Schluss aus der Rolle und meinte sinngemäß, das sei eine Diskussion, die nur die Journalisten selbst interessiere, aber nichts mit den berechtigten Anliegen der Bürger zu tun hätte. Leider war da die Sendung schon zuende. Ich bin gespannt, ob Augstein noch mal eingeladen wird.

Warum ist der „Presseclub“ so tendenziös?

Veröffentlicht: 20. September 2009 in Politik, TV
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Ist die überwiegende Mehrheit der politischen Journalisten in Deutschland konservativ oder sucht die ARD nur solche für die Teilnahme am „Presseclub“ aus? Eine Frage, die ich mir schon öfter gestellt habe. Bei der heutigen Sendung war es wieder mal besonders auffällig: Der Vertreter der Badischen Zeitung sagt, die Agenda 2010 habe doch so viele neue Arbeitsplätze gebracht. Keiner widerspricht. Ex-FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg malt das Schreckgespenst einer rot-rot-grünen Bundesregierung an die Wand: „Die Reichen würden auswandern, die Armen würden nicht reicher werden und die Mittelschicht würde durch höhere Abgaben belastet.“ Eine der beiden Journalistinnen, die auch noch teilnehmen dürfen, kichert zustimmend und sagt: „Ja, genau.“ Von Gegenstimmen keine Spur, niemand, der den neoliberal-konservativen Meinungsmainstream mal in Frage stellen würde. Sieht so ausgewogene öffentlich-rechtliche Meinungsbildung aus?

Man könnte z.B. mal fragen, was denn an Müller-Voggs Prognose so schlimm wäre, selbst wenn sich diese erfüllen würde. Im Moment sieht es nämlich so aus: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer und immer zahlreicher und die Mittelschicht schrumpft. Ist das wirklich so viel besser als die oben genannte Voraussage? Solange im „Presseclub“ aber hauptsächlich neoliberale Vorbeter wie Jörges und Reitz als Stammgäste sitzen (und ab und zu mal eine Bettina Gaus oder früher auch Bascha Mika von der taz als linke Alibi-Gäste), werden wir auf solche kritischen Gegenfragen wohl weiter vergeblich warten müssen.