Mit ‘Spirou’ getaggte Beiträge

Abb.: Carlsen Comics

Bei Frank Pé ist Spirou endgültig erwachsen geworden – ganz ohne Nazis und Kriege wie in den Beiträgen von Schwartz und Yann oder Bravo. Sondern auf natürlich wirkende Art, angesiedelt im Brüssel einer nahen Zukunft, in dem das Atomium endgültig verfallen ist. Äußerlich und charakterlich erinnert der Titelheld an einen etwas älter gewordenen Jonas Valentin (der ja auch schon von Album zu Album heranreifte). Nach einem Streit mit der neuen „Le Moustique“-Chefin nimmt sich Spirou eine Auszeit von seinem Reporterdasein und trifft den brillanten Tierdresseur Noë wieder, über den Franks geliebte exotische Tiere ins Spiel kommen. Noë, eine Randfigur aus Franquins letzter „Spirou“-Geschichte „Bravo Brothers“, arbeiten Frank und sein Szenarist Zidrou zu einem vollständigen ambivalenten Charakter aus. Dabei war seine Verbitterung über die Menschen und das Leben, die ihn dazu bringt, sich lieber mit Tieren zu umgeben, bereits in der ansonsten rein humoristischen Franquin-Kurzgeschichte angelegt. Neben weiteren alten Bekannten aus Franquins Kosmos treffen wir auch auf zwei neue wichtige Frauenfiguren, darunter eine zeichnerisch wie charakterlich herrlich gelungene rebellische Teenagerin. Was die grafische Seite angeht, ist Frank hier ohnehin auf der Höhe seines Zenits angekommen, verbindet scheinbar mühelos die Zeichenstile seiner beiden Hauptserien „Jonas Valentin“ und „Zoo“.

Das Autorenduo packt sehr viele verschiedene Themen in die Geschichte: Kunst und Kunstmarkt, Erwachsenwerden und Erziehung, die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Tier und Mensch – und als humoristischen Handlungsstrang auch noch eine Pilzseuche. Am Ende verknüpfen sich (fast) alle diese Fäden zu einem gelungenen Ganzen. Dem großen Naturfreund und Humanisten Frank ist damit eine wunderbar warmherzige Ode an das Leben gelungen – und der beste „Spirou“ seit dem Abschied von Tome & Janry vor fast 20 Jahren.

„Spirou und Fantasio Spezial: Das Licht von Borneo“ ist bei Carlsen Comics erschienen. Ein ausführliches Porträt von Frank Pé und seinem Gesamtwerk, geschrieben von mir, erscheint Ende Juli in der Comiczeitschrift ZACK.

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Unternehmenskultur in Comicverlagen

Veröffentlicht: 4. Dezember 2009 in Bücher
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Aus der Serie „Was man aus Comics lernen kann“: Auf die Psyche von frankobelgischen Comiczeichnern scheint es sich ausgewirkt zu haben, bei welchem der großen Verlage sie beschäftigt waren. Merkwürdigerweise waren es nämlich fast immer die Zeichner des belgischen Dupuis-Verlages (in dem das „Spirou“-Magazin erscheint), die depressiv wurden, während diejenigen, die für den Lombard-Verlag und dessen „Tintin“-Magazin arbeiteten, lebenslustige Menschen waren.

„Tibet bestätigt mir auch noch, dass es bei Lombard die Lebemänner und Frauenhelden gab und bei Dupuis die depressivern Alkoholiker… Bei Dupuis haben die Frauen ihre Männer zu den Festivals und Betriebsessen begleitet. Bei Lombard waren die Essen ohne Ehefrauen und endeten spät in irgendwelchen Bars. Man könnte von Unternehmenskultur sprechen…“ (So zitiert Lewis Trondheim den „Altmeister“, der seit Jahrzehnten die Serie „Rick Master“ zeichnet, in seinem autobiographischen Comic „Ausser Dienst“. Trondheims Kommentar dazu: „Ich bin froh, dass ich 1994 beim Spirou-Magazin nicht weitergemacht habe…“)

Merkwürdigerweise waren die großen Serien von Dupuis/“Spirou“ meistens humoristische Comics („Spirou und Fantasio“, „Gaston“, „Lucky Luke“, „Die Schlümpfe“ etc.), während in Lombards „Tintin“ eher Abenteurserien wie „Tim und Struppi“, „Blake und Mortimer“ oder eben „Rick Master“ erschienen. Macht es also depressiv, immer witzige Geschichten zeichnen zu müssen? (Hier könnte man jetzt sicher auch Parallelen zu Filmregisseuren wie Charlie Chaplin oder Woody Allen ziehen.)