Mit ‘Werbung’ getaggte Beiträge

Zu dieser Frage brachte die taz in ihrer letzten Wochenendausgabe einen höchst interessanten vierseitigen Artikel. Der Journalist Sebastian Heiser recherchierte dazu verdeckt und gab sich bei einigen großen und kleineren Zeitungen und Zeitschriften als Anzeigenvermittler aus, der Anzeigen gegen wohlwollende redaktionelle Beiträge „tauschen“ wollte. Wie die einzelnen Anzeigenabteilungen reagierten und was dagegen die jeweiligen Chefredakteure der Titel zur Trennung von Anzeigen und redaktioneller Berichterstattung in ihren Medien sagen, lässt sich auch im taz-Rechercheblog nachlesen.

Interessanterweise sind die Rechercheergebnisse mit Ausnahme des Spiegels nicht etwa so, wie man erwartet hätte: Während BILD und Handelsblatt solche Koppelgeschäfte ablehnten, sind es ausgerechnet „linke“ Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau und das Neue Deutschland, die mit am weitgehendsten bereit sind, sich „redaktionelle Beiträge“ bezahlen zu lassen. Am lustigsten sind die Äußerungen des ND-Anzeigenverkäufers. Der scheint nämlich nicht viel von seinen Kollegen in der Redaktion zu halten. So sei „der Autoredakteur ein großer Stinker […], der es schon fertig gebracht hat, unseren fast einzigen Autokunden so richtig mies runterzumachen redaktionell.” Am liebsten ist es ihm dann folgerichtig auch, wenn die bezahlende Firma ihre Artikel gleich selbst schreibt.

Das sei leichter, als einen Redakteur dazu zu bekommen, einen Text auf Bestellung zu schreiben: “Die fangen eben vielleicht auch noch an zu meckern und sagen: Darüber wollte ich jetzt aber gerade nicht schreiben.” Diese Redakteure “sind ja Künstler”, sagt er, und verdreht die Augen.

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Yesterday’s ads

Veröffentlicht: 17. Januar 2010 in Print
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Zwei Obskuritäten aus Zeitschriften der 70er/80er Jahre: 1980 war Heimkino noch ein richtig teueres Hobby. In der Prä-VHS-Ära waren Originalkinofilme auf Super 8 so unglaublich teuer, dass ich es teilweise echt nicht fassen kann. Im Nachlass meines Opas finden sich auch einige bekannte Kinofilme auf Super 8, die auch noch die Originalpreisschilder tragen: „Krieg der Sterne“, „Der weiße Hai“ u.a. Die kosteten so um die 100 DM. Dieser Anzeige aus dem Jahr 1980 nach waren manche Zeichentrick- und Realfilme aber noch wesentlich teurer: „Barbarella“ mit Jane Fonda 448,50 DM. Der teuerste Film im Angebot des Herrn (?) König war aber demnach „Zuckermann’s Farm – Die Abenteuer vom Schweinchen Wilbur“ (nie gehört; man beachte auch den schrägen Fall – gebt dem Genitiv keine Chance) für sagenhafte 495 DM. Dagegen sind DVDs heute billig wie geschnitten Brot.

Anzeige König Film

An folgende Anzeige konnte ich mich sogar noch aus meiner Kindheit erinnern: Sie war Ende der 70er wohl regelmäßig in Kinderzeitschriften abgedruckt. Wieder entdeckt habe ich sie in einem alten ZACK-Heft von 1977. Abgesehen davon, dass sich Kinder damals noch mit einem Schuh zufrieden gaben, dessen Absatz einen coolen Tigerkopf-Abdruck hinterließ, während es heute mindestens ein rotes Leuchten bei jedem Schritt sein muss, könnte man so eine Werbung heute auch aus Gründen der Political Correctness nicht mehr bringen: Die Geschlechterklischees sind doch bermerkenswert. Die Jungs wollten damals alle wild, schnell und ausdauernd sein, die Mädels gaben sich mit „happy und glücklich“ zufrieden und wollten deshalb auch keine wilden Tigerkopf-Schuhe, sondern lieber welche, an denen „wirklich immer ein Glückspony dran“ hing. Heute würden die Mädchen wahrscheinlich so lange quängeln, bis sie auch einen Tigerschuh bekämen.

Anzeige Tigerboy / Happy Pony

Viel Wirbel um „Southland“

Veröffentlicht: 14. April 2009 in Print, TV
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Das Ende des unabhängigen Journalismus oder eine gelungene PR-Aktion? Die L.A. Times druckte zum Start der neuen Serie von „ER“-Producer John Wells, „Southland“, auf ihrer Titelseite eine Anzeige, die wie ein redaktioneller Artikel gestaltet war. Willi Winkler sieht darin in der SZ so etwas wie den Verkauf der journalistischen Seele an den Teufel. Völlig übertrieben, wenn ihr mich fragt. Über dem Text stand groß „Anzeige“ und das NBC-Logo. Wer das dann trotzdem für einen normalen Artikel gehalten hat, ist entweder blind oder extrem unaufmerksam.