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Die WOZ verteidigt Kummer

Veröffentlicht: 12. Februar 2009 in Journalismus, Print
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Und womit? Mit Recht!

„Tom Kummer aber lesen wir nicht wegen der Fakten, sondern wegen des Spasses an temporeicher Schreibe.“

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Borderline-Journalist Tom Kummer, der 2000 für einen der größten Medienskandale im deutschsprachigen Raum der letzten Jahre sorgte, durfte nach längerer Zeit mal wieder etwas für die Schweizer „Wochenzeitung“ schreiben: eine Reportage über das Super Bowl-Finale, in der es eigentlich natürlich um etwas völlig Anderes geht, nämlich die wirtschaftliche Lage der USA. Und prompt zählen kleinliche Journalisten wieder irgendwelche zweifelhaften Rechercheergebnisse auf, Zahlen und Zitate Kummers, die angeblich oder tatsächlich nicht stimmen (Ich kann und will das nicht überprüfen, es ist mir auch herzlich egal).

Ob Angelina Jolie und Steven Spielberg nun wirklich diese beiden Sätze gesagt haben, ob das nun das Finale mit den höchsten Erlösen war oder nicht, ist eigentlich völlig irrelevant. Wer Kummer hier Fehler vorwirft, hat seinen ganzen Ansatz nie verstanden: Es geht Kummer nämlich nicht um Fakten, sondern um die Beschreibung gesellschaftlicher Stimmungen anhand höchst subjektiver Eindrücke. Das hat er selbst oft genug dargestellt, zuletzt in seiner lesenswerten Autobiographie „Blow Up“. Und Kummer macht das auf einem stilistischen Niveau, von dem die überwiegende Zahl seiner Kritiker wohl nur träumen kann.  Ich hoffe, die WOZ lässt sich von den zu erwarten gewesenen Kritiken nicht beirren und lässt Kummer weiter schreiben. Für die deutschsprachige Medienszene wäre es nämlich ein herber Verlust, wenn er irgendwann ganz verstummen sollte.